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Dorfverein Frauenhagen verwendet historische Technik, bindet Garben von Hand und wirbt fürs Traktoren- und Oldtimertreffen

Getreideernte wie zu Großmutters Zeiten

Gelernt ist gelernt: Hertha Hartwig, Ingrid Scholze und Christa Fichtmüller (v. l.) binden von Hand Garben und stellen sie zu Puppen zusammen - oder wie man in Frauenhagen sagt - zu Stiegen.
Gelernt ist gelernt: Hertha Hartwig, Ingrid Scholze und Christa Fichtmüller (v. l.) binden von Hand Garben und stellen sie zu Puppen zusammen - oder wie man in Frauenhagen sagt - zu Stiegen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Dietmar Rietz / 31.07.2016, 20:15 Uhr
Frauenhagen (MOZ) Mit museumsreifen Maschinen und Muskelkraft Getreide wie zu Großmutters Zeiten ernten, das ist eine Kunst und ein ernster Sommerspaß in Frauenhagen. Die Mitglieder des Dorfvereins bewahren so die Tradition und geben sie an Enkel und Urenkel weiter. Am Freitagabend ging es wieder raus aufs Feld.

Um die 80 Menschen haben sich auf dem Feld neben dem Zuhause von Siegbert Göhrz (77) versammelt. Der Bauer erinnert sich noch an seine Kindertage: "Früher haben wir hier bis zum Abend mit Pferden die Erntetechnik über die Hügel gezogen und Getreide geerntet. Einen Hektar am Tag haben wir vielleicht geschafft. Das war harte Arbeit für Tier und Mensch. Der Schweiß floss bei beiden in Strömen." Jetzt ist die Rückbesinnung auf alte Erntetechniken und -maschinen Traditionspflege in Frauenhagen.

Gerhard Scholze, Ortsbürgermeister und bis Jahresbeginn auch Vorsitzender des Dorfvereins, hatte die "Historische Ernte" vor ungefähr zehn Jahren gemeinsam mit Gleichgesinnten ins Leben gerufen. Sein Nachfolger Yves Matschke ist natürlich auch mit auf dem Feld. Er will die Tradition weiterführen. Der Verein rührt damit auch die Werbetrommel für das 12. Traktoren- und Oldtimertreffen, dass am 19. und 20. August in Frauenhagen stattfindet. 120 Fahrzeuge werden dazu erwartet.

Werner Falk lenkt wie in alten Zeiten den Deutz-Traktor, Baujahr 1956, durch die ersten Meter des großen Weizenfeldes an der Schönermarker Straße, und Karl-Heinz Hartwig kontrolliert vom Maschinensitz aus, ob der Ableger auch tut, was er soll. Die alte Erntetechnik stammt aus dem Schönermarker Museum. Der Mähbinder von Pferdefreund Henry Finger ist Privatbesitz. Er bindet das Getreide nach dem Mähen gleich zusammen. Das war anno dunnemals ein Riesenfortschritt auf dem Feld. Finger sitzt während der Mahd am Freitag auf dem Beobachtungsposten der Maschine. Sein Freund und Fahrer Konstantin Birr lenkt derweil den alten Traktor. Sie haben die Technik raus und im Griff.

Henry Finger sammelt alles, was Pferde ziehen können. Warum? "Ich bin Pferdefreund seit 20 Jahren. Mir ist wichtig, altes Kulturgut vor dem Verschrotten zu bewahren und zu erhalten."

Hertha Hartwig, Ingrid Scholze und Christa Fichtmüller greifen als erste zu beim Garbenbinden. Sie haben das schon als Kinder auf dem Feld gelernt. Für die 29-jährige Maria Holzhammer dagegen ist das aufregendes Neuland: "Da bekommt man Respekt vor dem, was die Großeltern geleistet haben, um ihre Kinder satt zu bekommen."

Nach der ernte gab es für alle Lecker Schmalzbrot, Gurken und Bier am Feldrand.

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