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Ringfinger-Prozess endet mit Haft

Michel Nowak / 02.08.2016, 06:58 Uhr
Eiche (MOZ) Im Reno-Schuhladen im Kaufpark Eiche stiehlt eine Kundin Schuhe. Als die Verkäuferin sie zur Rede stellt, beißt die Diebin der Verkäuferin fast den rechten Ringfinger ab. Wegen räuberischen Diebstahls hat das Landgericht Frankfurt (Oder) die Frau am Montag zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Außerdem muss sie 5000 Schmerzensgeld Euro zahlen.

Viel zu lange hat es bis zu diesem Prozesstermin gedauert, findet die 40-jährige Verkäuferin. Vor fast zwei Jahren hatte die Geschädigte in Eiche beinahe ihren rechten Ringfinger verloren. Nur durch eine Notoperation konnte der fast vollständig abgetrennte Finger gerettet werden. Bis heute habe sie Einschränkungen, sagt die Verkäuferin vor dem Landgericht.

Als Nebenklägerin sitzt die Berlinerin der Beschuldigten gegenüber. Von der heute 35-jährigen Angeklagten gibt es zu Prozessbeginn ein verlesenes Geständnis und eine dünne Entschuldigung. "Es tut mir leid. Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es tun", sagt die Altlandsbergerin.

Die Verkäuferin hatte beobachtet, wie die Angeklagte ein Paar Schuhe im Wert von knapp 60 Euro in einer roten Tasche verschwinden ließ. Daraufhin stellte sie die Frau zur Rede. Die wehrte sich und flüchtete. Die Verkäuferin rannte hinter ihr her. Auf dem Parkplatz kam es zu einem folgenschweren Handgemenge. Die 35-Jährige packte den Arm der Verkäuferin, steckte ihre Hand in den Mund und biss in den oberen Teil des Ringfingers. "Dabei hat sie mich grinsend angeschaut, als wollte sie sagen: ,Das hast Du nun davon'", sagt die Verkäuferin unter Tränen. Eine zufällig ebenfalls einkaufende Polizistin eilte herbei und hielt die Täterin fest. Weitere Passanten kümmerten sich um die Frau. "Es war fürchterlich, so was habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt", sagt Petra Pape, ebenfalls Schuhverkäuferin heute im Gericht, "meine Kollegin ist eine junge Frau und sie kann ihren Finger nicht mehr richtig benutzen."

In einer Notoperation konnte der Ringfinger wieder angenäht werden, zwei Wochen musste die Geschädigte im Krankenhaus bleiben, fast drei Monate war sie krankgeschrieben. Oberstaatsanwältin Petra Marx sieht den Tatbestand räuberischen Diebstahls erfüllt, die Nebenklage fordert fünf Jahre Haft.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Angeklagte wegen Betrugs vorbestraft ist. Aktuell leistet sie noch Sozialstunden ab. Besonders dreist: Einige Monate nach der Tat fiel sie im Kaufpark Eiche durch einen weiteren Ladendiebstahl auf, diesmal im Kaufland-Markt. Die 35-Jährige hat nun die Möglichkeit, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

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