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"Wir lieben jede krumme Wand"

Elke Lang / 13.08.2016, 07:21 Uhr
Groß Eichholz (MOZ) Sie stehen nicht unter Denkmalschutz, werden aber von ihren Bewohnern in diesem Sinne erhalten: schöne alte Bauernhäuser. In einem solchen wohnen in Groß Eichholz Margot und Harry Wels.

Streng genommen ist es gar kein Bauernhaus, sondern ein Forsthaus. Der heute 81 Jahre alte Harry Wels war hier bis 1996 Revierförster und die Ehefrau ebenfalls in der Forstwirtschaft tätig, aber hinter einem Schreibtisch. Beide sind stolz auf ihr Häuschen.

Seit 1960 wohnen sie hier, haben hier ihre Kinder Ramona und Thomas großgezogen und wollen nie mehr weg. 1999 konnten sie es kaufen und haben mit ihren Kindern über zwei Jahre lang alles liebevoll heutigen Ansprüchen angepasst.

Urkundlich erwähnt wurde das Haus laut Wikipedia erstmals 1801. Damals gab es in dem heutigen Ortsteil von Storkow "sieben "Ganzkossäten' und 15 Einlieger. Es gab einen Krug und eine königliche Unterförsterei". Das Paar bewahrt eine Postkarte von Groß Eichholz aus der Zeit um 1900 auf. Von dem Forsthaus ist nur sein Fachwerkgiebel der Ostseite zu sehen. Diese ist so wie die Vorderfront gänzlich in Ziegel-Fachwerk errichtet worden. Die beiden anderen Seiten bestehen aus Backstein, der noch sichtbar ist, während das Fachwerk in den 1970er Jahren unter einem grauen, damals als chic geltenden Spachtelputz verschwunden ist.Der Putz ist echte Qualitätsarbeit. Es bröckelt nirgends, und so haben die Welses ihn auch belassen und wenigstens freundlich weiß angestrichen. Die Fenster allerdings mussten erneuert werden. Sie blieben in ihrer alten Form erhalten und bekamen auch wieder nach historischem Muster Fensterläden. "Jalousien wären zwar fast günstiger gewesen, aber wir wollten wieder Fensterläden", bekräftigt Margot Wels. Auch den Vorbau mussten sie erneuern lassen. Auf einem alten Foto wirkt er wie eine romantisch bewachsene Laube. Mit der Fassadenverputzung vermutlich hatte er, dem modischen Trend folgend, ein Pultdach aus Glas bekommen. "Er hat noch seine Funktion erfüllt, uns aber nicht mehr gefallen", erklärt die Ehefrau und erzählt, wie sie in der Gegend an alten Häusern nach historischen Mustern ausgeschaut haben. In Fürstenwalde sind sie fündig geworden und haben ihren Tischler hingeschickt, damit er das nachbauen kann. Das gekreuzte Gebälk weist auf das Fachwerk hin. Daran, dass es einst ein Forsthaus war, erinnert an seinem Giebel eine Trophäe. Harry Wels als Jäger hat dafür aus seiner Sammlung einen "schwachen Hirsch" ausgesucht, denn "ein starker wirkt angeberisch und hätte auch nicht rangepasst". Historisch getreu an dem Gebäude ist noch das mit Biberschwänzen gedeckte Dach der Vorderseite.

Ursprünglich war das Anwesen über 5000 Quadratmeter groß. Margot und Harry Wels sind froh, dass sie das große ehemalige Wirtschaftsgebäude nicht kaufen mussten. Jetzt haben sie nur noch 2748 Quadratmeter, weiß Margot Wels ganz genau, "und das ist reichlich". Ihren Garten haben sie wie einen Park gestaltet. Innentoilette und Bad mit Badeofen bekam das Haus 1965. Harry Wels erinnert sich: "Dass Wasser reingelegt wurde, war super, wer hatte damals auf den Dörfern schon Wasser?" Auch wenn sie 1999 Erdgasheizung haben legen lassen, gibt es noch zwei Kachelöfen, von denen einer mit Ofenbank regelmäßig geheizt wird. Unter der Tapete ahnt man das Fachwerk. "Ich liebe jede krumme Wand. Das Haus hat eine Seele, es lebt. Hier sind die Kinder groß geworden und hat der Enkelsohn schon gespielt", schwärmt Margot Wels.

Haben Sie auch ein schönes altes Bauernhaus? Dann melden Sie sich. Telefon: 03366 40250 oder beeskow-red@moz.de

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