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Pommernschaf-Tag macht alte Schafrasse wieder bekannt

Schaufrisieren und Misswahl zur Körung

Auf dem Laufsteg: Schaf Pauline von Züchterin Jana Nühring vom Hof Kunow in Stechlin. Die Tiere haben dicke, filzige Wolle meist von dunkler bis grauer Farbe, und sehr zartes, mageres Fleisch.
Auf dem Laufsteg: Schaf Pauline von Züchterin Jana Nühring vom Hof Kunow in Stechlin. Die Tiere haben dicke, filzige Wolle meist von dunkler bis grauer Farbe, und sehr zartes, mageres Fleisch. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 15.08.2016, 06:15 Uhr - Aktualisiert 15.08.2016, 10:45
Meyenburg (MOZ) Der Pommernschaf-Tag zur Bewertung von Rauhwolligen Pommerschen Landschafen hat am Wochenende nicht nur Züchter angezogen. Neugierige Städter und Neudörfler kamen und lernten, wie Schafe gekört werden, die Wolle frisiert bekommen und stimmten mit bei der Wahl zur Miss Schaf.

Es ist der 12. Pommernschaf-Tag, den Schäfermeisterin Gunda Jung mit dem Schafzuchtverband und der Unterstützung ihrer ganzen Familie organisiert hat. Der Treff der Züchter dieser alten, vom Aussterben bedrohten Haustierrasse ist zum wichtigen Aushängeschild der Bemühungen um ihren Erhalt geworden und hat sich mittlerweile zu einem kleinen Volksfest entwickelt.

Der Pommernschaf-Tag zur Bewertung von Rauhwolligen Pommerschen Landschaften hat am Wochenende nicht nur Züchter angezogen. Neugierige Städter und Neudörfler kamen nach Meyenburg und lernten, wie Schafe geschoren und gekört werden, griffen in die weiche Wolle und machten mit bei der Miss-Schaf-Wahl.
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Rauhwollige Pommersche Landschafe sehen süß aus, wenn sie mit völlig schwarzer Wolle, die Fachleute sprechen von Dunkelblau, geboren werden und über die Wiesen springen. Später wird ihr Wollkleid grau, wie die Haare beim Menschen. Wer sich traut, wie die kleine Melanie (6) aus Angermünde, in die Wolle hin-ein zu greifen, staunt, wie flauschig die ist. Neben vielen anderen Vorzügen wie Robustheit, Genügsamkeit, dunklem, zarten Fleisch, ist gerade die bestens filzende Wolle noch heute bekannt und beliebt als Rohstoff für gut wärmende Socken oder Jacken der Marke Eigenbau.

Schafscherer Michael Zeh aus Bralitz zeigt den Familien mit kleinen Kindern aus Schwedt, wie er ruck zuck einem Schaf die Wolle vom Leib schert. Die reine Bewertung der Rasse, bei Böcken Körung genannt und Voraussetzung zur anerkannten Zucht, wird mit einer Wahl von Miss und Mister Uckermark unter den Schafen zur unterhaltsamen Show. Das Publikum darf sogar mit abstimmen.

Am Imbissstand gibt es auch Lamm-Bratwurst und -Gulasch, ebenso leckeren Kuchen oder Dauerwurst aus Lammfleisch.

Die Bewertungskommission erläuterte dem Publikum, warum welches Schaf mit mehr oder weniger Punkte bewertet wird, wie lang die Wolle für eine höhere Punktzahl sein müsste und wann es für beim Erscheinungsbild des Wollkleids oder der Körperform Punktabzüge gibt. "Es geht um den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die Gene kann man bei Tieren nicht einfrieren und in Grönland unterirdisch bunkern wie Getreidesamen. Man kann die Rassen nur durch Zucht und Haltung für die Nachwelt bewahren", erklärt Anke Mückenheim von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. Die Schäfermeisterin aus Schleswig-Holstein züchtet selbst Rauhwollige Pommersche Landschafe und schaut zusammen mit Jens Kath von der Lehrschäferei Friedrichsfelde und Züchterin Gunda Jung aus Berkholz genau auf alle Rassemerkmale.

Die Haltung der Pommernschafe ist eine Sache von Idealisten wie Gunda Jung, die schon immer Schäferin werden wollte und jetzt insgesamt an die 250 Rauhwoller, eigene und die vom Landwirtschaftsbetrieb Milgeta, betreut, dem Pensionär Eberhard Henne, früher Tierarzt, Biosphärenreservatsleiter und Landwirtschaftsminister aus Steinhöfel mit eine Miniherde zur Grundstückspflege oder Andreas und Andrea Kronberg. Die beiden züchten und halten rund 30 Mutterschafe der Rasse auf ihrem Bauernhof am Storchennest am Mellensee. Leben können sie davon nicht.

Unter Aufsicht von Michael Jurkschat, Tierzucht-Experte beim Landesamt für ländliche Entwicklung, wurden 47 Mutterschafe und acht Böcke bewertet. Gunda Jung schätzt, dass es in der Uckermark rund 300 Zuchttiere der Schafrasse gibt. Der Pommernschaf-Tag kann dazu beitragen, dass sich die Vorzüge der auf trockene Böden und für die Landschaftspflege angepassten Schafrasse weiter herumsprechen und neue Halter oder Züchter gewonnen werden.

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