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Bürgermeisterin Kerstin Falke verweist auf Parlamentsbeschluss von 2015: Mitgliedschaft bringt dem Ort keinen Vorteil

Hohenfinow verlässt Gemeinschaft "Historische Dorfkerne"

Zentraler Info-Punkt: die Stelen-Gruppe auf dem Anger vor dem alten Querhaus
Zentraler Info-Punkt: die Stelen-Gruppe auf dem Anger vor dem alten Querhaus © Foto: Andreas Gora
Viola Petersson / 23.08.2016, 05:45 Uhr
Hohenfinow (MOZ) Noch stehen sie, die Tafeln "Historischer Dorfkern". Doch in Kürze werden sie aus den Ortseingängen verschwinden. Denn: Hohenfinow, 2005 Gründungsmitglied, hat die Arbeitsgemeinschaft (AG) "Historische Dorfkerne im Land Brandenburg" verlassen. Bürgermeisterin Kerstin Falke wundert sich ob des medialen Interesses.

Immerhin hat der Gemeinderat schon im Sommer vorigen Jahres beschlossen, die Mitgliedschaft zu beenden. Allerdings, so räumt sie ein, sei der Austritt nicht sogleich vollzogen worden. Erst jetzt hat die Kunde offenbar Potsdam erreicht. Auf der Homepage der AG wird Hohenfinow nun zumindest unter der Rubrik "Wir stellen uns vor" nicht mehr geführt.

Die Entscheidung, so versichert Falke, habe keine finanziellen Gründe. Die 400 Euro Mitgliedsbeitrag, die man nun spare, habe Hohenfinow aufbringen können. In der Begründung zum Beschluss hieß es damals: Die Gemeindevertretung sei einstimmig der Auffassung, dass die Mitgliedschaft "keine konkreten Ergebnisse" und "der Gemeinde keinen Vorteil" bringe.

"Wir haben es nicht leben können", erklärt Falke heute präzisierend. Ähnlich wie im Fall der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) Finowkanal, aus der die Gemeinde schon zuvor ausgetreten war und das Handtuch geworfen hat. "Wir sind so eine kleine Gemeinde. Es hat sich niemand gefunden, der an den Sitzungen teilnimmt und sich dort engagiert." Hohenfinow habe einfach "nicht die Kraft", sieht Falke die Kommune überfordert. Und eine Mitgliedschaft nur um der Mitgliedschaft willen, mache keinen Sinn. Zumal man eben auch nicht habe profitieren können. "Der Umgang mit dem Denkmalschutz bzw. der Denkmalbehörde hat sich nicht vereinfacht", resümiert das ehrenamtliche Dorfoberhaupt. Dass die beiden Schilder am Ortseingang verschwinden, sieht Falke nicht als Verlust an. "Wir wollen den Informationspunkt am Querhaus, den wir geschaffen haben, stärken." Dort sollen noch weiterführende Info-Tafeln installiert werden. Grundlage für den Info-Punkt war der künstlerische Entwurf des Eberswalder Metallbildhauers Eckhard Herrmann.

Im Gegensatz zu Hohenfinow sieht man in Neulietzegöricke (MOL), dem ältesten Kolonistendorf im Oderbruch, die Mitgliedschaft in der AG durchaus als "Bereicherung und Gewinn", wie Bürgermeister Horst Wilke sagt. Anliegen sei, das kulturelle Erbe, insbesondere die historischen Dorfformen, zu erhalten. Dies sei "eine hochinteressante Aufgabe". Die Mitgliedschaft und der Erfahrungsaustausch würden "den eigenen Horizont erweitern". Es entstünden Kontakte zu den Ministerien, aber auch in andere Bundesländer. Die Hoffnung aber, dass das Land ein Extra-Förderprogramm auflegt, habe sich leider nicht erfüllt, so Wilke.

Einst wurde in Hohenfinow, einem Angerdorf, Weltpolitik gemacht. Insbesondere unter Theobald von Bethmann Hollweg, von 1909 bis 1917 Reichskanzler. Die Familie, seit Mitte des 19. Jahrhunderts Eigentümerin des Guts, hat zahlreiche Spuren im Ort hinterlassen. So erinnern beispielsweise das ehemalige Gut (Schloss), die Kirche und die Grabkapelle an das Wirken. Doch Hinweise darauf sind rar. Immer wieder hatten die Hohenfinower selbst moniert, dass Touristen auf dem Weg zum Schiffshebewerk zwar Hohenfinow passieren, der Ort aber ein Schattendasein führe. Die Arbeitsgemeinschaft zählt nunmehr elf Mitglieder. Der Barnim ist mit dem Austritt Hohenfinows nicht mehr vertreten.

Weitere Informationen unter www.historische-dorfkerne-brandenburg.de

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