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103 große und kleine Leute bei der Völkerwanderung der Biesebrower dabei / Gastfreundliche Verpflegung in Welsow und Kerkow

Hitzemarsch nach Angermünde

Kerstin Unger / 30.08.2016, 05:45 Uhr - Aktualisiert 30.08.2016, 10:31
Biesenbrow (MOZ) Verschwitzt, geschafft, aber gut gelaunt sind die Teilnehmer der diesjährigen Völkerwanderung von Biesenbrow nach Angermünde am Sonnabendnachmittag auf dem Martktplatz angekommen. Unterwegs gab es wieder schöne Erlebnisse.

Voll freudiger Erwartung versammelten sich die Wanderer am Morgen auf dem Biesenbrower Dorfplatz. Unter ihnen waren Gäste aus Zittau und Schwerin. Sie gehören zu den Stammgästen. Zum dritten Mal seien sie dabei, erzählten Thomas und Silke Schiller aus Zittau. Vor fünf Jahren kamen sie nach Biesenbrow, lernten im Juli Eckhard Kolle vom Landkulturverein kennen. "Im August haben wir dann das erste Mal an der Völkerwanderung teilgenommen", erzählte Thomas Schiller, der Ehm Welks Bücher mag. Sein großer Sohn heißt Martin wie Welks Romanfigur Martin Grambauer. Sein jüngster Sohn hat mit Ehm Welk am 29. August Geburtstag.

Es ist ein Spektakel, wenn der Zug aus Jungen und Alten von Biesenbrow über die Dörfer zieht und am Nachmittag in Angermünde einmarschiert.
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Völkerwanderung nach Welks „Heiden von Kummerow“

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Verbindungen zu Ehm Welk hat auch ein Ehepaar aus der Nähe von Schwerin, das schon zum fünften Mal mitlief. "Meine Tante wohnte in Bad Doberan. Als Ferienkind bin ich oft an Ehm Welks Haus vorbeigelaufen. In einem Urlaub haben wir bei der Apfelgräfin Daisy von Arnim von der Völkerwanderung gelesen. Für uns ist das ein fester Termin, berichtete der Ehemann. Seine Frau schwärmte von den netten Gesprächen, die man unterwegs gehabt habe.

Nachdem der Bus aus Angermünde mit weiteren Teilnehmern angekommen war, begrüßte Eckhard Kolle alle Gäste und erzählte ihnen, was sie unterwegs erwartet. "Wer den Weg kennt, geht vorne", sagte er. Besonders freute er sich, dass sich der Angermünder Bürgermeister an der Völkerwanderung beteiligte. Ihm sei im Wahlkampf oft gesagt worden, dass in Angermünde und den Ortsteilen nichts los sein, meinte Frederick Bewer, der seit zwei Monaten im Amt ist. "Jetzt komme ich bei den Terminen kaum hinterher." Er dankte dem Landkulturverein für das ehrenamtliche Engagement.

Den ersten Spaß für alle gab es schon vor dem Start. Kinder aus Günterberg sowie aus Syrien und Afghanistan spielten eine Szene aus "Die Heiden von Kummerow" mit viel Witz und hervorragendem Deutsch auch bei den Flüchtlingskindern. Dann ging es los in Richtung Breitenteicher Mühle, wo zum ersten Mal gerastet und Picknick gemacht wurde.

In Welsow erwartete die Feuerwehr die Wanderer zum Mittag mit gegrillten Bratwürsten. Auch ein Duell wurde wieder ausgetragen. Beim Tauziehen gewannen wie üblich die Welsower.

Dann folgte das wohl schwerste Stück des Wegs, bei 34 Grad Hitze über die Töpferberge in Richtung Kerkow. Hier wurde die Gruppe vom Freundeskreis Kerkower Dorfkirche mit Kaffee und Kuchen verwöhnt und man konnte sich bei einem kleinen Orgelkonzert erholen.

Mit der Trommel und der Fanfare voran, marschierte der Zug, der sich am Café Seeblick gesammelt hatte, in Richtung Markt. Hier hatten sich einige Angermünder am Café Schmidt bei Kaffee und Kuchen eingefunden, um die Helden der Landstraße in Empfang zu nehmen. Fast genauso wie die Wanderer schwitzte Dr. Christian Böwe, der singende Arzt, der die Leute mit Gesang zur Gitarre und Mundharmonika unterhielt. Eckhard Kolle verkürzte die Wartezeit mit Informationen über Ehm Welk und die Völkerwanderung. Er berichtete, mit wieviel Spaß die Kinder aus Syrien und Afghanistan die Szenen aus Ehm Welks "Die Heiden von Kummerow" einstudiert haben. Davon konnte man sich auch nach der Ankunft der Biesenbrower und Gäste überzeugen, als die Szene vom Trommelklau gespielt wurde. Dafür gab es nicht nur riesigen Applaus, sondern auch Spenden in den Hut, die dicke für ein erfrischendes Eis reichten.

Uwe Thamm aus Zehdenick überreichte an diesem Nachmittag eine Paperback-Ausgabe von Ehm Welks Buch "Mutafo", das er vor Jahrzehnten in Angermünde gekauft hat, an Eckhard Kolle. Dieser erinnerte an das vorige Jahr, als Karin Rochlitz ihm ein Bildnis von Ehm Welks Vater Gottfried Welk von einem Bekannten aus Westdeutschland für das Museum übergab. Jetzt hängt es gut aufbewahrt beim Landkulturverein Biesenbrow. "Sobald das Heimatmuseum seinen Platz im Haus Uckermark hat, wird es dort einen würdigen Platz finden", versicherte er.

Das Ehepaar Schiller aus Zittau schaffte wie die meisten der gestarteten 103 Leute die 17 Kilometer Fußmarsch bei brütender Hitze. Einige hatten sich in Welsow verabschiedet, weil sie Karten für das Energie Open Air am Wolletzsee hatten.

Das Ehepaar aus Zittau wollte vor der Heimfahrt unbedingt ein Lob an Eckard Kolle und seine Frau loswerden, die sich so engagieren. "Ohne sie würde das alles nicht stattfinden", sagte Thomas Schiller. "Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei", versprach er. Dann werden die Wanderer aus Biesenbrow am Ziel vielleicht mit noch mehr Aufmerksamkeit der Angermünder Bürger belohnt. Die geringe Resonanz hier war der einzige Kritikpunkt.

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