Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bei den Pflanzen am Wulkower Weg handelt es sich um Wildwuchs.

In Kliestow blüht der Hanf

Zeigt den Hanf: Burkhard Fettke hat die Pflanzen das erste Mal in diesem Jahr bei einem seiner Spaziergänge Anfang August wahrgenommen.
Zeigt den Hanf: Burkhard Fettke hat die Pflanzen das erste Mal in diesem Jahr bei einem seiner Spaziergänge Anfang August wahrgenommen. © Foto: MOZ/Martin Stralau
Martin Stralau / 31.08.2016, 19:32 Uhr - Aktualisiert 01.09.2016, 15:15
Kliestow (MOZ) Am Wulkower Weg, nördlich vom Kliestower See, reiben sich Spaziergänger seit Wochen verwundert die Augen. Neben einem Maisfeld wächst auf mehreren Hundert Metern Hanf, teilweise mannshoch. Manch einer vermutet, dass die Pflanzen für den Drogenkonsum angebaut wurden.

"Da, die eine ist fast zwei Meter hoch", sagt Burkhard Fettke und deutet auf eine stattliche Hanfpflanze am Straßenrand. Hier, am Wulkower Weg zwischen dem Kliestower Ortskern und der Siedlung Hexenberg, steht das Gewächs in bester Gesellschaft. Auf mehreren Hundert Metern reihen sich die auch als Cannabis bekannten Pflanzen wie eine natürliche grüne Grenze vor dem dahinterliegenden, noch höheren Maisfeld aneinander. Ab und zu sind Löcher in diese Grenze gerissen. "Hier konsumiert wohl jemand Hanf als Droge", vermutet Burkhard Fettke. Der 59-Jährige spaziert regelmäßig an dem Feld entlang. Aufgefallen ist ihm das Cannabis Anfang August. "Ich habe dann beim Ordnungsamt angerufen, und die haben das auch aufgenommen. Aber seither ist nichts passiert", erzählt er und erinnert sich daran, dass das Amt vor zwei Jahren schon einmal vor Ort gewesen sei, um den Hanf zu beseitigen.

Dass an diesem Feld Cannabis aus dem Boden schießt, ist in der Tat nicht neu. "Es wächst hier seit mehreren Jahren", sagt André Stürmer, Gesellschafter bei der Agrarerzeugergemeinschaft Kliestow. Sie bewirtschaftet das Maisfeld. "Damit sich der Hanf nicht weiter ausbreitet, haben wir den Mais extra ganz dicht an die Straße gepflanzt. Geholfen hat es aber nicht", sagt Stürmer. Die Pflanzen werden deshalb regelmäßig entfernt. "Nächste Woche, wenn der Mais geerntet wird, kommt der Hanf wieder mit weg", sagt er. Warum hier Cannabis wachse, wisse er nicht. "Es muss irgendwann mal gesäht worden sein und vermehrt sich jetzt." Als Droge eigne sich diese Pflanze aber nicht.

Bei der Polizei ist zum Kliestower Hanf noch keine Anzeige eingegangen, wie deren Sprecher Stefan Möhwald berichtet. Er geht von wildem Hanf aus. Und wild wachsende Cannabispflanzen seien nichts Ungewöhnliches, da deren Samen in vielen Zusammensetzungen wie Vogel- und Fischfutter vorkommen und so ins Erdreich gelangen könnten. "Die Pflanzen sind für Rauschzwecke ungeeignet, da der THC-Gehalt nicht hoch genug ist. Beim Konsumenten entsteht maximal ein Gefühl von Übelkeit", sagt Möhwald. THC ist die Abkürzung für Tetrahydrocannabinol, den hauptsächlich rauschbewirkenden Bestandteil der Hanfpflanze. Die wildwachsende Hanfpflanze produziere Samen, die immer wieder neu austreiben.

Strafbar mache sich durch diesen Wildwuchs niemand, so Möhwald. "Anders sieht es aus, wenn diese Pflanzen gehegt und gepflegt werden." Das zähle als Anbau und wer dabei erwischt werde, werde unabhängig vom THC-Gehalt "zur Verantwortung gezogen".

"Der Konsum von Cannabis ist an sich straffrei", sagt Möhwald. Allerdings setze der Konsum den Besitz voraus "und dieser wiederum ist strafbar". Darunter fallen Möhwald zufolge auch Cannabissamen, es sei denn, der Besitzer habe eine Berechtigung für Nutzhanf, die bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Frankfurt am Main beantragt werden müsste. Die Strafhöhe für den Besitz, dazu zähle auch das Pflücken, hänge von mehreren Faktoren ab. Wer die Pflanze zum Beispiel an unter 18-Jährige verkaufe, für den falle die Strafe höher aus. Auch die verkaufte Menge und der THC-Gehalt der Cannabis-Pflanzen würden beim Strafmaß berücksichtigt.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG