Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gülpe - Ort der Finsternis

Heike Wendler aus Coswig war zum dritten Mal in Gülpe dabei. Dank kreativer Eigenkonstruktion konnte sie bequem durchs Fernglas zum Himmel blicken.
Heike Wendler aus Coswig war zum dritten Mal in Gülpe dabei. Dank kreativer Eigenkonstruktion konnte sie bequem durchs Fernglas zum Himmel blicken. © Foto: weber
Simone Weber / 06.09.2016, 12:59 Uhr
Gülpe (MOZ) "In Deutschland gilt eine Ortschaft namens Gülpe als dunkelste Stelle des Landes", zitierte Jens Aasmann, Vorsitzender des Fördervereins Sternenpark, aus Ernst Peter Fischers im Herbst 2015 erschienenen Buch "Durch die Nacht. Eine Naturgeschichte der Dunkelheit" zur offiziellen Eröffnung am Samstagnachmittag. Vom 2. bis 4. September lud der Förderverein gemeinsam mit dem hiesigen Naturpark zum 6. Westhavelländer Astrotreff (WHAT) auf den Sportplatz nach Gülpe ein.

Seit Andreas Hänel, Leiter des Planetariums im Museum Schölerberg in Osnabrück und Mitglied der Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternenfreunde, den ersten Astrotreff vor fünf Jahren mit initiierte, hat sich unter Hobbyastronomen und Sternenfreunden bundesweit herumgesprochen, dass man in Gülpe noch einen ohne Lichtemissionen unverfälschten Blick auf die Sterne und die Milchstraße genießen kann.

Vor zwei Jahren erhielt der Naturpark die Anerkennung der International Dark Sky Association als "Sky Reserve". Aus acht Bundesländern, bis hin nach Bayern, reisten in diesem Jahr mehr als 50 angemeldete Teilnehmer mit ihren Familien an. "85 Prozent der Stellplätze sind belegt. Dazu kommen noch die interessierten Besucher aus der Region und Berlin", sagte Ingolf Hammer vom Förderverein Sternenpark.

Alle brachten ihre Teleskope zur Beobachtung von Sonne und Sternenhimmel mit. Einige Astrofans bauen über Jahre auch ihre eigene Teleskoptechnik. Aber auch sonst sind die Hobbyastronomen recht pfiffig. So wie Heike Wendler vom Astroclub Radebeul.

Die Coswigerin baute sich eine gleichermaßen simple, wie geniale Konstruktion. "2013 war ich hier das erste Mal. Das Wetter zur Beobachtung war super", sagte Heike Wendler. "Aber die ganze Zeit auf der Decke liegen oder im Stuhl sitzen und den Sternenhimmel beobachten, ist für das Genick anstrengend." So hat sie sich an ihren Campingstuhl eine bewegliche Halterung mit Gegengewichten für ihr Fernglas gebaut.

"Das Astrotreffen ist toll organisiert. Alle sind nett und locker. Die fachkundigen Hobbyastronomen erklären einem alles und sehr gern. Hier geht es nicht darum, wer das größte Teleskop hat", meint Ulrich Heuser aus der Nähe von Kyritz. "Im nächsten Jahr werde ich mit einem eigenen Fernrohr herkommen."

Einige Astrofans reisten bereits am Mittwoch an. Die Tipps von Andreas Hänel zur Astrofotografie konnten die Teilnehmer am Freitagabend noch nicht umsetzen. "Heute ist es recht wolkig. Es wird schwierig werden, etwas am Himmel beobachten zu können", so der erfahrene Beobachter des Sternenhimmels. "Aber dunkel wird es auf jeden Fall."

Mehr Glück hatten die Sternenfreunde am Samstagabend. Nach drei Fachvorträgen riss der bewölkte Himmel auf und neben Mars und Saturn waren auch Sternenbilder wie der bekannte Große Wagen, die Wega und der Schwan - für Hänel das schönste Sommer-Sternenbild - zu beobachten.

Neben Antenne Brandenburg interessierte sich auch ein Fernsehteam des Mitteldeutschen Rundfunks für das WHAT. Vor Ort filmten sie für das Magazin "LexiTV", welches montags bis freitags, 15.00 bis 16.00 Uhr, gesendet wird. Die Themenwoche "All" startet am 17. Oktober mit dem Bericht aus

In der vorigen Woche trat übrigens Schollene in Sachsen-Anhalt dem Sternenpark bei. "Vor zwei Jahren ist die Gemeinde Havelaue beigetreten", sagte deren Bürgermeister Guido Quadfasel. Denn: "Der Sternenpark ist auch eine Chance für den Tourismus!"

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG