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Ottenhäusler in Hochform

Kerstin Unger / 08.09.2016, 05:00 Uhr
Heinersdorf (MOZ) Mit Zwischenapplaus und nicht enden wollendem Beifall nach der letzten Szene wurden die "Ottenhäusler" nach ihren ersten beiden Aufführungen belohnt. Auch das vierte Stück mit dem Titel "Die Herberge zum Bären" wird wieder ein Erfolg.

Die Autorin und Dramaturgin der Laienspielgruppe war sehr stolz auf ihre Truppe. "Die Generalprobe am Freitag lief schon gut, die Premiere am Sonnabend noch viel besser. Alle haben sich übertroffen und das Stück so rübergebracht, wie ich es mir vorgestellt habe", schwärmt Rosel Krüger. Rund 75 Gäste kamen bereits zur Generalprobe. Für die Premiere hatten sich 65 Interessenten angemeldet. Damit war die Heinersdorfer Theaterscheune der Familie Stein nicht ganz besetzt. "Doch angesichts der vielen Veranstaltungen in der Region ist das enorm", meint Rosel Krüger.

Bevor die Scheinwerfer am Freitagabend zum ersten Mal auf die Laiendarsteller gerichtet wurden, hatten sie hinter dem Vorhang ganz schön Lampenfieber. Gerade rechtzeitig schafften es noch die Mitwirkenden aus Panketal, die wegen eines Unfalls auf der A 11 im Stau gestanden hatten.

Gespannt verfolgten die Zuschauer die Szenen, für die das Bühnenbild durch kleine Handgriffe jeweils blitzschnell umgebaut wurde. Es ging gemächlich los mit der Schilderung der Situation in Heinersdorf nach dem30-jährigen Krieg: Die Felder sind verwüstet, die Familien geflohen. Gesindel und marodierende Soldaten treiben sich herum. In der Herberge "Zum Bären" nehmen gutherzige Menschen Leute auf: eine Mutter mit ihren vier Kindern, einen Hauptmann mit zwei Soldaten auf der Suche nach dem Schatz unter der abgebrannten Kirche, und die inkognito reisende Kurfürstin Elisabeth Charlotte mit Zofe und Kutscher, die sich ständig zoffen. Der Herrin gehört der Schatz, der vom Pfarrer gerettet wurde. Angeblich kam er dabei um.

Die Dorfbewohner hatten den Schatz über die Jahre bewacht und können auch diesmal den marodierenden Soldaten ihren Plan durchkreuzen, indem sie ihnen vorgaukeln, dass es in der Kirche spukt. Am Ende bekommt die Kurfürstin ihr Eigentum vom Pfarrer zurück, der sich als Fremder ausgegeben hatte. Als Dank erhält die Kirche eine neue Kanzel, die ein fähiger Handwerker aus Niederlandin bauen soll.

Mit jeder Szene tauten nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Zuschauer mehr und mehr auf. Das eigentlich ernste geschichtliche Thema wird durch kleine Gags aufgelockert. Ein Gespenst erschreckt in nebliger Nacht den Hauptmann und seine Spießgesellen vor der Kirche. Zu Hochform läuft in diesem Jahr das Ehepaar Krakow auf. Heiko Krakow, der den Knecht Michel spielt, soll als Liesel in Frauenkleidern den kleinen Halbwaisen Märchen erzählen. Das macht er so grandios, dass der Soldat Franz - gespielt von Ehefrau Anett Krakow - sich unsterblich in das vermeintliche Mädchen verliebt und das Publikum in der Scheune tobt. Aus der Liaison wird nichts. "Ein zartes Mädchen wie ich ist zu schade als Spielball für eine Nacht", flötet Michel.

Würdiger Höhepunkt ist die letzte Szene: Der Schatz ist gerettet. Der Pfarrer will mit den Bewohnern einen Dankgottesdienst feiern und ist dabei auf vertrautem Terrain, denn gespielt wird er von Pfarrer Hartmut Schulz. Soldat Heini will sesshaft werden und bleibt in Heinersdorf. Die Darsteller gucken in die Ferne und erblicken zurückkehrende Heinersdorfer wie die Familien Schmidt, Krüger, Habermann, Krakow, Müller ...

Die Generalprobe nutzte Rosel Krüger, allen Beteiligten und Helfern zu danken, die die Aufführungen ermöglichen. Bei der Premiere am Sonnabend gab es Blumen für alle Ottenhäusler vom Ortsbeirat und auch von ihrer "Antreiberin und Stückeschreiberin" Rosel Krüger. Alles war perfekt bis hin zur untermalenden Musik "Conquest of paradise". Diese wurde von der ehemaligen Musikschülerin und jetzigen Studentin Josefine Stargardt auf der Heinersdorfer Orgel eingespielt und kommt bei den Aufführungen vom Band.

Die nächsten Vorstellungen finden am 14. September um 19 Uhr und am 18. September um 18 Uhr in der Theaterscheune am Mühlenberg statt. Für Mittwoch sind nur noch wenige Plätze frei.

Platzreservierungen unter Tel. 03332 411007; Eintritt kostenlos, Spenden sind willkommen

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