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Hoch, höher, Trampe

Preisgekrönte Linde: Das Prachtexemplar aus dem Schlosspark Trampe wurde als Spitzenbaum des Jahres 2016 ausgezeichnet. LFE-Chef Michael Luthardt (l.) überreichte die Urkunde.
Preisgekrönte Linde: Das Prachtexemplar aus dem Schlosspark Trampe wurde als Spitzenbaum des Jahres 2016 ausgezeichnet. LFE-Chef Michael Luthardt (l.) überreichte die Urkunde. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 08.09.2016, 06:40 Uhr
Breydin (MOZ) Sie ist eine stattliche Erscheinung: die Linde im Schlosspark Trampe. Der Baum misst 35,10 Meter und hat einen Stammumfang von 6,50 Meter. Damit wurde er jetzt offiziell im Rahmen der Baumriesen-Aktion 2016 zur imposantesten Linde Brandenburgs gekürt.

Zurzeit ist der Schlosspark zwar eine Baustelle. Nach der Sanierung des Teichs stehen noch Restarbeiten an. Doch das Areal ist für Spaziergänger geöffnet. Und die ausgezeichnete Linde ist nicht zu übersehen. Denn mit einer Höhe von 35,10 Metern überragt sie ihre Nachbarn.

Die Gastgeber wissen um ihren natürlichen Schatz. Gleichwohl sind sie ob der Ehrung "ihrer" Linde als Spitzen-Baum überrascht, wie Roland Gottschalk vom Verein Burg Breydin & Schlosspark Trampe sowie Bürgermeister Peter Schmidt bestätigen. Denn vorgeschlagen wurde das Barnimer Prachtexemplar von einem Potsdamer Baumsachverständigen, wie Moritz Wenning von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) sagt. Insgesamt seien nach dem Aufruf im April um die 30 Meldungen bzw. Bewerbungen eingegangen. Gemeinsam mit Experten vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (LFE) habe man das Feld sondiert. Die Linde ist Baum des Jahres 2016. Deshalb hatte die SDW den Baumriesen unter den Linden in der Mark gesucht.

Drei, vier Exemplare kamen in die engere Wahl. Die Fachleute vom LFE nahmen die Kandidaten Maß - und erklärten die Linde vom Schlosspark Trampe zum Sieger. Die Breydiner Linde setzte sich knapp gegen ihre Konkurrentin vom Pehlitzwerder durch. In Schönheit und Wuchs stehe diese der Tramper nicht nach, erklärt LFE-Chef Michael Luthardt. Allerdings stehe das Exemplar auf dem Pehlitzwerder nicht frei. Als Solitär komme der Baum im Schlosspark Trampe freilich besser zur Geltung.

Dass es sich beim Gewinner um eine Sommerlinde handelt, schmälere den Erfolg keineswegs, ergänzt LFE-Sprecher Jan Engel. Eigentlich sei die Winterlinde zum Baum des Jahres erklärt worden. Doch da die Unterscheidung zwischen Sommer- und Winterlinde Laien erfahrungsgemäß etwas schwerer fällt, habe man die Baumriesen-Aktion auf die Linde allgemein ausgedehnt. Die Sommerlinde habe im Gegensatz zur Winterlinde ein "weißes Kleid", zeigt Engel auf die Blattunterseite und die weißen "Achselbärtchen".

Der Sieger-Baum sei um die 200 bis 250 Jahre alt, schätzen die Experten. Damit sei er aber keineswegs die älteste Linde im Tramper Gutspark. "Unsere Tanzlinde ist um die 400 bis 450 Jahre alt", berichtet Gottschalk. Womit Michael Luthardt denn auch den Bogen zur Bedeutung der Linden spannt. Forstwirtschaftlich spiele der Laubbaum kaum eine Rolle. Für die Möbel- oder Bauindustrie sei das Holz zu weich. Weshalb es hierzulande keine Reinbestände in den Wäldern gebe. Gleichwohl habe die Linde sozusagen ihre Nischen gefunden. Etwa für die Produktion von Spankörben. "Und natürlich als Bienenweide." Die Linde "mogele" sich aber immer stärker in naturnahe Wälder. "Im Buchenwald Grumsin ist sie etwa zu finden", so Luthardt.

Bekanntheit hat sie vor allem als Brandenburger Alleebaum erlangt. Was mit ihrer Robustheit zu tun habe. Die Linde sei relativ anspruchslos. Sie komme mit den armen Sandböden in der Mark zurecht und vertrage die Frühjahrstrockenheit. Mit Blick auf den Klimawandel fügt Luthardt hinzu: "Wer weiß, vielleicht ist die Linde die Baumart der Zukunft."

Überhaupt stehe die Linde den Menschen nahe wie kaum ein zweiter Baum. Jedes Dorf besaß einst als Mittelpunkt, als Treffpunkt eine Linde. Man traf sich etwa zu Versammlungen und zum Tanz. Ferner diente sie als "Rechtsbaum". Unter der "Gerichtslinde" wurde Recht gesprochen, erinnert Luthardt an frühere Bedeutungen und die hohe Symbolkraft der Linde, die auch immer wieder in Liedern besungen wurde.

Auch wenn die ausgezeichnete Linde von Trampe noch gesund und vital ist, der Verein hat in den vergangenen Jahren bereits etliche Linden im Park nachgepflanzt. Eine alte Allee im hinteren Bereich wurde mit Neuanpflanzungen wieder hergestellt, zeigt Gottschalk.

Die Entscheidung zum Baum des Jahres 2017 fällt am 20. Oktober. Die Wahl obliegt der Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung und deren Fachbeirat. "Wir sind als Landeskompetenzzentrum durch Professor Ralf Kätzel in dem Gremium vertreten", so Jan Engel. Zur Wahl stehen Fichte, Kornelkirsche und Amberbaum. Seit 1989 werde ein Baum des Jahres proklamiert. Und seit 2000 sucht der Brandenburger Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald seinen Baumriesen. Der Barnim gewann bereits zum zweiten Mal. 2010 wurde die höchste Vogelkirsche in Chorin ausgezeichnet.

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