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Schiefspiegler-Teleskop Marke Eigenbau

Ralf Pisarek baute sein in ganz Europa wohl größtes "Yolo-Schiefspiegler"-Teleskop selbst.
Ralf Pisarek baute sein in ganz Europa wohl größtes "Yolo-Schiefspiegler"-Teleskop selbst. © Foto: weber
Simone Weber / 08.09.2016, 15:13 Uhr
Gülpe (MOZ) "Ein dunkler Himmel ist durch keine noch so große oder teure Technik zu ersetzen. Ich komme aus Munster in der Lüneburger Heide. Da wo es nachts auch recht dunkel ist", erzählte Hobbyastronom Ralf Pisarek, der in diesem Jahr zum dritten Mal zum Westhavelländer Astrotreff kam. "Nach Gülpe kommen wir gern. Man merkt, dass man hier willkommen ist. Während des Astrotreffens bringt sich das ganze Dorf ein und schaltet abends das Straßenlicht aus", ergänzte Astrofan Stefan Ruprecht aus Wolfsburg. Mit ihren großen selbst gebauten Teleskopen fielen sie unter den mehr als 50 Teilnehmern am Astrotreffen auf.

Ralf Pisarek baute sich in mehr als drei Jahren sein Yolo-Schiefspiegler-Teleskop. Wie beim normalen Newton-Teleskop fällt das Licht von oben auf einen Primärspiegel und reflektiert es auf einen Sekundärspiegel nach oben zurück. Von da geht der Lichtstrahl zum Okular.

"Durch die leichte Wölbung des Hauptspiegels entstehen leichte Bildfehler", eso Pisarek. "Durch die spezielle Anordnung der Spiegel beim Schiefspiegler werden diese Bildfehler korrigiert. Dadurch erhält man schärfere, perfektere Bilder, ohne Strahlenkranz."

Ralf Pisarek verwendete für seinen Eigenbau dickes Sperrholz. Sogar die Spiegel hat er selbst geschliffen. Die Gestellstangen bestehen aus Karbon. Das Teleskop ist über Schneckengetriebe, die ihm ein Freund fertigte, voll Motor gesteuert. Über einen an die Optik angeschlossenen Laptop kann man mit entsprechender Software spezielle Himmelskonstellationen ansteuern. "Nach den Kosten für das Teleskop wurde ich schon oft gefragt. Die kann ich nicht genau beziffern. Aber über die Summe möchte ich auch gar nicht so genau nachdenken", sagte der Hobbyastronom. "Allein die sieben zwei Meter langen Karbonstangen kosteten zusammen zirka 800 Euro. Dazu kommt die Technik mit den zwei Optiken und der Laptop."

"Interessant ist, dass dieses Schiefspiegler-Prinzip von zwei Menschen unabhängig voneinander parallel erfunden wurde", erzählte Ralf Pisarek. "Zu DDR-Zeiten entwickelte der bei Cottbus lebende Erwin Herrig den Schiefspiegler und konnte ihn so nicht weltweit patentieren lassen. In den USA konstruierte ein Professor ein Teleskop nach dem gleichen Prinzip. Er benannte sein Teleskop nach seinem Lieblings-Urlaubsort: einem Naturschutzgebiet in Yolo County (Kalifornien)." Ralf Pisareks Teleskop ist insgesamt zirka 3,5 Meter groß. "Ich fahre im Jahr zu fünf, sechs Teleskoptreffen. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, hier nach Gülpe und in vier Wochen nach Herzberg", so Pisarek weiter. "In Deutschland habe ich noch kein weiteres Schiefspiegler-Teleskop gesehen. In Europa kenne ich keines, welches größer ist. Das Teleskop des schon verstorbenen Konstrukteurs Herrig hatte einen Zehn-Zoll-Spiegel (25 Zentimeter). Der Spiegel, den ich verwende, hat einen Durchmesser von 14 Zoll (35,5 Zentimeter). Der weltgrößte Schiefspiegler in den USA hat 24 Zoll (60 Zentimeter)."

Anhand seines Selbstbaus zeigt sich Ralf Pisareks Leidenschaft für die Himmelsbeobachtung bei Nacht und Tag. "In der Jugend habe ich mit einem Feldstecher angefangen, den Himmel zu beobachten. Zur Konfirmation habe ich mir mein erstes Teleskop gekauft", erzählte der Astrofan.

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