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Puppenautomat und Schuco-Auto

Merle (li.) und Nele üben vor dem Kleßener Spielzeugmuseum mit ihren Propellern.
Merle (li.) und Nele üben vor dem Kleßener Spielzeugmuseum mit ihren Propellern. © Foto: Wagener
Carina Wagener / 10.09.2016, 06:20 Uhr
Kleßen (MOZ) Nele (6 Jahre) und Merle (5) stehen im Sonnenschein auf der Wiese vor dem Spielzeugmuseum in Kleßen und üben konzentriert, was Vater Jörg ihnen gezeigt hat: Einen Holzpropeller so zu drehen, dass er in der Luft bleibt und aufsteigt. "Dieses Spielzeug kenne ich noch aus meiner Kindheit", sagt der Familienvater aus Brieselang, der gemeinsam mit seiner Frau Anja und den Kindern Freunde in der Nähe besucht.

"Fast zwei Stunden waren wir im Museum", erzählt Anja Gombert begeistert. "Für uns Erwachsene war es fast noch spannender als für die Kinder." Aber auch Nele und Merle sind auf ihre Kosten gekommen. "Am besten hat uns das Puppentheater im ersten Stock gefallen", sind sich die Schwestern eilig. Dann wenden sie sich wieder ihrem Spielzeug zu. "Ist gar nicht so einfach", sagt Merle, die mit dem roten Propeller übt. Derweil steigt der Blaue ihrer Schwester schon hoch zum Dach des Spielzeugmuseums.

Drinnen wartet Museumsleiter Friethjof Hahn, der vor zehn Jahren nach Kleßen gezogen ist und fünf Jahre später zunächst als Aushilfe im Museum zu arbeiten begann, auf weitere Besucher. Lang dauert das nicht, es ist Ferienzeit. "Gerade in diesem Jahr ist es beeindruckend, wie viele Gäste wir haben", sagt der studierte Kunsthistoriker. "Viele kommen gezielt zu uns, auch von weit her."

Seit fast zehn Jahren besteht das Museum in der alten Dorfschule nun. Die Besucherzahlen seien seit vielen Jahren auf hohem Niveau stabil.

Die Ausstellung hat viel zu bieten: Ein Puppenautomat aus den 1840er Jahren ist wohl das älteste Exponat. "Aber wir sind keine reine Puppenstube", betont Hahn. Das wird beim Gang durch das ehemalige Klassenzimmer und später ein Stockwerk höher mehr als deutlich: Es gibt technisches Spielzeug wie Dampfmaschinen, Eisenbahnen und Autos, Blechspielzeug, Plüschtiere und vieles mehr.

Die langjährigen Spielzeugsammler Hans-Jürgen Thiedig und Claus-Peter Jörger aus Berlin haben hier ihre Sammlungen zusammengetragen und lassen so 150 Jahre Spielzeuggeschichte lebendig werden. Vieles hat sich über die Jahrzehnte verändert: Früher wurden Spielzeuge etwa von Generation zu Generation vererbt und aufgrund ihrer Kostbarkeit häufig nur an Feiertagen hervorgeholt.

Eckart Reuters Herz hängt an der Eisenbahnanlage in Spur 0. Mindestens einmal pro Woche kommt er, um die "einzigartige Anlage im Berlin-Brandenburger-Raum" in Schuss zu halten. Viele Geschichten hat er den Besuchern zu erzählen - etwa vom Geschwindigkeitsrekord des Schienenzeppelins aus den 1930er Jahren in Dergenthin.

Ohnehin kommen Hahn und Reuter mit fast allen Besuchern ins Gespräch. Im Museum herrscht eine familiäre Atmosphäre. "Das macht meine Arbeit jeden Tag so besonders", sagt Hahn, der angefangen hat, persönliche Geschichten zum Spielzeug zu sammeln. Gern erinnert er sich an einen 90-Jährigen, der nach über 70 Jahren ein Schuco-Auto in den Händen hielt und noch jede Schraube kannte. Auch Merle und Nele werden später ihre Spielzeuggeschichte erzählen können.

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