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Verbindungen bis China und Brasilien

Überaus vielfältige Nutzer: Jens Brändel, Geschäftsführer der Flugplatzbetreibergesellschaft in Eggersdorf, verweist hier auf den Bereich historischer Flugzeugbau. Die ARVO im Hintergrund, an der die Brüder Carsten und Michael Hintzke drei Jahre gebaut ha
Überaus vielfältige Nutzer: Jens Brändel, Geschäftsführer der Flugplatzbetreibergesellschaft in Eggersdorf, verweist hier auf den Bereich historischer Flugzeugbau. Die ARVO im Hintergrund, an der die Brüder Carsten und Michael Hintzke drei Jahre gebaut ha © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 11.09.2016, 06:33 Uhr
Eggersdorf/Mü (MOZ) Der Flugplatz im Müncheberger Ortsteil Eggersdorf entwickelt sich besser, als noch vor Jahren gedacht. Davon haben sich diese Woche die Stadtverordneten bei einem geführten Rundgang auf dem Gelände ein detailliertes Bild machen können.

Drei Jahre haben die Brüder Carsten und Michael Hintzke, die an dieser Stelle das Erbe ihres Vaters fortführen, an der ARVO gebaut. Jetzt ist der Nachbau des Ultraleicht-Flugzeugs (UL), dessen Original 1911 flog und von dem es sonst nur noch in England - ebenfalls nachgebaut - ein weiteres Exemplar gibt, schon weitgehend fertig und vor der Zulassung. "Vorige Woche hatten wir einen Rollversuch, und später einmal wollen wir es in Kleinserie fertigen", erklärte Carsten Hintzke den Stadtverordneten.

Historischer Flugzeugbau ist nicht das Einzige, was auf dem Eggersdorfer Areal stattfindet. Auch zwei im In- und Ausland renommierte Servicefirmen haben dort ihren Sitz. Das Unternehmen ULTB von Jens Brändel, der zugleich Geschäftsführer der Flugplatz-Betreibergesellschaft ist, hat sich mit seinen sechs Leuten auf Antriebe und sonstige technische Aspekte spezialisiert, ist mit Reparaturarbeiten vor allem im Cockpitbereich im Einsatz. "Früher waren die UL-Flugzeuge eher fliegende Gartenstühle, heute ist das High Tech, die eine Klasse höher die Cessna fast überholt hat", sagt Brändel.

Gleich in der Halle nebenan sitzt die Firma von Frank Bormann, die wiederum dann gefragt ist, wenn es in der Außenhaut der Flugzeuge zu Schäden gekommen ist. Egal ob Segel- oder Ultraleichtflieger: In allen Fällen kommt ein spezieller Kunststoff, ganz leichtes und zugleich sehr widerständiges Material, zum Einsatz. "Weltweit machen wir den Support für den Hersteller Flight Design", erklärte Bormann, das bedeutet für das Drei-Mann-Team Aufträge von Australien bis Brasilien, von China bis in die französischen Überseegebiete. Und 350 bis 400 Mechaniker aus 23 Ländern haben zur Fortbildung schon das Schulungszentrum in Eggersdorf für Kurse genutzt.

Auch etliche Vereine sind - oft schon seit vielen Jahren - auf dem Gelände heimisch. Alle gleichermaßen leiden etwas unter Nachwuchsproblemen, hatte Brändel gleich in der Eingangsrunde konstatiert. Und auch Detlef Erdmann, Vorsitzender der 20 bis 25 Mitglieder zählenden Modellbauer des Preußen Modellflugclubs Berlin-Brandenburg (PMC), bestätigt das. "Ein Altersdurchschnitt von 40 an aufwärts", obwohl man sich bemühe, über eine Arbeitsgemeinschaft an der Oberschule Jugendliche zu gewinnen. "Wir haben ständig Funkverbindung zum Tower", so Erdmann, "damit wir uns mit Segelfliegern oder Fallschirmspringern nicht ins Gehege kommen." Bei Starts und Landungen bleiben die Modellgeräte eben so lange am Boden.

Der neue Tower, der vor wenigen Jahren den alten Container ersetzte, der weder beheizbar noch klimatisiert war und nicht einmal über eine Toilette verfügte, ist das moderne Herzstück der gesamten Anlage. Flugleiter Dirk Förster hat sich mit der Investition gewissermaßen seinen eigenen Arbeitsplatz finanziert. Und erläuterte den Stadtverordneten, dass es jährlich zwischen 15 000 und 17 000 Flugbewegungen seien, beinahe halb so viele wie in Strausberg. Dass jeder Flieger landen könne, wenn er sich nur fünf Minuten vorher anmelde - der Tower deshalb sommers von 9 bis 19 Uhr sowie im Winter bis 17 Uhr ständig besetzt sein müsse.

Motorgetriebene Maschinen gibt es in Eggersdorf, jedoch nur wenige. Dafür sind die Segelflieger mit gleich zwei Vereinen stark präsent. "Wir haben etwa 25 Mitgliedern", so Peter Schlenner von dem, der vor allem Brandenburger vereint. Der Berliner Verein sei nur unwesentlich kleiner. Räumliche Heimstatt ist eine nach Darstellung Schlenners in der Substanz "sehr robuste" Halle, deren Dach man seinerzeit dank Fördermittel abdichten und das Innere renovieren konnte. Die Flughöhe bei den Segelfliegern, erläuterte er auf Nachfrage der Bürgermeisterin, schwanke bei gutem Wetter zwischen 1000 und maximal 3000 Metern. Etliche Flugzeuge hätten 100 bis 150 Liter Wasser, bis zu einem Drittel des Gesamtgewichts, als Ballast zum besseren Manövrieren an Bord. Doch nicht immer schafften es die Piloten bis zum Flugplatz.

Im hinteren Teil gibt es das kleine Fliegerdorf, dessen Hütten Flugzeug-"Garage" hinten und eine Ferienwohnung vorn in sich vereinen, auf der anderen Seite der Startbahn sind schon mehrere neue Hangars entstanden, denen demnächst weitere folgen würden, so Brändel. "Der Flugplatz entwickelt sich", gab er sich allgemein zufrieden-optimistisch, räumte aber auch freimütig ein, dass vor einigen Jahren, als die Lage noch etwas weniger rosig erschien, die Photovoltaikanlage als Retter kam: "Allein von den Start- und Landegebühren könnten wir nicht leben." 40 Hektar musste man dafür abtreten, die Startbahn um 1000 Meter einkürzen. Die juwi Solar GmbH zahle immer pünktlich, die Hälfte des Geldes verbleibe beim Flugplatz, die andere gehe direkt an die Stadt. Bei der Flächenpflege gebe es gute Synergieeffekte. So habe die Firma einen Traktor finanziert, mit dem neben den anderen Flächen auch rund um die Kollektorenreihen zweimal pro Jahr gemäht wird.

Die Modellflieger vom PMC laden am Sonnabend ab 11 Uhr zum Drohnen-Freundschaftsrennen. Drei Wettbewerbe finden statt. Infos: www.pmc-eggersdorf.de

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