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Tausende tote Fische in Kliestow

Voller Einsatz: Jeremy Welkisch (r.) und Toni Feist haben das ganze Wochenende damit zugebracht, tote Fische aus dem Kliestower See zu holen.
Voller Einsatz: Jeremy Welkisch (r.) und Toni Feist haben das ganze Wochenende damit zugebracht, tote Fische aus dem Kliestower See zu holen. © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 12.09.2016, 22:00 Uhr
Kliestow (MOZ) Zu wenig Sauerstoff: Im Kliestower See ist es wie schon 2013 zu einem großen Fischsterben gekommen. Am Wochenende holten Angler und Anwohner zentnerweise Aale, Zander, Hechte, Karpfen und Weißfische aus dem umgekippten Gewässer. Kritik übten die Anlieger an der Erreichbarkeit der Stadtverwaltung.

Es ist wahrlich kein schöner Anblick, den der Kliestower See derzeit abgibt. Unzählige weiße Punkte auf dem See zeugen von den toten Fischen, die bäuchlings an der Wasseroberfläche treiben - gestorben an Sauerstoffmangel. Außerdem sieht man an vielen Stellen, wie die noch lebenden Fische an der Oberfläche Wasser mit etwas mehr Sauerstoff aufnehmen wollen. Der Grund für das traurige Schauspiel: der See ist umgekippt.

Nach Aussagen von Anglern beginnt das Drama am Donnerstagabend. "Die Umweltbehörde wurde von uns am Freitag informiert", berichtet ein Anwohner. Die Verwaltung jedoch kann wegen des herannahenden Feierabends und dem anstehenden Wochenende so schnell nicht helfen - diesen Eindruck jedenfalls haben viele Kliestower. Lediglich eine Pumpe der Freiwilligen Feuerwehr geht in Betrieb. Sie saugt das Wasser an und befördert es in hohem Bogen zurück in den See. Damit soll die Anreicherung mit Sauerstoff erhöht werden.

In ihrer Not wenden sich einige Angler und Anwohner an Fischer Tusche aus Booßen, erzählen sie. Der schaut sich die Lage am See an. "Frischwasser aus einem nahen Hydranten könnte helfen", erklärt er. Aber niemand bei der Stadt sei Freitagnachmittag zu erreichen gewesen, um eine Kostenübernahme zu klären.

Toni Feist spricht derweil bei der Berufsfeuerwehr vor. "Ich wollte eine weitere Pumpe organisieren", erklärt er. Nach über einer Stunde und drei Gesprächspartnern sei er jedoch abgewiesen worden. Der Frankfurter ist in Kliestow aufgewachsen. Das gesamte Wochenende ist er vor Ort. Immer wieder zieht er sich, wie auch andere Anwohner oder Angler, die Wathosen an, um mit einem Kescher die toten Fische aus dem See zu holen. In Eigeninitiative stellen Anwohner weitere, eigentlich zu kleine Pumpen auf, um das Wasser mit Sauerstoff anzureichern. Wer die Stromkosten dafür übernimmt, ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar.

Ebenso, was mit den Tausenden toten Fischen passieren soll. Fischer Tusche stellt zwei Mülltonnen bereit, in der toter Fisch entsorgt werden darf. Die reichen jedoch bei weitem nicht aus. "Ein Container konnte nicht organisiert werden, weil es ab Freitagnachmittag keinen Ansprechpartner bei der Stadt gibt", beklagt sich Bodo Taubitz. Er ist Präsident des Anglerverbandes Frankfurt. Dass es für solche Fälle am Wochenende kein Notfallmanagement gebe und kein Ansprechpartner bei der Stadt aufzutreiben sei, ist ihm unerklärlich. "Dass ein See bei bestimmten Wetterlagen umkippt, kann passieren", sagt er. Auch der Güldendorfer See sei aktuell gefährdet. "Das Absammeln der toten Fische bekommen wir mit unseren Mitgliedern noch organisiert, allerdings muss der tote Fisch ja auch irgendwo hin".

In Kliestow sammelten Anwohner und Angler die Kadaver in Plastiktüten und ließen sie erst einmal liegen. Das Ergebnis: zum Himmel stinkend.

Am Montagmorgen nahm die Leiterin der Umweltbehörde den See in Augenschein. Auf Anfrage erklärte das Fachamt, dass man bereits am Donnerstag über das Fischsterben im Kliestower See informiert worden sei, woraufhin die Feuerwehr eine Pumpe zum Sauerstoffeintrag in Betrieb genommen habe. "Der Anglerverein fischte die ersten toten Fische ab. Ein Großteil konnte auch am Wochenende entsorgt werden" - jedoch nicht alle, "was zu einer erheblichen Geruchsbelästigung führte", räumt die Stadt ein. Die Entsorgung der verbliebenen Kadaver solle nun spätestens am heutigen Dienstag durch eine Entsorgungsfirma erfolgen.

Die Abstimmungen innerhalb der Verwaltung hätten grundsätzlich funktioniert, erklärt das Fachamt, das sich für den Einsatz der Anwohner bedankte. Die Stadt übernehme die Strom- und Entsorgungskosten, "auch die Stromkosten für privat ausgeliehene Pumptechnik".

Um die Ursache für das Umkippen des Sees zu klären, hat die Stadt nun eine Wasser- und Algenanalyse in Auftrag gegeben. Das Gutachten vor drei Jahren hatte "eine zu geringe Sauerstoffsättigung und massiven Algenbesatz" ergeben.

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Toni Feist 13.09.2016 - 19:00:14

Der / Das ware Mann / Kind des Tages

Jeremy Welkisch ist der Mann / das Kind der Woche !!! Er war das gesamte Wochenende vor Ort , hat UNERMÜDLICH tote Fische eingesammelt , ist immer und immer wieder bei mehr als 30 grad mit seiner Watthose in den See und war der einzige ( DER EINZIGE ) von seinem Verein / Jugend der ohne zu murren einfach nur gemacht hat !!! DAVON KÖNNEN SICH SOOOOOO EINIGE ORTSANSÄSSIGE ABER NE GEWALTIGE SCHEIBE VON ABSCHNEIDEN. !!! Denn nur vom DOOFQUATSCHEN lieber ekelalfred passiert nix

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