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Lehren aus KTG-Pleite angemahnt

Zu Gast in Jahnsfelde: Der Geschäftsführer der Öko Agrar GmbH, Frank Prochnow (m.), zeigte den Besuchern seinen Betrieb
Zu Gast in Jahnsfelde: Der Geschäftsführer der Öko Agrar GmbH, Frank Prochnow (m.), zeigte den Besuchern seinen Betrieb © Foto: Johann Müller
Ines Weber-Rath / 12.09.2016, 22:31 Uhr
Jahnsfelde (MOZ) Die Bauern sollen ihre Direktzahlungen im Dezember bekommen. Das sei sein Ziel, erklärte Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Montag bei einem Besuch in der Öko Agrar GmbH Jahnsfelde im Gespräch mit Landwirten.

Es ging um Sorgen der Bauern - und um Wahlkampf. Jörg Vogelsänger war im Vorfeld der Ende September anstehenden Bürgermeisterwahl in den Müncheberger Ortsteil gekommen, um dem SPD-Bewerber Ralf Jaitner den Rücken zu stärken. Er finde es gut, dass Jaitner sich auch um die Ortsteile und Landwirte kümmere, erklärte der Minister in der Gesprächsrunde auf dem "Party-Berg". Der Hügel befindet sich inmitten der Rinder- und Schweinemastanlage des Jahnsfelder Landhof am Ortsrand.

Dem Gespräch war eine informative Trecker-Runde vom Betriebssitz durch die Feldflur voran gegangen. Sein Betrieb, der am Wochenende 25-jähriges Bestehen gefeiert hat, habe keinen leichten Start gehabt, erinnerte Geschäftsführer Frank Prochnow. Die renitenten Jahnsfelder Bauern - viele waren zum Kriegsende aus Schlesien ins Oderland gekommen - hätten sich der Zwangskollektivierung lange widersetzt. Deshalb sei zu DDR-Zeiten in den Jahnsfelder Zweig der Woriner Muster-LPG "kaum etwas investiert" worden, so Prochnow.

In seinem Fall hatte die Weiterführung des Betriebes problemlos geklappt. Prochnow hatte die Leitung nach dem plötzlichen Tod des Vaters übernommen. Doch in vielen anderen Agrarbetrieben im Land funktioniere das nicht so reibungslos, fehle es an geeigneten Fachkräften oder übernahmewilligen Erben. "Und dann werden die Höfe verkauft", weiß der Minister.

Dabei seien in jüngster Vergangenheit nicht selten Großagrarier wie die KTG zum Zuge gekommen, die als Meistbietende auftraten. So schlimm die Pleite des Agrarkonzerns für viele Mitarbeiter ist, so froh sei er letztlich, dass das Geschäftsmodell des Agrarriesen nicht funktioniert - "zumindest hierzulande nicht". Das sagte der Präsident des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff, in der Runde. Er war aus dem benachbarten Woriner Öko-Betrieb nach Jahnsfelde gekommen. Wie Wendorff bewegt auch Frank Schumacher, den Geschäftsführer der Trebnitzer Agrarproduktion GmbH die Frage, was mit den KTG-Flächen geschieht. Die meisten seien für zehn und mehr Jahre gepachtet. Die Verpächter sollten sich "die Leute genau ansehen, denen sie ihr Land geben", nannte Henrik Wendorff eine Erfahrung aus der KTG-Insolvenz.

Auf seine für viele Bauern existenzielle Frage nach der Zahlung der EU-Beihilfen erklärte Jörg Vogelsänger: "Mein Ziel ist die Gesamtzahlung im Dezember." Dass auf dem Weg dahin etliche Hürden zu nehmen sind, haben Wendorff und auch Frank Prochnow eben am eigenen Leib erfahren: Bei ihnen fanden Betriebskontrollen statt. In Wendorffs Betrieb sind die Prüfer aus Vogelsängers Ministerium seit Juni zugange! Und zwar, weil es bei der Beantragung der Agrarförderung nach dem neuen Schlagsystem eine Unstimmigkeit gab: Bei einer Betriebsfläche von mehr als 1000 Hektar geht es um vier Hektar, die nicht richtig zugeordnet sind und wegen denen alle Flächen neu vermessen werden. Bevor diese Kontrollen im Land nicht beendet sind, können die Betriebsprämien nicht ausgezahlt werden, weiß der Bauernpräsident.

Auf Frank Prochnows Frage nach dem geplanten Neubau des Jahnsfelder Feuerwehrgerätehauses erklärte Ralf Jaitner: "Das Gerätehaus kommt." Die Stadt habe die Eigenanteile für dieses und das kommende Jahr in den Haushalt eingestellt. Man warte auf die Bewilligung der Fördermittel.

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