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Keine Kultstätte auf dem Teufelsberg

Auf dem Teufelsberg gefundene Gefäßscherben und ein Tierknochen. Die Gefäßscherben sind wahrscheinlich alle frühdeutsch, also aus der Zeit zwischen 1150 und 1200. Nur die Scherbe oben links wird auf Grund ihrer Verzierung slawischen Ursprungs zugeordnet.
Auf dem Teufelsberg gefundene Gefäßscherben und ein Tierknochen. Die Gefäßscherben sind wahrscheinlich alle frühdeutsch, also aus der Zeit zwischen 1150 und 1200. Nur die Scherbe oben links wird auf Grund ihrer Verzierung slawischen Ursprungs zugeordnet. © Foto: MZV/Euent
Sandra Euent / 13.09.2016, 15:51 Uhr
Landin (MOZ) 400.000 Euro kostet es, die Kirche in Landin zu sanieren. Momentan ist das Gebäude sogar baupolizeilich gesperrt und steht damit weder für Gottesdienste noch für Veranstaltungen zur Verfügung. Der Landiner Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche versucht mit Spenden, seinen Beitrag zu leisten. Dabei helfen auch Veranstaltungen, wie die am Freitag auf dem Hof von Fördervereinsvorsitzendem Gert Dittrich in der Steinstraße. Zu Gast war Privatdozent Dr. Felix Biermann von der Uni Göttingen, der mit seinem Team im vergangenen Frühjahr und auch jetzt wieder auf dem Teufelsberg bei Landin archäologische Grabungen vorgenommen hat.

Der Teufelsberg stellt für Dr. Biermann einen echten archäologischen Schatz dar. Denn die frühdeutsche Burg, die noch dazu ungewöhnlicherweise für diesen Typ Burg auf einem Berg, dem Teufelsberg, gestanden hat, wurde nur einige Jahrzehnte genutzt und nie mit einem Nachfolger überbaut. Daher kann man noch die originalen Spuren im Sand finden.

Leider war die Burg nur aus Holz gebaut, so dass sich im trockenen märkischen Boden die ehemaligen Balken nur als dunkle Flecken im Sand erhalten haben. Trotzdem konnte der Privatdozent mit seinem aus Experten und Studenten bestehenden Team noch viele dieser Spuren frei legen. Eine erste Zusammenfassung der Ergebnisse ergab, dass es sich bei der Bebauung wohl um eine Randhausbebauung mit Wehrplattform gehandelt haben muss.

Dabei hätte man von außen nur einen Ring aus Pallisaden gesehen, an deren Innenseite sich die Häuser angeschlossen hätten. Außerdem, und das kann man heute noch erkennen, war der Berg terrassiert worden, und unten herum gab es eine Wallanlage, deren Graben deutlich zu sehen ist.

Beinahe wäre all dies heute nicht mehr da. 1938 sollte der damals den Bredows gehörende Hügel zur Kiesgewinnung abgetragen werden. Der heutige Grashang zeugt noch von der Nutzung als Kiesgrube. Das komplette Abbaggern konnte aber letztendlich durch den Naturschutz verhindert werden. Für das am Fuße des Teufelsbergs gelegene Gräberfeld kam dies allerdings zu spät, es war bereits abgebaggert worden. Von alten Beschreibungen wisse man aber, so der Archäologe, dass es sich dabei wahrscheinlich um frühdeutsche Gräber gehandelt haben muss, die zeitgleich mit der Burg genutzt worden sind. Das macht der Experte an fehlenden Grabbeigaben fest. Einzig einige slawische Schläfenringe, Schmuckstücke, die am Kopf getragen wurden, sind nachgewiesen worden.

Mehr als 1.000 Scherben haben die Archäologen in ihren beiden Grabungen gefunden. Diese komplett auszuwerten, werde noch einige Zeit dauern. Aber, so Biermann, schon jetzt könne man sagen, dass der Großteil der Scherben frühdeutschen Ursprungs ist. Die wenigen gefundenen, verzierten slawischen Scherben seien in die selbe Zeit einzuordnen und wohl durch Handel an den Teufelsberg gekommen.

Dazu fand man aus Stein gesetzte Feuerstellen, Tierknochen, die vermutlich aus Schlachtabfällen stammen, und einige Stücke aus Metall. Darunter ein Messer, mehrere Beschläge, Nägel, Hufeisen und auch eine vergoldete Bronzeschnalle mit Eisendorn, wie sie zu der Zeit von Adligen verwendet wurde.

Geschichtsexperte Joachim Herrmann hatte zu DDR-Zeiten dem Gerücht Auftrieb verliehen, dass der Hügel ein slawisches Höhenheiligtum gewesen sein könnte. Doch nun haben die Archäologen keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass der Teufelsberg vor der Bebauung mit der Burg eine slawische Kultstätte gewesen sein könnte. Nichts deute auf eine ältere, kultische Nutzung hin, so Biermann.

Ein Rätsel konnten die Archäologen allerdings noch nicht lösen. Wie versorgten sich die Bewohner der Burg mit Wasser? In friedlichen Zeiten mag es okay gewesen sein, zum nah am Teufelsberg vorbei fließenden Rhin zu gehen und dort Wasser zu schöpfen und oben zu lagern. Aber in Kriegszeiten, wenn die Burg angegriffen wurde, war das nicht möglich. Einen Brunnenschacht haben die Archäologen jedenfalls auf dem Berg nicht gefunden. Obwohl es damals technisch schon möglich war, sehr tiefe Brunnen zu bauen.

Vielleicht war die Wassersituation auch ein Grund für die Aufgabe der Burg. Vielleicht wurde der Standort aber auch aufgegeben, weil er militärisch nicht mehr nötig war. Es hatte sich auch keine Siedlung in unmittelbarer Nähe zur Burg entwickelt.

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