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Privater Spender stellt Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hohen Summe in Aussicht

Neue Gedenkstätte für Kunersdorf

Erstes Treffen: Oliver Breithaupt, Sylvia Borkert, Michael Gandt, Spender Hans Dunkel, Landrat Gernot Schmidt und Annerose Schmidt vom Landkreis (von links) auf der Kriegsgräberstätte in Kunersdorf.
Erstes Treffen: Oliver Breithaupt, Sylvia Borkert, Michael Gandt, Spender Hans Dunkel, Landrat Gernot Schmidt und Annerose Schmidt vom Landkreis (von links) auf der Kriegsgräberstätte in Kunersdorf. © Foto: MOZ
Steffen Göttmann / 21.09.2016, 19:19 Uhr
Kunersdorf (MOZ) Mit einer großzügigen Spende an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge soll der Soldatenfriedhof in Kunersdorf als Gedenkstätte neu gestaltet werden. Hans Dunkel (94) hat sich dort am Mittwoch mit Landrat Gernot Schmidt (SPD) getroffen.

Mehr als 400 deutsche Soldaten, die im Oderbruch noch vor dem großen Angriff der Roten Armee am 16. April 1945 ihr Leben ließen, sind auf der Anhöhe bei Kunersdorf begraben. Der Friedhof liegt etwas verwunschen im Wald und ist für Menschen, die keine Ortskenntnis haben, nur schwer zu finden. An der Bundesstraße steht ein Hinweisschild, doch dann wird es schwierig.

Hans Dunkel, geboren 1922 in Altlewin, ist im Oderbruch aufgewachsen, lebt aber seit mehr als 50 Jahren in einem Dorf in Niedersachsen in der Nähe von Gifhorn. Seine Frau stammt aus Bliesdorf, auf dem Friedhof dort befindet sich das Familiengrab, wo auch Hans Dunkel seine letzte Ruhestätte finden wird. Doch jetzt hat sich der 94-Jährige entschlossen, etwas für den Soldatenfriedhof zu tun und sich mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Verbindung gesetzt, dessen Kreisvorsitzender der Landrat ist.

Für Oliver Breithaupt, Geschäftsführer des Landesverbandes Brandenburg der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, bildet die Verbindung von privater und öffentlicher Patenschaft eine Art Vorreitermodell für die Gesellschaft in Brandenburg. "Wir bekommen eine für uns verhältnismäßig sehr große Summe", erklärte Breithaupt. Ziel sei es, zunächst ein nachhaltiges Planungskonzept auszuarbeiten und den Friedhof so herzurichten, dass wenig Folgekosten für die Pflege entstehen. Problem sei, dass kein Wasseranschluss dort oben ist, sagte Annerose Schmidt, die beim Landkreis die Fachaufsicht für Kriegsgräber bekleidet.

Das Amt Barnim-Oderbruch ist verantwortlich für die Pflege. "Wir setzten unsere zwei Gemeindearbeiter aus Kunersdorf ein", sagte Sylvia Borkert, stellvertretende Amtsdirektorin. Das Amt bekommt einen Zuschuss vom Landkreis. Viel ist das nicht.

"Für die 3900 Kriegsgräberstätten im Land Brandenburg erhält das Land vom Bund jährlich 2,2 Millionen Euro", sagte Breithaupt. Von diesem Geld müsse alles finanziert werden. Nicht nur die regelmäßige Pflege, sondern auch die Reparatur von Sturm- und Vandalismusschäden sowie die Sanierung von sowjetischen Ehrenmalen, was jeweils mit mehreren 1000 Euro zu Buche schlägt.

Viele Firmen muss der Landesgeschäftsführer nicht beauftragen. Zwei in Brandenburg stationierte Kompanien haben sich bereiterklärt, Soldaten zu schicken, die beispielsweise einen neuen Zaun ziehen und die Wege neu anlegen. Die kleinen provisorisch wirkenden Schilder mit Namen und Daten der Verstorbenen will Breithaupt durch einen Stein ersetzen. Kreuz und vorhandene Steine bleiben. "Wir werden am Eingang eine Tafel aufstellen, um Besucher zu informieren", sagte Breithaupt. In den Reihen des Volksbundes sei ein Historiker, der recherchiert und den Text verfasst.

Eine andere Möglichkeit wäre, die sterblichen Überreste der Soldaten zu exhumieren und auf einem anderen Friedhof zu bestatten, der dauerhaft gepflegt werde wie der in Lietzen, sagte Breithaupt. "Das wollen die Menschen hier nicht", betonte Sylvia Borkert. Jährlich kommen noch drei bis vier Angehörige, um ihren Familienmitgliedern zu gedenken. "Und wenn nur ein Angehöriger pro Jahr käme, wäre dies Grund genug, den Friedhof zu erhalten", sagte Breithaupt. "Ich will hier keinen Prunk haben", sagte Dunkel. Breithaupt sicherte eine Sanierung zu, die sich den örtlichen Gegebenheiten anpasst.

Hans Dunkel war auch Soldat, aber zuletzt in Schlesien und nicht im Oderbruch. Als der Krieg zu Ende schlug er sich mit einem anderen Soldaten über Tschechien durch bis nach Westdeutschland. Sein Vater, der Landwirt war, sei abgeholt worden und im Lager Sachsenhausen jämmerlich gestorben. Mutter und Schwester hielten im Oderbruch die Stellung. Er sei im Westen geblieben, weil die Behörden seiner Mutter drohten, ihn abzuholen. Erstmals kehrte er daher erst 1954 zurück. Hans Dunkel arbeitete zunächst als Berufskraftfahrer, wechselte dann in den Großhandel für Getreide und zuletzt für Lebensmittel.

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