Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die unendliche Geschichte

Vor-Ort-Termin im Februar 2015: Vertreter des Denkmalschutzes sehen sich gemeinsam mit Glambeckern das Spritzenhaus an und sprechen über Möglichkeiten der Sanierung. Seither ist das Gebäude mit einem Flatterband abgesperrt.
Vor-Ort-Termin im Februar 2015: Vertreter des Denkmalschutzes sehen sich gemeinsam mit Glambeckern das Spritzenhaus an und sprechen über Möglichkeiten der Sanierung. Seither ist das Gebäude mit einem Flatterband abgesperrt. © Foto: MZV
Volkmar Ernst / 23.09.2016, 21:00 Uhr
Glambeck (GZ) In Glambeck steht neben der Kirche das Spritzenhaus - und das wird mehr und mehr zum Ärgernis für die Mitglieder des Ortsbeirates, die Kirchengemeinde und all jene, die vor gut zwei Jahren auf die Idee kamen, das Gebäude in Eigeninitiative zu sanieren.

Die Idee war einfach. Das Gebäude steht leer und ist marode. Die Türen hängen nur noch in den Angeln, der Putz bröckelt, die Wände müssen befestigt werden. "Da muss was geschehen, das machen wir selbst", so die Überlegungen der Ortsbeiratsmitglieder. Es fanden sich auch schnell Unterstützer für das Vorhaben im Ort. Ein gelernter Maurer sollte die Aufsicht übernehmen und die freiwilligen Helfer anleiten. Das Geld für die Materialien sollte bei der Gemeinde und Unternehmen eingeworben werden. Als mögliche Nutzung stand im Raum, das Gebäude als Rastplatz für Wanderer und Radler anzubieten und ebenso bei Veranstaltungen im Dorf zu nutzen. So weit, so gut.

Was die Mitglieder des Ortsbeirates zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, war, dass das Spritzenhaus auf Anregung des ehemaligen Glambecker Fördervereins inzwischen in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen worden war. So kam, was zu befürchten war. Der Denkmalschutz sagte "Nein" und stoppte die Initiative des Beirates. Aber es wurden auch Hilfsangebote gemacht und sogar Fördergelder in Aussicht gestellt. Doch scheint das Vorhaben nun allmählich im Sumpf der Bürokratie unterzugehen. Denn um Fördermittel beantragen zu können, muss ein Nutzungskonzept her. Und warum sollte der Denkmalschutz einen Rastplatz für Wanderer fördern?

Die Behörde schlug vor, aus dem Spritzenhaus ein kleines Museum zu machen. Da konnten die Kommunalpolitiker mitgehen. Die Geschichte der Kirche und des Ortes könnte aufgearbeitet und alte Dokumente und Fotos im Gebäude ausgestellt werden. Doch um es als Museum nutzen zu können, muss es umgewidmet werden. Für die Umwidmung muss ein Bauantrag gestellt werden. Das kostet zum einen Geld und ist zum anderen ein langwieriger Prozess. Doch die Kirchengemeinde ist den Weg gegangen und hat die Baugenehmigung beantragt. Die wurde ihr jetzt jedoch versagt, weil ein Teil des Spritzenhauses auf Privatland steht, auf dem von Ortsvorsteherin Hilde Peltzer-Blase, wie sie am Donnerstag bestätigte. 1704 hat der fromme Heinrich Krugler, einer jener zehn Schweizer, die Glambeck gründeten, das Land der Kirche geschenkt. Privat- und Kirchenareal wurden zwar mit einem Zaun getrennt. Doch in den historischen Unterlagen ist über die Schenkung nichts zu finden. Deshalb fordert das Bauamt nun eine Vermessung und Überschreibung.

Wieder eine zusätzliche Geldausgabe, welche die Akteure nun nicht mehr bereit sind zu tragen. Der Standpunkt der Kommunalpolitiker ist eindeutig: "Wir würden aktiv werden, doch wenn die Behörden nicht wollen, dann machen wir eben nichts, dann soll das Gebäude doch verfallen." Noch allerdings gibt es einen Hoffnungsschimmer, wie die Ortsvorsteherin sagt. Nämlich eine "unvordenkliche Verjährung". Das sei so etwas wie das Gewohnheitsrecht, erklärt sie.

Die Kirchengemeinde hofft nun, dass das Amt die Nutzung des Areals durch die Kirche seit dem Jahr 1704 akzeptiert, auf die Neueinmessung verzichtet und die Baugenehmigung erteilt. Denn fest steht: Weder Familie Peltzer-Blase noch der Ortsbeirat oder die Kirchengemeinde werden für die Vermessung Geld ausgeben.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG