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"Kliestower See wird wieder kippen"

Frank Groneberg / 24.09.2016, 06:33 Uhr
Kliestow (MOZ) Massenhaftes Fischsterben wird es immer wieder im Großen Kliestower See geben. Darauf machte Umweltschutzdezernent Markus Derling während der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung aufmerksam. Das Umkippen werde sich "regelmäßig wiederholen", sagte er, "das ist nun mal so".

Ursache dafür ist der extrem hohe Nährstoffgehalt des Sees, entstanden über viele Jahre unter anderem durch die intensive Landwirtschaft. Vor allem Phosphate und Nitrate sorgen dafür, dass Unmengen an Plankton produziert werden. Stirbt dieses Plankton plötzlich ab, wird es unter hohem Sauerstoffverbrauch abgebaut. Das führt zu einem Sauerstoffmangel, in dessen Folge die Fische sterben. Der Zersetzungsprozess der Fische wiederum setzt giftige Stoffe wie Schwefelwasserstoff und Ammoniak frei, was alles noch verschlimmert. Der See stirbt.

Da der Große Kliestower See ein flaches und stehendes Gewässer ist, wird der Nährstoffgehalt nicht auf natürliche Weise verringert - im Gegenteil. Die Konzentration ist so hoch, dass der See als hypotrophes Gewässer - Gewässer mit dem höchsten Nährstoffgehalt - klassifiziert wurde (trophe: altgriechisch für Ernährung). Der Prozess des Sterbens könne lediglich verlangsamt werden, erklärte Derling. Möglich wäre zum Beispiel das Abbaggern der Schicht toter Teilchen am Grund - was aber mit "außerordentlichem finanziellem und technischem Aufwand verbunden" wäre und nur vorübergehende Wirkung hätte.

Während der Sitzung wies Markus Derling Kritik zurück, die Stadt hätte beim Fischsterben vor zwei Wochen nicht rechtzeitig geholfen. Die Verwaltung habe vielmehr bereits am ersten Tag alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet. Im Übrigen sei der Landesanglerverband, der Pächter des Sees und damit auch für die Pflege des Fischbestandes zuständig ist, zur Entsorgung der toten Fische verpflichtet.

Für die nächsten Jahre kündigte der Dezernent, der auf eine Anfrage der Fraktion Die Grünen/Bündnis 90/BI Stadtentwicklung/Piraten antwortete, mehrere Maßnahmen an. Der Schilfschnitt werde "optimiert", damit Winde das Wasser besser bewegen können. Bäume und andere Pflanzen im Uferbereich sollen zum Teil radikal geschnitten werden, damit Blätter und Äste nicht mehr in den See fallen und dort zersetzt werden. Der Wasserpegel könne jedoch nicht erhöht werden, da sonst Überschwemmungen einzelner Grundstücke am Ufer sowie Probleme bei der Ableitung des Regenwassers aus dem Wohngebiet "Am See" drohten.

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