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Mehr Menschen als Pilze im Wald

Dietmar Rietz / 04.10.2016, 06:40 Uhr - Aktualisiert 04.10.2016, 12:16
Görlsdorf (MOZ) Zum Abschluss der Pilzwoche in der Blumberger Mühle ging es am Sonnabendmorgen mit der Pilzexpertin Hannelore Kretke auf Wanderung durch den Görlsdorfer Forst. Ein gutes Dutzend Pilzsucher aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern begleitete sie.

Eigentlich ist jetzt die Jahreszeit für Maronen. Die Brandenburger Nadelwälder werden auch gern mal als Maronen-Plantagen bezeichnet. Aber weit und breit lässt sich keine ihrer dunkel- bis kastanienbraunen Kappen sehen. In manchem Wald gibt es derzeit mehr Menschen als Pilze. "Stecken Sie Ihre Erwartungen nicht zu hoch, das Wetter der letzten Wochen war schlecht für Pilze und Pilzsucher", begrüßte Hannelore Kretke die hoffnungsfroh mit Körben, Eimern und Messern ausgerüsteten Sammler. "Es war zu warm und sehr, sehr trocken. Aber man findet immer etwas Brauchbares im Wald", verbreitete sie Optimismus.

Görlsdorf (dir) Zum Abschluss der Pilzwoche in der Blumberger Mühle ging es am Sonnabendmorgen mit der Pilzexpertin Hannelore Kretke auf Wanderung durch den Görlsdorfer Forst. Ein gutes Dutzend Pilzsucher aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern begleitete sie.
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Der erste Fund versetzte die Wanderer in die Welt der Baumpilze. Die Pilzfachfrau entdeckte eine Bucklige Tramete mit einem eingewachsenen Efeublatt auf einem Baumstumpf. Nicht zum Essen geeignet, aber eine gute Tischdekoration.

Hannelore Kretkes Lieblingspilz für eine würzige Pilzsuppe wächst auf totem Laub-, vereinzelt auch auf Nadelholz: Es sind Stockschwämmchen. Ihre kleinen "Hüte" sind gelb-bräunlich und oft mit Schüppchen besetzt. Die Kappen werden von dünnen Stielchen getragen. Sie riechen angenehm pilzig, würzig. Wer sie einem Pilzberater vorlegt, sollte den Stiel dran lassen. Denn es gibt auch giftige Verwandte.

Wer aus Stockschwämmchen eine wohlschmeckende Pilzsuppe kochen will, sollte die Stiele entfernen, die Hüte klein hacken, mit Zwiebel gut anbraten. Danach mit Mehl bestäuben und mit Brühe auffüllen. Zum Schluss Ei und saure Sahne unter die Pilze quirlen. Vielleicht noch mit einem Schluck Weißwein abschmecken. Lecker!

Die Pilzsucher schwärmten im Görlsdorfer Forst aus. Schon nach kürzester Zeit waren alle Teilnehmer tief im Wald verschwunden. Die Suchenden im Görlsdorfer Forst wurden fündig. Körbe und Eimer füllten sich aber nur mit einigen, wenigen Pilzen, manchmal auch mit anderen dekorativen Fundstücken. Amy jubelt über ihren ersten Pilzfund. Wahrscheinlich leider giftig. Mutter Andrea Pfüller entdeckte einen großen Pilz, einen Samtfußkrempling. Er riecht etwas säuerlich und schmeckt eher muffig. Essbar? Nicht zu empfehlen als Speisepilz. Vater Wieland Pfüller berichtete, im Thüringer Wald hätte die Familie kürzlich Pfifferlinge und Steinpilze gefunden. "Auch wenn wir hier wenig oder nichts finden, was in die Pfanne kann, dann ist es ein schöner Ausflug. Wandern im Wald ist gesund und in Familie macht es einfach Spaß."

Gerd Kaatz verkauft in Berlin Hühnereier. Eine Freundin hatte ihn zum Pilztripp überredet. Sie ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Pilze sind momentan ihr großes Thema, verriet Kaatz und deutete mit dem Kopf auf die junge Frau, die versuchte alles, was sie hörte, zu notieren, jeden Fund mit der Kamera zu dokumentieren. "Ich habe ihr gesagt, sie soll ein Buch schreiben, aber sie ist jetzt verrückt nach Pilzen." Daniel Abt hat seine beiden Jungs ins Auto gepackt und ist von Berlin in die Uckermark zum Pilzesuchen gedüst. "Erst kurz vorher haben mir Kollegen erzählt, dass Brandenburgs Wälder staubtrocken sind und es keine Pilze gibt, aber da hatten wir schon gebucht. Aber es gibt auch so viel im Wald zu entdecken." Gefunden hatte er einen Rehbraunen Dachpilz. Kein Hit, aber ein guter Mischpilz.

Am Ende wirft die Pilzsachverständige kritische Blicke in die Körbe der Sammler und sortiert fast alle Funde aus, um sie vor einer Magenverstimmung oder gar Schlimmerem zu bewahren. Eine Familie habe kürzlich beim Sammeln Perl- und Pantherpilze nicht auseinanderhalten können, erzählte sie, dies gemeinsam zubereitet und dann nur dank schneller Hilfe im Krankenhaus überlebt. "Nur sammeln, was man genau kennt", warnt die Pilzfachfrau ernsthaft.

Ist die Pilzsaison zu Ende? "Sie dauert von Januar bis Januar", war Hannelore Kretke überzeugt. "Wenn jetzt Regen fällt, der Frost ausbleibt, dann haben wir im Oktober, November Maronen erster Qualität."

Wer nach der Tour Appetit auf eine deftige Pilzmahlzeit bekommen hatte, bekam sie von Chefkoch Thorsten Lützow neben einer Rezepte-Sammlung in der Blumberger Mühle, im Restaurant "Grünes Wunder".

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