Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Hasenkopf und Signe Tillisch

Des Apfels Kern: Auch daran erkennt Urte Delft, um welche Apfelsorte es sich handelt. Beim "Hasenkopf" beispielsweise klappert das Gehäuse beim Schütteln. Die Sorte eignet sich bestens als Mus oder auf dem Kuchen.
Des Apfels Kern: Auch daran erkennt Urte Delft, um welche Apfelsorte es sich handelt. Beim "Hasenkopf" beispielsweise klappert das Gehäuse beim Schütteln. Die Sorte eignet sich bestens als Mus oder auf dem Kuchen. © Foto: MOZ
Mandy Timm / 04.10.2016, 07:13 Uhr
Kruge (MOZ) Oft wissen Obstbaum-Besitzer gar nicht, welche Apfelsorten da eigentlich in ihrem Garten gedeihen. Eine Pomologin brachte in Kruge beim Apfelfest Licht ins Dunkel. Sie bestimmte innerhalb kürzester Zeit die Früchte zahlreicher Leute und hatte manch interessanten Rat parat.

Urte Delft riecht, reibt und halbiert. "Mal gucken", sagt sie, "ob er auch wirklich nach Kaiser Wilhelm schmeckt." Jawohl. Er tut's. Angelika Stöwe reicht der Pomologin gleich ein Dutzend Sorten über den Tisch. Schon immer wollte die Gersdorferin wissen, was da eigentlich genau in ihrem Garten wächst.

Es ist Apfelfest in Kruge. Susanne Altvater hat zusammen mit einer Bekannten geladen. Weil ihr die alten Sorten am Herzen liegen, wie man schnell merkt. Dass in Kruge eine Apfelallee gepflanzt worden ist, geht auch auf sie zurück. 28 Bäume gedeihen dort, 18 Paten machten es möglich. "Der Sinn", sagt Altvater, "ist alte Sorten wiederzubeleben, die genetische Vielfalt zu erhalten und Artenschutz, darum geht es auch." Sie stört, dass immer weniger Apfelsorten zum Supermarkt-Angebot gehören, dass es eine überschaubare Anzahl von Baumsorten im Gartencenter gibt. "Weltweit gab es einmal 20 000 Apfelsorten, zur Zeit Preußens waren es unglaubliche 2500. Und heute? Gibt es noch 20, wenn ich nicht gezielt nach alten Sorten gucke." Gerade sie bringen aber den viel größeren Nutzen, steht für Susanne Altvater fest. "Sie haben nicht nur wertvolle Inhaltsstoffe. Sie stärken auch die Immunabwehr, sind Boden und Klima angepasst."

Bei Urte Delft klappert's gerade. Sie schüttelt einen Hasenkopf, ein Apfel, so groß wie ein Handball. Die Kerne im Gehäuse machen das Geräusch. "Deshalb wird er auch Klapperapfel genannt", erzählt sie. "Eignet sich bestens zum Mus oder für den Kuchen." Studiert hat die Frau aus der Prignitz Landschaftsnutzung in Eberswalde. Heute ist sie Freiberuflerin und kartiert Biotope. Jetzt, im Herbst, widmet sie sich ihrer Apfelbegeisterung, die schon immer da war, weil sie in einem Obstgarten aufwuchs, aber während des Studiums richtig ausbrach. Sie besuchte Seminare, Pomologentage, an denen zwei Tage lang nur rote Äpfel bestimmt werden, legte sich eine Kernsammlung an, die einen dicken Ordner einnimmt, fotografierte aufgeschnittene Äpfel.

Die meisten Sorten hat die Apfelspezialistin in Kruge sofort parat. Manchmal machen es ihr Besucher schwer, weil sie nur eine einzige Frucht dabei haben. Es sei aber besser, mehrere Äpfel einer Sorte zu zeigen. Weil jeder Apfel so unterschiedlich ist, wie ein Mensch. Allein "Kaiser Wilhelm" gibt es in zig Varianten, sagt die 43-Jährige. Groß, klein, rot, gelb-blass. Häufig fragen Interessierte nicht nur nach ihren alten Sorten, sondern wollen auch über Apfelkrankheiten Bescheid wissen, wie den sogenannten Schorf, der weit verbreitet sei, oder Birnengitterrost. Die Fachfrau berät, gibt Tipps und Hinweise, im Frühjahr bietet sie auch Baumschnitte an.

Welche Apfelsorte sie am liebsten mag? Urte Delft muss nicht lange überlegen. Worcester Parmäne, sagt sie. "Signe Tillisch ist aber auch etwas feines." Im Supermarkt würde sie nie nach einem Apfel greifen. "Da esse ich lieber einen angeschrumpelten", sagt sie stattdessen.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG