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Ehemalige Lehrer schwelgen in Erinnerungen

Lehrertreff: Die 58-jährige Annette Graul, geborene Fünfhausen, wurde einst von Schuldirektor Norbert Kroker (l.) und Sportlehrer Erhard Kietz in Görsdorf unterrichtet.
Lehrertreff: Die 58-jährige Annette Graul, geborene Fünfhausen, wurde einst von Schuldirektor Norbert Kroker (l.) und Sportlehrer Erhard Kietz in Görsdorf unterrichtet. © Foto: MOZ
Jörg Kotterba / 11.10.2016, 06:20 Uhr
Ahrensdorf/Görsdorf (MOZ) Pädagogentreff in der Ahrensdorfer Gaststätte Fünfhausen: 38 Lehrer, inzwischen 57 bis 90 Jahre alt, schwelgten in alten Erinnerungen. Was alle verbindet: Sie lehrten einst in der Polytechnischen Oberschule in Görsdorf. Die POS schloss 1983 mit dem Umzug in den Schul-Neubau in Tauche für immer die Türen. Norbert Kroker, jetzt 70, machte die MOZ auf dieses Stelldichein ehemaliger Pädagogen-Kollegen neugierig. Die Redaktion sollte bitte vor allem  Erhard Kietz würdigen, "der dieses schöne Beisammensein nunmehr zum dritten Mal organisiert." Sportlehrer Erhard Kietz, Jahrgang 1943, ist noch heute ein begeisterter Leichtathlet.

Was sich nach der politischen Wende im Schulwesen verändert hat? Kietz lacht. "Alles sollte auf einmal nur noch Spaß machen. Nichts mehr mit Motivation, Disziplin, Ehrgeiz. Ich weiß nicht, wo das hinführen soll."

Für seine Kollegen erarbeitete Erhard Kietz eine zwölfseitige Festzeitung. Titel: Oberschule Görsdorf 1961 - 1983. "Die Zeitung ist Ergebnis intensiver Nachforschungen Archiven, in eigenen Unterlagen und dank der Hilfe ehemaliger Kollegen entstanden", erzählt Kietz. Sie solle an die nicht immer leichte, "aber doch meist schöne Zeit an der Oberschule Görsdorf erinnern." Laut Kietz-Recherche wurde die Görsdorfer Schule erstmalig anno 1806 aktenkundig erwähnt, bestehend aus Mädchen und Jungen der Gemeinden Görsdorf, Premsdorf und Blabbermühle. "Die Schulstube war gleichzeitig die Tischlerwerkstatt des ersten Lehrers dieser neuen Schule. Er klagte über wenig Ehrgefühl und Fleiß seiner Zöglinge. Besonders bei den Knaben hätte es oft Zank gegeben und die beliebte Beschädigung der Bänke mit Messern." 1854/55 wurde in Görsdorf ein neues Schulhaus errichtet. Die Schülerzahlen in der späteren Volksschule schwankten zwischen 30 (1927) und 56 (1941). "Nach dem Krieg wurde das Gutshaus zur Schule, um es vor dem Abriss zu retten. Der Zusammenschluss der Heimatschulen Görsdorf, Ahrensdorf und Limsdorf zur Zentralschule Görsdorf erfolgte 1957." Dann das POS-Geburtsjahr 1961. Erste Direktorin war Ingeborg Krüger. Ab 1975 schwang Norbert Kroker bis zum Umzug nach Tauche das Zepter. Erhard Kietz: "In dieser Zeit erforschte die AG Kunst/Geschichte das Leben der ehemaligen Widerstandskämpfer Erich und Charlotte Garske. Ihren Namen trug die POS ab 1974."  Ein Jahr später, 1975, wurde Chemielehrer Hans-Günter Stretz vom Dienst suspendiert. Der Mann vom Jahrgang 1945 wollte in den Westen, hatte einen Ausreiseantrag gestellt, saß danach mehrere Monate im Berlin-Pankower Stasi-Gefängnis. "Nach meiner Abschiebung arbeitete ich in Kreuzberg. Laut Senat sollten dort 70 Prozent der Schüler Deutsche sein und 30 Prozent Türken. Bei uns war es genau umgekehrt. Nicht einfach..." Hans-Günter Stretz hat damals in Görsdorf Annette Graul, geborene Fünfhausen unterrichtet. Die jetzt 58-Jährige arbeitet in der gleichnamigen Ahrensdorfer Gaststätte. An meine Schulzeit habe ich meist wunderbare Erinnerungen." Sie freut sich, "dass bei so einem Pädagogentreff in unserer Gaststätte viele Anekdoten erzählt werden." So vom Hausbesuch des Lehrers Sauer bei der Familie eines gehbehinderten Kindes. Angesprochen auf die Hygiene ihres Sohnes sagte die Mutter den denkwürdigen Satz: Sie sollen ihm nicht riechen, sie sollen ihm lernen...

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