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Bekenntnisse in Edelstahl

Bürgermeisterin Kerstin Falke und Gemeindevertreter Bernd Specht (M.) loben die Arbeit des Eberswalder Metallgestalters Eckhard Herrmann, die Büste Bethmann Hollwegs.
Bürgermeisterin Kerstin Falke und Gemeindevertreter Bernd Specht (M.) loben die Arbeit des Eberswalder Metallgestalters Eckhard Herrmann, die Büste Bethmann Hollwegs. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 14.10.2016, 07:50 Uhr
Hohenfinow (MOZ) Als Reichskanzler gehörte er zu den Großen seiner Zeit: Theobald von Bethmann Hollweg. Mit einer Büste erinnert die Gemeinde nun an ihren prominenten Sohn. Zwischen einstigem Sitz und letzter Ruhestätte wurde die Plastik, ein Werk des Metallgestalters Eckhard Herrmann, enthüllt.

Die Zeiten, da in Hohenfinow Weltpolitik gemacht und geschrieben wurde, sind längst vorbei. Vielleicht auch deshalb gibt es bei der Übergabe des Kunstwerkes kein großes Brimborium, keinen großen Bahnhof. Eine Hand voll Honoratioren, darunter natürlich der Schöpfer, das ist es. Gleichwohl ist die Enthüllung der Skulptur für das kleine Dorf ein großer Moment. "Es ist das Bekenntnis zu unserem Sohn", macht Bürgermeisterin Kerstin Falke die Tragweite deutlich. Ein Bekenntnis, das durchaus eine differenzierte Betrachtung des Wirkens und der Leistungen Theobald von Bethmann Hollwegs (1856-1921) einschließt.

Die etwa 60 Zentimeter hohe Büste, die auf einer Stele vor dem Querhaus ihren Platz gefunden hat, komplettiert das Ensemble des dortigen Informationspunktes, für den Eckhard Herrmann 2010 den Entwurf erstellt hatte. Doch die Realisierung sollte sich zunächst als schwierig erweisen. 2013/14 wurde durch die Firma Glawion der erste Teil des Herrmannschen Modell umgesetzt: der reine Informationsteil mit den technischen Elementen.

Er habe nach all den Jahren schon selbst nicht mehr damit gerechnet, die Plastik, das Porträt Bethmann Hollwegs ausführen und damit sein Werk vollenden zu dürfen, gesteht der Eberswalder Metallgestalter. "Im Frühjahr kam die Bürgermeisterin überraschend zu mir ins Atelier", erinnert sich Herrmann. Im Spätsommer erhielt er schließlich den Auftrag. "Da hatte ich das Porträt schon fast fertig", erzählt er. Denn auch ohne Bestellung habe er in den vergangenen Jahren an der Skulptur gearbeitet.

So wie die anderen Teile des Ensembles ist die Büste aus Edelstahl gefertigt. "Dies ist erst mein zweites Porträt aus Edelstahl", verrät Herrmann. Das Material sei deutlich schwerer zu bearbeiten als etwa Kupfer, das "besser formbar ist". Die erste Edelstahl-Büste zeigt Heinrich Mann, sie ist 1988 für den Eberswalder Kulturbund entstanden. Bethmann Hollweg bestehe aus nahezu 300 Einzelteilen. Manche kleiner als ein Fingernagel, berichtet der Künstler. Die Schweißnähte sind sorgsam "verschliffen". So dass die Arbeit "wie aus einem Guss" wirkt. Als Vorlage dienten historische Aufnahmen. "Oft ist Bethmann Hollweg mit dem ganzen ,Lametta' dargestellt", sagt Herrmann. Darauf habe er aber bewusst verzichtet, es bei einer angedeuteten schlichten Uniform belassen. "Das Gesicht ist das Entscheidende."

Im Übrigen sei Bethmann Hollweg Politiker und kein Militär gewesen. Ein Politiker, der als Reichskanzler (1909-1917) zweifellos eine Aktie am Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte, der Mitverantwortung trug und der für die Schaffung eines deutschen Kolonialreiches in Mittelafrika war. Der aber gleichzeitig auch liberale Positionen vertrat. Diese Vielschichtigkeit wie auch sein unmittelbares Wirken in der Region, etwa als Landrat des Oberbarnim, "das war meine innere Motivation bei der Arbeit", beschreibt Herrmann. In Hohenfinow trafen gerade zu Zeiten Bethmann Hollwegs Weltpolitik auf Dorfgeschichte.

Viele Spuren sind noch heute sichtbar: Kaisereiche, Liebenstein, Gut, Kirche und Grabkapelle etwa. Bislang fehlte jedoch jeder Hinweis. Deshalb sollen genau dort in den kommenden Wochen ebenfalls Informationstafeln installiert werden, kündigt Falke an. Auch eine touristische Karte soll noch folgen.

Das gesamte Ensemble am Querhaus hat rund 35 000 Euro gekostet. Ein Teil wurde gefördert. 20 000 Euro hat die Gemeinde beigesteuert, so wurde die Skulptur komplett aus dem Dorfsäckel finanziert. Die Texte an den Stelen zur Dorfgeschichte sowie zur Vita Bethmann Hollwegs wurden von Gemeindevertretern sowie dem Ortschronisten Helmut Schünemann verfasst. Der Info-Punkt erfreue sich schon jetzt eines recht regen Zuspruchs, konstatiert Falke.

Angeregt hatte 2009 der ehemalige Kreisdenkmalschützer Roland Gabsch die Debatte um den Umgang mit Bethmann Hollweg. Gabsch sprach sich für eine Form des Erinnerns und vor allem der sachgerechten Information aus. Daraufhin hat die Gemeinde dann Künstler des Eberswalder Vereins "Die Mühle" zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. Herrmann setzte sich mit seinem Vorschlag durch, gewann. Mit seinen Edelstahl-Stelen und Masten hat er bewusst auf eine historisierende Formensprache verzichtet und eine moderne Gestaltung als Kontrast gewählt.

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