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Die Gold-Lüge des Herrn Paul

Geschockt: Eigentlich hatte Monika Borchert nur mehrere mundgeblasene Gläser aus dem Familienerbe inseriert. Der Betrüger hatte es aber vor allem auf ihren Goldschmuck abgesehen.
Geschockt: Eigentlich hatte Monika Borchert nur mehrere mundgeblasene Gläser aus dem Familienerbe inseriert. Der Betrüger hatte es aber vor allem auf ihren Goldschmuck abgesehen. © Foto: MZV
Robby Kupfer / 20.10.2016, 06:00 Uhr
Beetz (OGA) "Er machte einen gepflegten Eindruck und war sehr redegewandt". So beschreibt Monika Borchert den Mann, der am 7. Oktober, keine drei Stunden, nachdem sie auf Ebay Antiquitäten zum Verkauf angeboten hatte, in ihrer Beetzer Wohnung stand.

Eigentlich hatte sie nur mundgeblasene, 100 Jahre alte Gläser verkaufen wollen. "Herr Paul", wie sich der "mindestens 1,90 Meter große Herr mit auffallendem Backenbart" nannte, fragte aber ganz gezielt nach weiteren Antiquitäten. "Er wollte vor allem wissen, ob ich auch Goldschmuck habe", so Borchert. Als sie ihm daraufhin mehrere Ringe und Kettchen aus dem Familienschmuck gezeigt habe, sei er sehr interessiert gewesen. Allerdings argumentierte er, dass er die genaue Qualität des Schmucks vor Ort nicht untersuchen könne und deshalb das Gold mit in sein Fachgeschäft nach Potsdam nehmen wolle.

Als Monika Borchert nachfragte, welche Sicherheit er für die Mitnahme des Schmucks bieten würde, habe Herr Paul ausweichend geantwortet. "Zunächst versuchte er mich und meine Tochter zu überreden, in dem er versprach, uns nach Geschäftsabschluss in sein Potsdamer Geschäft einzuladen und dort mit Champagner zu bewirten." Als sie aber darauf bestand, nur gegen Bezahlung den Schmuck mitzugeben, wich der Händler mit der Bemerkung aus, dass er nicht genügend Geld dabei habe und erst zum nächsten Bankautomaten fahren müsse.

"Als der Herr dann unser Haus verlassen hatte, war uns klar, den sehen wir nicht wieder", erinnert sich die Beetzerin. Bestärkt hatte sie noch der letzte Überredungsversuch des Interessenten, der ihr für einen Roman von 1899 "so um die 300 Euro" anbot. "Wir hatten uns schon gedacht, dass das Buch keineswegs so viel wert ist und er uns nur ködern wollte", so Monika Borchert. Bei dem "Schmuggler von Norderney" von Onnen Visser handelt es sich tatsächlich um die vierte Auflage eines volkstümlichen Romans, der wahrscheinlich keine fünf Euro einbringt.

Endgültig stutzig wurde Monika Borchert, als sie genauer die Visitenkarte des Herrn Paul studierte. Auf dieser war gar kein Name, sondern nur die Firma reGold in Spandau samt Anschrift und Telefonnummer vermerkt. "Ein Anruf dort ergab Gewissheit. Zum Glück sind wir nicht auf den Betrüger reingefallen", resümiert die Seniorin. Tatsächlich betätigt Ferid Turan von reGold Spandau auf Nachfrage, dass er in den vergangenen zwei Monaten "fünf bis sechs Anrufe von besorgten Leuten" bekommen habe, die nach einem Mitarbeiter Paul gefragt hätten. "Den haben wir natürlich nicht", so Turan. Leider hätten nicht alle so besonnen reagiert wie Frau Borchert, sondern es gebe durchaus Geschädigte, die dem Betrüger, der sich auch schon als Herr Steiner ausgegeben hat, Goldschmuck ohne Gegenwert mitgegeben haben. "Das ist nicht nur schlimm für die Geschädigten, sondern auch für das Renommee unserer Firma", so Turan. Auch deshalb habe man Anzeige erstattet. Das hat inzwischen auch Monika Borchert getan. Antje Collin von der Polizeiinspektion Oberhavel bestätigt dies und ergänzt: "Momentan gibt es keine weiteren Anzeigen in diese Richtung". Was Monika Borchert erleichtert: "Vielleicht werden durch mein Beispiel ja andere gewarnt".

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