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Philipp Schacks Werk lebt weiter

Kein leichtes Erbe: Otto Schack suchte mit seiner Frau Rose Bilder des Sohnes für eine Ausstellung in Ackermannshof aus. Oben ist eins seiner letzten Werke zu sehen, eine Monotypie, unten eine sehr frühe Lithografie. Philipp Schack starb 2006
Kein leichtes Erbe: Otto Schack suchte mit seiner Frau Rose Bilder des Sohnes für eine Ausstellung in Ackermannshof aus. Oben ist eins seiner letzten Werke zu sehen, eine Monotypie, unten eine sehr frühe Lithografie. Philipp Schack starb 2006 © Foto: MOz
Mandy Timm / 24.10.2016, 06:45 Uhr
Ackermannshof (MOZ) Sein Nachlass umfasst Hunderte Gemälde, Grafiken, Siebdrucke, Schriftstücke. Seit seinem Tod vor zehn Jahren bewahren seine Eltern Rose und Otto Philipp Schacks Werke in Ackermannshof auf. Zurzeit sind seine Arbeiten dort ausgestellt.

Für 12 000 Euro hätten Rose und Otto Schack das Peuker-Gemälde kaufen können. Sie haben hin und her überlegt, abgewogen und sich letztlich dagegen entschieden. 12 000 Euro sind eine Menge Geld. Es klingt eine unausgesprochene Trauer mit, wenn Otto Schack vor einem Plakatdruck des Bildes steht und ihm in die Augen blickt, seinem Sohn Philipp, der darauf zu sehen ist und den es nur noch in seiner Erinnerung gibt. Denn Philipp Schack ist tot.

Zehn Jahre ist es her, dass das Künstlerpaar Schack die übelste aller Nachrichten erreichte. Das eigene Kind verstorben. Dass sie den Rest ihres Lebens mit dieser Tatsache umgehen müssen. Irgendwie. "Es muss doch umgekehrt sein", sagt Otto Schack, "dass nicht wir den Nachlass unseres Sohnes sortieren, sondern er unseren." Schacks sind namhafte Künstler in der Region und darüber hinaus. Ihr Sohn Philipp war auf dem besten Weg, es ebenfalls zu werden. Gut möglich, dass er seine Eltern überholt hätte. Schließlich ist er in einem Künstlerhaushalt groß geworden, begann mit 16 an der Hochschule Berlin-Weißensee Malerei zu studieren. Eine Kinderkrankenschwester, die mit Schacks in Berlin unter einem Dach lebte, hätte aus Philipp gern einen Arzt gemacht. "Er hatte auch Ambitionen", erzählt sein Vater. Letztlich entschied er sich dagegen. Philipp Schack war Wolfgang Peukers Meisterschüler und Stipendiat bei mehreren Stiftungen. Auch vom Land Brandenburg wurde er gefördert.

Schack war gerademal 34, als er selbst einen Lehrauftrag erhielt. Er bekam einen Ruf von der Schweriner Grafik Design Schule. Bereits mit 23 Jahren hatte er seine erste Einzelausstellung, in einer Galerie in Rostock. Bis zu seinem Tod stellte er in Berlin, Frankfurt am Main, in der Mark und in Ahrensoop aus. Seine Werke befinden sich in privaten wie in öffentlichen Sammlungen in Deutschland, Luxemburg, in Frankreich und Großbritanien, in Japan und den USA.

2006, kurz vor seinem Tod, wurde sein eingereichtes Werk für die Ausstellung des MOZ-Kunstpreises mit ausgesucht. Die Würdigung im Begleitkatalog erlebte Philipp Schack nicht mehr. Er kam am 16. September bei einem tragischen Unfall in Berlin ums Leben.

Seinen Nachlass verwalten Rose und Otto Schack in ihrem Haus in Ackermannshof. Etwa 50 Ölgemälde verwahren sie dort, Philipp Schacks gesamtes grafisches Werk. Wie viele Blätter es umfasst, kann Otto Schack nicht mit Sicherheit sagen. Nur soviel: Die Kulturwissenschaftler Thomas Kumlehn und Liane Burkhardt starteten als Erste die Initiative, eine Datenbank für private Nachlässe Brandenburger Künstler einzurichten. Der Anlass dafür war die Vorbereitung einer Ausstellung, bei der Kumlehn und Burkhardt zufällig und unvorbereitet auf den ersten Künstlernachlass in privater Hand stießen. Seit 2014 pflegten sie neun Nachlass- und Werkverzeichnisse in die Datenbank ein. Die Online-Präsentation soll vor allem für die Forschung genutzt werden, den Ausstellungsbetrieb und den Kunsthandel.

Philipp Schacks Arbeiten waren die ersten, die die Kulturwissenschaftler in Zusammenarbeit mit Rose und Otto Schack aufnahmen. Seine Datensammlung umfasst knapp 300 Werke. Schacks grafische Arbeiten sind noch nicht dazu gezählt. "Sein Jugendwerk auch noch nicht", fügt Otto Schack hinzu.

Immer wieder organisierte das Künstlerehepaar nach dem Tod des Sohnes Ausstellungen in seinem Haus aber auch in der renommierten Galerie Leo.Coppi in Berlin, die Philipp Schack schon vertrat, als er noch lebte. Seine Eltern sind stets auf der Suche nach weiteren Ausstellungsplätzen. Es gibt eine Internetseite, die an den Maler erinnert, seit dem vergangenen Jahr auch ein Philipp-Schack-Zentrum. Es befindet sich dort, wo sein Nachlass verwaltet wird: in Ackermannshof. "Sein Name und sein Werk sollen wach gehalten werden", sagt Otto Schack. Deshalb planen er und seine Frau weiter. Eine Stiftung wäre für sie die beste Lösung. Wie diese aussehen und gegründet werden kann, ist noch unklar. Fest steht, dass alte Gutshaus der Schacks soll als Kunstort der Öffentlichkeit erhalten bleiben. "Unser Sohn Jan ist damit einverstanden", versichert der Vater.

Die aktuelle Ausstellung in ihrem Haus zeigt anlässlich des zehnten Todesjahres von Philipp Schack sein umfangreiches Werk. Ein Jahr lang kann die Schau nach Anmeldung besichtigt werden. 2017 werden Philipp Schacks Gemälde, Lithografien, Siebdrucke und Plakate dann in Schwerin zu sehen sein. Er wäre nächstes Jahr 50 geworden.

Kontakt Rose und Otto Schack: Tel. 033451 60612

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