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Im Herzen ein Ostdeutscher

Leidenschaft für Musik und Filme: Jürgen Oxenknecht sammelt seit Jahren.
Leidenschaft für Musik und Filme: Jürgen Oxenknecht sammelt seit Jahren. © Foto: MOZ
Josephin Hartwig / 26.10.2016, 05:44 Uhr
Alt Rosenthal (MOZ) Die Gesichter des Oderlands - sie wohnen, leben, lieben und arbeiten hier. In einer MOZ-Serie stellt das Oderland Echo sie vor. Heute: Jürgen Oxenknecht aus Alt Rosenthal.

Einmal Yoko Ono die Hand schütteln, mit Pink Floyd einen Kaffee trinken oder mit der britischen Rockband Blur in einem Berliner Club tanzen. Was für die meisten Menschen ein Wunsch bleibt, war das tägliche Brot eines Alt Rosenthalers: Jürgen Oxenknecht, der heute in dem kleinen Dorf ein Supervisionsbüro betreibt, hat als Musikmanager viel erlebt, ist viel gereist, hat die großen Künstler dieser Zeit kennengelernt.

Vor fünf Jahren ist Oxenknecht nach Alt Rosenthal gezogen. Dass seine Heimat das Oderbruch geworden ist, überraschte die Familie des in Westdeutschland Geborenen nicht. Aufgewachsen ist er in Leverkusen. Doch Verwandte habe er immer im Osten - wie in Leipzig - gehabt, erzählt er. Die Ferien verbrachte Jürgen Oxenknecht gern bei der Familie, schmuggelte auch mal ein Micky-Maus-Heft zu den Cousins. "Andere flogen nach Mallorca, ich fuhr in die DDR. Das war auch sehr abenteuerlich", sagt Oxenknecht. Am stärksten sind dem heute 51-Jährigen die Gerüche in Erinnerung geblieben: Egal, wohin er kam, überall sei dasselbe Putzmittel benutzt worden. "In öffentlichen Einrichtungen war es ja immer diese eine Marke", weiß er. Auch wenn es ihn, wie viele junge Menschen, hinaus in die Welt zog, hätte er damals nicht in Richtung Osten gehen können. Zu groß seien die Zwänge gewesen, denen sich der rebellische Teenager hätte stellten müssen. Klar war ihm allerdings schon früh, dass er irgendwann nach Berlin gehen wolle. "Die Wendebrüche waren sehr aufregend. So etwas erlebt man normalerweise nicht", erzählt Jürgen Oxenknecht über die Anfänge.

In den 1990er Jahren ergab sich dann eher durch einen Zufall die Chance, bei der Firma Emi Electrola als Musikmanager zu arbeiten. Eine aufregende, aber auch zehrende Zeit für Jürgen Oxenknecht. Heute gehört der Konzern zum internationalen Musiklabel Universal, das weltweit einen der größten Anteile am Musikmarkt hat. In dieser Zeit lernte er viele Bands und Künstler kennen, war für die Vermittlung von Interviews und die Pressearbeit im Allgemeinen in Deutschland zuständig. Guildo Horn sei beispielsweise ein Sänger gewesen, mit dem sich Oxenknecht einige Male getroffen habe.

Auch wenn es eine tolle Zeit war, wollte der 51-Jährige letztlich doch etwas anderes tun. "Eine 60- bis 70-Stunden-Woche war normal. Man hat mit wichtigen Leuten zu tun, und das befriedigt natürlich auch die eigene Eitelkeit. Aber ich hatte einfach keine Lust mehr", erklärt er die Zeit des Umschwungs in der schnelllebigen Branche.

Nach einer Umschulung und Einarbeitungsphase begann der Alt Rosenthaler, als Familienhelfer zu arbeiten. Jugendliche und Familien werden bei diesem Beruf, der stark an die Sozialarbeit angelehnt ist, begleitet.

Dem Buddhismus fühlt sich Jürgen Oxenknecht nahe. Oft komme es in seinem Beruf als Familienhelfer, den er nach wie vor an einigen Tagen in der Woche ausübt, dass es viel Geduld und Gelassenheit braucht, um mit schwierigen Situationen umzugehen. "Einmal bin ich von einem Jugendlichen mit einem Messer bedroht worden, das war nicht lustig." Dennoch habe ihn die Mission, Menschen in Problemsituationen beratend zur Seite zu stehen, gepackt.

Die Idee, nach Alt Rosenthal zu ziehen und sich mit einem Büro für Supervisionen, eine lösungsorientierte Beratungsform für Gruppen oder einzelne Personen, selbstständig zu machen, entwickelte sich erst in den vergangenen zwei Jahren.

Schon vor zehn Jahren hatte Oxenknecht einen Garten in der Nähe von Müncheberg. Dort entdeckte er eine Leidenschaft für den Teichbau, die er auch auf seinem Alt Rosenthaler Grundstück fortsetzt.

"Erst habe ich die Menschen hier kennengelernt, dann wurde mir klar: Hier will ich leben", erzählt er. Als Jürgen Oxenknecht immer seltener in seiner Berliner Wohnung war, dafür immer öfter in seinem Garten, war die Zeit für einen großen Schritt gekommen: Der Umzug in ein abgelegenes Dorf im Oderland. Durch Besuche hatte er Alt Rosenthal schnell ins Auge gefasst.

Mittlerweile hat er zwölf Teiche, die ökologisch gebaut sind und von Regenwasser gespeist werden, auf seinem Grundstück angelegt. "Ich überlasse die Teiche eigentlich sich selbst. Tannenwedel ist für den Sauerstoff für die Goldfische wichtig, ansonsten setze ich Muscheln auf den Grund - die klären das Wasser", erklärt Oxenknecht. Das biologische Gleichgewicht komme ganz von allein, weiß er.

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