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Das von Hand aufgezogene Mehrower Fohlen erzielt bei internationaler Auktion grandiosen Betrag

Höchstpreis für Flaschenkind Konstantin

Hans Still / 26.10.2016, 06:15 Uhr
Mehrow (MOZ) Freud und Leid liegen manchmal dicht beieinander: So verlor das Trakehner-Fohlen Konstantin acht Wochen nach seiner Geburt die Mutter. Das Fohlen überlebte, weil die Züchter aus Mehrow es per Hand aufzogen. Nun erzielte es am Sonntag bei einer internationalen Auktion einen grandiosen Höchstpreis.

Das Telefon klingelt unentwegt, bei Ines Eisold aus Mehrow herrscht in diesen Tagen Ausnahmezustand. Freunde und Züchterkollegen rufen an, gratulieren und erkundigen sich staunend, ob sich wirklich alles so zugetragen hat, wie es sich in der Szene gerade rasend herum spricht. Der Anlass der Aufregung liegt nur drei Tage zurück: Am Sonntag sorgte das Trakehner-Fohlen Konstantin beim 54. Internationalen Trakehner Hengstmarkt in Neumünster für eine Sensation. "Das Fohlen erzielte bei dieser Auktion einen bislang nie dagewesenen Höchstpreis. Sogar der Hallenrekord für Fohlen wurde dabei geknackt." Bieter aus den USA, aus der Schweiz, natürlich auch aus Deutschland rissen sich um das Hengstfohlen. Zur konkreten Summe will sich die nunmehr erfolgreiche Züchterin nicht äußern, da sie über Geld nicht sprechen möchte. Aber sie ordnet das Verkaufsergebnis ein. Demnach zahlt der siegreiche Bieter wirklich das Fünffache dessen, was bei der Versteigerung 2015 für das beste Fohlen geboten wurde.Nun ist der Internationale Trakehner-Hengstmarkt nicht eine von vielen Veranstaltungen, dort treffen die deutschen Eliten aufeinander. Delegiert werden zu diesem Event in jeder Kategorie die zehn besten Trakehner Deutschlands. Für Ines Eisold, ihren Mann Reiner und Tochter Stefanie bedeutet die erste aktive Teilnahme als Züchter mittlerweile ein unvergessliches Erlebnis.

Dass liegt besonders an der Geschichte, die sich neben dem finanziellen Erfolg um Konstantin rankt. Zunächst ist sein Vater Millennium ein internationaler Top-Vererber, der mit sportlichem Erfolg überzeugt und beste Gene an seine Nachkommen weitergibt. Das Schicksal wollte es jedoch, dass Konstantin schon acht Wochen nach seiner Geburt am 26. April seine Mutter Kalinowska verlieren sollte. Sie starb an einer Magenverdrehung, die Ärzte konnten nichts mehr für sie tun. "Wir standen fassungslos davor. Konstantin nahm dann keine Flasche, es fand sich leider auch keine Ammenstute. Es blieb nur die Aufzucht per Hand."

Also gaben die Züchter dem Baby alle vier Stunden per Hand sein Fressen, schliefen zeitweise in der Box und brachten es über die schwierige Zeit. Noch dazu musste sich Konstantin in der Stutenherde der Eisolds mit den stutenbissigen Mädels auseinandersetzen. Ohne Mutter stand er allein in der Herde und lernte im besten Sinne sich zu behaupten. Aus ihm wurde ein großes und starkes Hengstfohlen.

Besonders seine Anlagen im Gangwerk sind so angelegt, dass Ines Eisold heute sicher ist, Konstantin kann seinen berühmten Vater eines Tages übertreffen. "So ein Fohlen kommt nur einmal im Jahrhundert zur Welt, das wird sich vermutlich nicht wiederholen", glaubt die Mehrowerin, die schon beim ersten Auslauf Konstantins auf der Koppel ahnte, der Junge könnte Großes erreichen. "Es wäre übertrieben zu sagen, ich wusste das gleich in diesem Umfang. Aber sein überragender Bewegungsdrang und die Bewegungsstärke, der Ausdruck, all das war schon zu erkennen."

Noch dazu zeigte sich das Fohlen in Neumünster mit einem bemerkenswerten Charakter. Konstantin war lieb und artig, umgänglich. "Auch am dritten Tag der Veranstaltung präsentierte er sich so frisch und konditionell stark, als wäre er gerade ausgeruht von der Weide gekommen." Zuchterfolge sind immer auch mit Glück verbunden, glaubt Ines Eisold. "Wenn andere unterm Weihnachtsbaum feiern, dann überlegen wir uns immer, welchen Deckhengst wir für unsere Stuten auswählen sollen. Und natürlich hoffen wir auf den großen Wurf", gestattet die Mehrowerin einen Blick ins Innenleben der Familie, die sich tatsächlich erst seit 2010 mit der Trakehnerzucht befasst.

Das Hofgut Rosenau der Familie Nolte in Dreieich setzte sich in Neumünster letztlich unter den Bietern durch, Konstantin steht jetzt bei Stendal mit anderen Hengstfohlen auf der Koppel. Sein Gangwerk prädestiniert ihn für den Sport und die Dressur. Dazu erwartet ihn möglicherweise eine Karriere als Top-Vererber. Einige Tage lang wird der Alltag der Eisolds noch auf dem Kopf stehen. Sogar ein wenig Wehmut macht sich bei der Frage breit, ob Konstantin nicht fehlt. "Als Züchter leben wir damit, dass die Fohlen uns verlassen. Wir wollen ja keine Tiere sammeln. Ich bin mir sicher, wir werden von Konstantin noch viel hören. Und wir können ihn ja auch besuchen", tröstet sich Ines Eisold.

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