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Bahn-Enthusiasten stemmen sich gegen Trend

Gastgeber hört interessiert zu: Ortsvorsteher Rüdiger Ungewiß (vorne links)
Gastgeber hört interessiert zu: Ortsvorsteher Rüdiger Ungewiß (vorne links) © Foto: MZV
Thomas Pilz / 31.10.2016, 22:02 Uhr
Dannenwalde (GZ) Der Ort in Oberhavel mit einem Umweltbahnhof wurde am Sonnabend zum Schauplatz einer spannenden Regionalkonferenz: Das Bündnis "Bahn in Brandenburg" kam zusammen und verabschiedete die sogenannten "Dannenwalder Erklärungen". Sie beziehen sich in erster Linie auf mangelndes Geschichtsbewusstsein, das korrigiert werden sollte.

Mitinitiator Klaus-Dieter Zentgraf erläuterte, weshalb gleich mehrere Erklärungen abgegeben wurden: weil die Themenvielfalt groß und die Dringlichkeit, mit ihnen in die Öffentlichkeit zu gehen, noch größer sei. Aufgeteilt wurden die Erklärungen folgerichtig in Thesen und Forderungen.

Für das Thesenpapier machte sich außer ihm der Verkehrsclub Deutschland stark, ebenso die Bundestagsfraktion der Linken, der Fuss e.V. Berlin, der Granseer Ortsteil Dannenwalde, das Projekt Enos (Erde, nachhaltige, optimierte Systeme) und der Dannenwalder Bahnhof e.V.

Beklagt wird in den Thesen vor allem, dass die Bahn als wichtiges zukunftsweisendes Verkehrsmittel in Brandenburg kaum noch politisch wahrgenommen werde, so Zentgraf. Abgesehen von einer Geschichtsvergessenheit bezüglich der Verkehrsgeschichte der Eisenbahn werde die Rolle und Aufgabe der Eisenbahn "sogar vergessen", eine "Kulturlandschaft Eisenbahn" werde ignoriert.

Dass die Bahn aber vor allem für eine moderne, nachhaltige Verkehrspolitik stehen kann, sei noch nicht ins Bewusstsein vieler politischer Akteure gedrungen. Zentgraf machte klar, dass es im Grunde hunderte notwendige Forderungen gebe, dies zu ändern, man beschränke sich aber lediglich auf zehn.

So möge unter anderem das Geschichtsbewusstsein in Bezug auf die Eisenbahn systematisch gepflegt werden. Auch mögen die zahlreichen Vereine oder ehrenamtlichen Gruppen, die sich für die Bahn als Verkehrsmittel einsetzen, von Land, Kreisen und Kommunen stärker unterstützt werden.

Martin Heiland, Experte für Infrastruktur-und Projektentwicklung, erläuterte aktuelle Beispiele, wie etwa der neue Entwurf des Bundesverkehrswegeplans Bahnprojekte berücksichtigt oder ignoriert. Ebenso ging er näher auf die brandenburgische Mobilitäts-Strategie 2030 ein, die nach Überzeugung der Bahn-Verfechter zu wenig für das alternative Verkehrsmittel unternimmt. Heiland erläuterte anhand von Beispielen "wie man Geschichte in die Zukunft kriegt". Als positives Beispiele nannte er den großen Rangier-Knotenpunkt Wustermark, die Hafen- und Bahnanlage in Wittenberge und vor allem den Bahn-Technologie-Campus Havelland - wo sich sogenannte "bahn-affine Unternehmen" ansiedelten. Dort werde geforscht und entstehe ein Wissenschaftsstandort. Heilands Fazit lautete: "Das Thema fliegt immer mehr aus den Köpfen raus".

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