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WSA macht klar Schiff am Finowkanal

Mit Hochdruck: Ein Mitarbeiter des WSA Eberswalde reinigt in der trockengelegten Schleuse Liepe die Tore sowie die Kammerwände. So kann der Prüfer Schäden besser erkennen und ihr Ausmaß einschätzen.
Mit Hochdruck: Ein Mitarbeiter des WSA Eberswalde reinigt in der trockengelegten Schleuse Liepe die Tore sowie die Kammerwände. So kann der Prüfer Schäden besser erkennen und ihr Ausmaß einschätzen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 02.11.2016, 06:44 Uhr
Liepe (MOZ) Die Schotten sind dicht. Die Saison ist vorüber am Finowkanal. An der Schleuse Liepe indes stehen die Tore weit offen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Eberswalde führt dort aktuell eine Inspektion durch. Reparaturen folgen.

Während Eberswaldes Bürgermeister gerade mit dem Bund zur Übernahme der Schleusen am Finowkanal verhandelt (am Dienstag gab es eine weitere Runde in Berlin), nimmt das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde vor Ort die Anlagen unter die Lupe. Es nutzt den Winter für Instandhaltung und -setzung. Denn: 2017 wird der Betrieb in jedem Fall noch nach dem alten, dem bisherigen Modell erfolgen. Eben in der Verantwortung des WSA. Und auch wenn die Zeichen auf Wechsel stehen und es voraussichtlich die letzte Saison fürs WSA wird, Abstriche am Wartungsprogramm gibt es nicht. Schließlich geht es um Sicherheitsfragen. Also gilt: The same procedure as every year, dieselbe Prozedur wie jedes Jahr. Prüfen, Schäden aufnehmen und Mängel beseitigen.

Zehn der zwölf Schleusen sind bekanntermaßen stark sanierungsbedürftig. Normalerweise, so erklärt WSA-Chef Peter Münch, sind Schleusen aller sechs Jahre einer großen, umfassenden Bauwerksprüfung mit Trockenlegung zu unterziehen. Aufgrund des Alters und des Zustands der Anlagen am Finowkanal "haben wir den Turnus schon verändert". Die Schleusen werden im dreijährlichen Rhythmus begutachtet. Und zwar auf Standsicherheit, Gebrauchstauglichkeit sowie Verkehrssicherheit. In diesem Winter sind die Schleusen Liepe, Stecher und Drahthammer dran. Liepe, eine der beiden Ein- bzw. Ausgangsschleusen macht den Anfang.

Die Schleuse unweit des Hebewerkes Niederfinow ist schon trockengelegt. Per Dammbalken. "Jetzt laufen die letzten Reinigungsarbeiten", erklärt Roman Giel, Leiter des Außenbezirks Finowfurt beim WSA. Sohle, Häupter, Kammerwände und Tore müssen sauber sein für die Inspektion. Der Prüfer wird diese Woche erwartet. Giel ahnt schon, welche Arbeiten auf seine Männer nach dem Check zukommen. "Sehen sie, die Schlagsäulen an den Toren, die sind verschlissen und zum Teil beschädigt - durch Biber. Die müssen komplett ausgetauscht werden", zeigt er auf die großen Dichthölzer. Die Tischler seien bereits bestellt. Am stärksten beansprucht bzw. belastet seien Bauwerksteile im sogenannten Wasserwechselbereich sowie im Strömungsbereich.

Der Prüfer erfasse alle Schäden in einem Bericht, dokumentiere den Zustand der Schleuse und erstelle eine Prioritätenliste. Größere Projekte müssten freilich geplant und vorbereitet werden, so Giel. Und am Ende gebe es eine Note. Zwischen eins und vier. Die Schleuse Liepe stehe bisher mit einer Note von 3,2 zu Buche. Damit sei diese Schleuse keineswegs die schlechteste, fügt Münch hinzu. Sorgenkinder seien jene Schleusen, deren Note tatsächlich bei vier liegt. Und das seien immerhin gleich drei: Grafenbrück, Heegermühle und Stecher. Letztere war zwar 2014/15 zum Teil instand gesetzt worden, dies habe aber wenig am Schadensbild insgesamt verändert oder gar zu einer Verbesserung geführt.

Was die Experten allerdings nicht verwundert. Die Schleusen am Finowkanal sind um 1874 errichtet worden. "Zwischen 1930 und 1932 wurden alle von Grund auf instand gesetzt. Im Fall Liepe war es genau 1930", weiß Giel. Seither habe es keine umfassende Sanierung mehr gegeben. Die Anlagen haben also mehr als 80 Jahre auf dem Buckel bzw. auf den Häuptern. Allein die Schleusen Schöpfurt und Eberswalde sind vor einigen Jahren neu aufgebaut worden.

Neben der Prüfung sind für den Winter 2016/17 Arbeiten an der Schleuse Kupferhammer geplant. Damit eben auch in der kommenden Saison der Schleusenbetrieb sicher und zuverlässig läuft und alles klappt. 2016 registrierte das WSA zwischen Ruhlsdorf und Liepe zirka 16 800 Fahrzeuge. "Das sind etwas mehr als im Vorjahr. Da lag die Summe unter 16 000", so Giel. Dank Schleusenregime überwinden die Paddel- und Motorboote einen Höhenunterschied von 36 Metern. In Liepe liege der Unterschied zwischen Ober- und Unterwasser bei 2,20 Meter. Weshalb die Kammerwände 5,50 Meter hoch sind. Ein mittlerer Wert, wie Giel sagt. Den "geringsten Unterschied gibt es in Ruhlsdorf mit 1,80 Meter. Den größten sozusagen in der Mitte an der Schleuse Kupferhammer mit 4,20 Meter." Im kommenden Jahr sei die Saisoneröffnung an Deutschlands ältester noch schiffbarer Wasserstraße für Gründonnerstag am 13. April geplant, so Giel. Bis dahin macht das WSA klar Schiff.

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