Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Überstunden fürs Pfefferkuchenhaus

Sie kriegen es gebacken: Bäcker Jens Wehrbein (links) und Bäckereichef Norbert Janke kreieren den leckeren Baustoff für große Kinder-Aktion zum Weihnachtsmarkt am Neuen Markt in Neuruppin.
Sie kriegen es gebacken: Bäcker Jens Wehrbein (links) und Bäckereichef Norbert Janke kreieren den leckeren Baustoff für große Kinder-Aktion zum Weihnachtsmarkt am Neuen Markt in Neuruppin. © Foto: MZV
Daniel Dzienian / 08.11.2016, 18:17 Uhr
Flecken Zechlin/Neuruppin (RA) Wie die Hexe aus "Hänsel und Gretel" das mit dem Bau des Pfefferkuchenhauses eigentlich technisch hinbekommen hat, ist ja nie so richtig geklärt worden. Fakt ist, die Veranstalter vom Neuruppiner Bilderbogen und die Bäckerei Janke in Flecken Zechlin versuchen das jetzt mal in echt.

Das Pfefferkuchenhaus soll der Hingucker beim Weihnachtsmarkt am Neuen Mark vom 8. bis 11. November sein. Es wird 2,80 Meter hoch, 2,50 Meter breit und zwei Meter lang. Den Neuruppiner Kindern wird die Aufgabe zuteil, die Wände aus Backwerk mit Zuckerguss, Gummibärchen und anderen Süßigkeiten zu garnieren.

Als Baumaterial braucht es dazu erst einmal 150 Pfefferkuchenplatten. Die wird Jens Wehrbein in den nächsten Tagen in der Backstube der traditionsreichen Landbäckerei zubereiten. Arbeitsbeginn ist für den Bäckermeister jeden Tag um 23 Uhr. Nach Feierabend um 8 Uhr wird er für die Aktion in den nächsten zehn Tagen jeweils eine Überstunde machen. Bäckerei-Chef Norbert Janke rechnet damit, dass 280 Kilogramm Teig verbraucht werden.

Eine Platte ist 60 Mal 40 Zentimeter groß und zirka 1,6 Kilogramm schwer. "Richtiger Pfefferkuchen wird steinhart", erklärt Janke. "Nicht wie dieses ganze Zeug aus den Supermärkten mit ihren Weichmachern." Die Pfefferkuchen in den Geschäften seien häufig mit Aromen versehen. Das originale Rezept sieht so aus: Roggen- und Weizenmehl werden mit aufgekochten Honig und Zuckerrübensirup verrührt. Die Mischung bleibt 24 Stunden lang stehen. Dann werden die Gewürze Anis, Zimt, Koriander, Pottasche und Hirschhornsalz dazugegeben. Anschließend quillt der Teig noch einmal eine Weile.

Am Ende seines Arbeitstags portioniert Bäcker Jens Wehrbein ziegelsteingroße Batzen, wiegt diese und rollt sie auf Blechen aus. Am Dienstag gab es die erste Charge. "Zuerst müssen Kuchen, Brote und Brötchen fertig sein", erklärt er. Denn Kuchen bäckt bei 180 Grad, Brot und Brötchen bei 280 bis 300 Grad. Die großen Öfen sind nicht so leicht runter zu regeln wie der haushaltsübliche. Die Pfefferkuchenbleche werden dann bei 260 Grad für 15 Minuten in den gewaltigen Hitzeschrank geschoben. Als Jens Wehrbein die ersten leckeren Bauplatten herausholt, duftet es herrlich würzig nach Weihnachten. Genau in dem Moment fängt es kurz an, über Flecken Zechlin zu schneien.

Bäckerei-Chef Janke findet die Aktion mit dem Weihnachtsmarkt toll. "Das ist etwas für die Menschen", sagt er. Sein 1949 gegründeter Traditionsbetrieb, den er vom Großvater und Vater übernahm, besteht seit Jahren gegen die schier übermächtige Konkurrenz der großen Bäckereiketten. Bei Janke sind derzeit 40 Mitarbeiter beschäftigt, darunter zehn Bäcker und 14 Konditoren. Im Gegensatz zur Brot- und Brötchenindustrie sehen die Produkte nicht immer haargenau gleich aus - sie wurden eben nicht von Maschinen gemacht.

Weil die Sicherheitsvorschriften in Grimms Märchen im Gegensatz zu heute deutlich lockerer gehandhabt wurden, wird das Haus nicht komplett essbar sein. Tischler Peter Lenz wird einen hölzernen Unterbau errichten. Das Haus muss begehbar sein und muss deshalb gewisse Anforderungen an die Statik haben.

Die duftenden Platten müssen nun richtig aushärten. "Sonst ziehen sie später Feuchtigkeit", erklärt Norbert Janke. "Wenn man einen Keks draußen liegen lässt, wird er feucht. Der Fachbegriff lautet, er wird hygroskopisch."

Das Pfefferkuchenhaus beim Weihnachtsmarkt wird übrigens aller Voraussicht nach mit einer Plane geschützt werden. Neuruppins Kinder sind aber herzlich zur Bastelstraße rund um die Hütte eingeladen - mit dem Unterschied, dass alle Materialien eben auch genascht werden können. Danach soll das leckere Hexenhäuschen laut Veranstalter Christian Juhre im Foyer des Hotels Resort Mark Brandenburg ausgestellt werden. Das Hotel beteiligt sich ebenfalls an dem Weihnachtsmarkt. Dort wird es nicht nur seinen wohligen Duft verbreiten. Die Neuruppiner Kinder können ihre Kreationen dort auch noch betrachten.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG