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Ein Liebhaberstück im Landhausstil

Unter Dach und Fach: Roswitha Ackermann vor ihrem Haus. Den Balkon hatte die Tante von Holger Ackermann, Frieda Lehmann, in den 1970er-Jahren schließen lassen. Er diente den Mietern der oberen Etage im Winter als Kühlschrank.
Unter Dach und Fach: Roswitha Ackermann vor ihrem Haus. Den Balkon hatte die Tante von Holger Ackermann, Frieda Lehmann, in den 1970er-Jahren schließen lassen. Er diente den Mietern der oberen Etage im Winter als Kühlschrank. © Foto: Elke Lang
Elke Lang / 13.11.2016, 06:48 Uhr
Groß Schauen (MOZ) Sie stehen nicht unter Denkmalschutz, werden aber von ihren Bewohnern in diesem Sinne erhalten: schöne alte Bauernhäuser. In einem solchen wohnen in Groß Schauen Roswitha und Holger Ackermann.

"Man muss es schon mögen, ein altes Haus, und Handwerker zu sein ist nicht von Nachteil", gibt Holger Ackermann zu. "Ein neues Haus wird gebaut und steht, ein altes ist eine ewige Baustelle." Über hundert Jahre alt ist das Haus von Roswitha und Holger Ackermann. Gebaut wurde es, laut Regionalhistoriker Erich Oehring, so wie andere Häuser in den Dörfern, aber auch zum Beispiel die alte Post in Storkow, von dem Architekten, Maurer und Zimmermann Johannes Brömmel (1858-1941). Sein Geschäftsmodell war, Grundstücke zu kaufen, darauf Villen im Landhausstil zu setzen und sie weiter zu veräußern, vor allem an Berliner als Sommersitz.

"Es sind keine Zweckbauten, sondern die Leute sollten sagen: Das gefällt mir, das kaufe ich", schildert der jetzige Hausherr die Idee. Merkmal dieses Stils ist eine Kombination aus gebranntem Ziegel, Fachwerk und Holzverkleidung. In der Regel gehörten ein überdachter Treppeneingang und ein offener Balkon dazu. Es gab im ganzen Haus nur drei Öfen, eine Herdstelle und einen Wasserhahn. Das Wasser musste im Keller per Hand hochgepumpt werden. Zur Toilette - besser: dem Plumpsklo - musste man in ein Nebengebäude, in dem sich auch die Waschküche befand, in die das Wasser von der Hofpumpe getragen werden musste. Auch Kleinvieh war in diesem Nebengebäude untergebracht. Auf dem Dachboden lagerten Heu und Stroh, die über eine Dachgaube hochgestakt wurden und durch eine Luke im Fußboden direkt in den Stall fiel.

Roswitha und Holger Ackermann sind beide "Dorfkinder", sie aus Philadelphia, er aus Wolzig. Das Haus in Groß Schauen haben sie 1986 von Holger Ackermanns Tante Frieda Lehmann gekauft. Bis in die späten 1980er-Jahre hinein waren die oberen drei Räume vermietet. In einem Raum davon waren auf drei mal vier Quadratmetern vier Kinder untergebracht. Aber den Ackermanns ging es unten nicht viel besser. Sie bewohnten zwei Zimmer. "Tochter Teresa ist in der Küche groß geworden, sie ist unser Küchenkind", denkt der Vater lachend zurück. "Sohn Tilo hat bei uns geschlafen." Die erste Aktion im eigenen Haus war, einen Graben für die Trinkwasserleitung auszuheben. Dann wurden die alten Öfen rausgerissen, und eine Zentralheizung installiert. 1991 erfolgte die Umstellung von Kohle auf Öl, und seit 2000 hat das Haus eine ökologisch bessere Öl-Holz-Heizung. Auch die Fenster mussten erneuert werden. Als Bau- und Möbeltischler hat sie Holger Ackermann noch vor 1989 alle selbst in den Originalmaßen mit doppelter Verglasung und Oberlicht, Pfosten und Kämpfern gebaut. Küche und Bad sind modernisiert, und das Nebengebäude dient nun als Lager für die Gerätschaften, die er zur Haltung seiner 23 Bienenvölker benötigt. Und so, wie auf dem Lande üblich, hält Holger Ackermann ein paar Hühner, Gänse und Schafe.

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