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Bernauer Bier schweißt zusammen

Carsten Schmidt und Frank Barthelmann zapfen Helles für Genossenschaftsmitglied Carmen Munsch
Carsten Schmidt und Frank Barthelmann zapfen Helles für Genossenschaftsmitglied Carmen Munsch © Foto: Lutz Weigelt
Sabine Rakitin / 21.11.2016, 20:00 Uhr
Börnicke (MOZ) Zu ihrer ersten Mitglieder-Vollversammlung hat die "Erste Bernauer Braugenossenschaft" am Sonnabend auf den Gutshof Börnicke gerufen. Dort, in der alten Brennerei, will sie in naher Zukunft auch echtes Bernauer Bier brauen.

"Ein Bier geht um die Welt, ein Bier, das mir gefällt, und es wird nie versiegen..." prophezeit der Mann am Keyboard trällernd, fordert dann "Bier her, Bier her oder ich fall um!", um schließlich irgendwann zu schlussfolgern "Ja, ja das Bier aus Bernau, das trink, und Du weißt genau, das Herz vor Freude springt..." Ralf Ehrlich trifft vielleicht nicht jeden Ton, aber durchaus den Geschmack der Bernauer Braugenossen. Und nachdem der frühere Musikproduzent auch noch sechs selbst aufgenommene Werbesports zum Bernauer Bier vorgespielt hat - einer verheißt Sexappeal, einer kommt wie aus den 1950er Jahren daher und die anderen suggerieren, Bier sei ausschließlich etwas für "harte Kerle" - ist ihm der herzliche Applaus der mehr als 70 Braugenossen im Speicher auf dem Gutshof sicher. "Wenn wir so gut Bier brauen, wie Sie die Bonbons verpacken, kann nichts schief gehen", bekommt Ehrlich von Torsten Rexin bescheinigt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende hat den Part des Versammlungsleiters übernommen. Er und Vorstandsvorsitzender Frank Dietrich klären die Mitglieder über den Stand der Dinge auf.

Seit der Gründung der Genossenschaft am 23. Mai hat diese mit Stand vom Sonnabend 265 Mitglieder, die insgesamt 966 Genossenschaftsanteile zu je 50 Euro erworben haben. Langfristiges Ziel sei, 1000 Mitglieder zu werben, erklärt Torsten Rexin.

Eine wirksame Genossenschaftsgründung ist in Deutschland nicht einfach und dauert ihre Zeit. Beitritt zum und Genehmigung durch den Prüfverband waren die Voraussetzungen für den Notartermin. Inzwischen ist die "Erste Bernauer Braugenossenschaft" auch beim Amtsgericht Frankfurt (Oder) registriert.

Parallel dazu begaben sich die Herren der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates auf Standortsuche für die Brauerei. Nach mehreren Objektbesichtigungen, auch in der Bernauer Innenstadt, legten sie sich auf die alte Brennerei auf dem Gutshof in Börnicke fest. "Zurzeit befinden wir uns in Vertragsverhandlungen mit der Stadt", sagt Frank Dietrich. "Es sieht alles sehr gut aus." Überhaupt schlage der Genossenschaft von allen Seiten nur Wohlwollen entgegen.

Auch die ersten vier Testsorten - ein Dunkles, ein Helles, ein Weizenbier und "Pale Ale" (aus hellem Malz hergestellt) - wurden in einer Leihbrauerei gebraut und zu verschiedenen Anlässen, beispielsweise beim Tag der Vereine, als Kostproben verteilt. "Manche sagen ja, Bernauer Bier muss dunkel sein", plaudert Frank Dietrich. "Vom dunklen Bier aber war am meisten übrig", klärt er die Braugenossen auf.

Seit Anfang November sind 2000 Liter helles "Kantorbier" in der Süßmostkellerei Neumann eingelagert - eine Referenz an die Genossenschaftsmitglieder. Sie können das Bier käuflich erwerben - "aber nur kastenweise, sonst ist der Aufwand zu hoch", sagt der Vorstandsvorsitzende.

Der Businessplan der Genossenschaft ist fertig. Er geht für die Brauerei von einer Investitionssumme in Höhe von 400 000 bis 450000 Euro netto über drei Jahre aus. "Wir sind bemüht, Fördermittel einzuwerben", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Rexin. Entsprechende Vorgespräche hätten bereits stattgefunden. Die Zukunftsagentur Brandenburg halte maximal eine 40-prozentige Förderung für möglich. Nach dem Beginn der Bierproduktion könnten auch Zuschüsse zu den Personalkosten beantragt werden. "Wir wollen mit der Produktion von 175000 bis 200000 Litern Bier an den Start gehen. Mit dieser Kalkulation wären wir in der Lage, die Brauerei nachhaltig zu betreiben", erklärt er. "Wir hoffen natürlich auf Eigenkapital, dass die Mitglieder zur Verfügung stellen." Je höher dies sei, desto weniger müsse man bei der Bank holen. "Wir haben sehr viel Vertrauen in die Kraft der Gemeinschaft und das wird das Projekt zum Erfolg führen", ist Rexin sicher.

Widerspruch kommt von den Versammelten nicht, statt dessen eine Reihe von Hilfsangeboten. Und schließlich tun die Braugenossen auch noch etwas für ihren guten Ruf: Sie wählen drei Frauen in den Aufsichtsrat.

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