Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Günter de Bruyn: Garlitz war erste berufliche Station

Ortsvorsteherin Gudrun Lewwe und der damalige Schüler Karl-Heinz Dieckmann erinnern sich gemeinsam an die Zeit mit Günter de Bruyn.
Ortsvorsteherin Gudrun Lewwe und der damalige Schüler Karl-Heinz Dieckmann erinnern sich gemeinsam an die Zeit mit Günter de Bruyn. © Foto: weber
Simone Weber / 25.11.2016, 11:34 Uhr
Garlitz (MOZ) Vor 70 Jahren war Garlitz die erste berufliche Station des bekannten Autors Günter de Bruyn. Nach seiner halbjährigen Ausbildung in Potsdam kam der 19-jährige Berliner noch im gleichen Jahr, 1946, als Neulehrer ins Dorf. Es hatte damals in der Dorfstraße zwei kleine Volksschulgebäude. Neben einem älteren Lehrer, der wegen NSDAP-Mitgliedschaft entlassen werden sollte, und einem Neulehrer unterrichtete Günter de Bruyn dort bis 1949.

Der junge Mann hatte keinen besonderen sozialen und pädagogischen Ehrgeiz, wie de Bruyn in seinen Erinnerungen "Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin" (1992) selbst schrieb. Er hoffte auf Zeit zum Lesen und Schreiben, seinen eigentlichen Interessen. Auch interessierten ihn die havelländischen Herrensitze und die Luch-Landschaft.

"Zunächst wurde de Bruyn in einer Kammer bei Frau Ost, der Haushälterin des Bürgermeisters Paul Brösicke, untergebracht. Mutter Ost hoffte auf eine gute Partie für ihre gleich alte Tochter Lonny", erinnern sich Karl-Heinz Dieckmann und Ortsvorsteherin Gudrun Lewwe gemeinsam beim Betrachten alter Fotos. "De Bruyn hatte aber kein Interesse an Lonny und musste so ausziehen und kam im ehemaligen Ziegenstall von Hilde Kühn unter. Tochter Jutta gefiel ihm mehr. Um die Lehrerwohnung im Schulgebäude zu erhalten, heirateten beide um 1948."

Dieckmann, Jahrgang 1938, besuchte 1945 bis 1953 die Volksschule in"Das Verhältnis mit den älteren Lehrern war schwierig und von großem Respekt geprägt", erinnert sich de Bruyns ehemaliger Schüler. "Mit den Neulehrern wie de Bruyn hatte man ein besseres Verhältnis. Er war anerkannt und beliebt."

Neben Dieckmann leben heute mit Gerda Vollmann (geborene Baumgardt), Ingeborg Zimmermann (geborene Müller) und Christa Krause (geborene Jakob) noch drei weitere ehemalige Schüler inSie freuten sich besonders, als der 2004 gegründete Heimatkulturverein Garlitz den inzwischen bekannten und vielfach geehrten Autor de Bruyn 2005 noch einmal zu sich einlud. "Das halbe Dorf war auf den Beinen und begrüßte de Bruyn, für den Michael Duhr mit seinem Forstbetrieb eine alte Schulbank aufgestellt hatte, begleitete ihn beim Dorfrundgang und besuchte seine Lesung in der Kirche", schildert Gudrun Lewwe, noch heute sichtlich bewegt. Bei seinem Besuch am 28. August 2005 in dem "Dorf im Westhavelland mit dem spitzen Kirchturm, der im flachen Land schon kilometerweit sichtbar war", wie de Bruyn in "Zwischenbilanz" schrieb, begleitete ihn sein Sohn Wolfgang, selbst Schriftsteller und Leiter des Kleist-Museums in Frankfurt/Oder. Während Günter de Bruyn nach der kurzen Ehe mit Jutta Kühn alle Verbindungen nach Garlitz abbrach, besuchte Sohn Wolfgang seine Großeltern Hilde und Arthur Kühn noch viele Jahre in den Sommerferien.

Zu seinem zehnjährigen Bestehen trug der Heimatkulturverein viele Foto-Erinnerungen aus dem Dorf zusammen. Ein Exemplar dieses Buchs schickte Gudrun Lewwe Günter de Bruyn zu seinem 90. Geburtstag am 1. November. Wenige Tage später kam eine Antwortkarte: "Herzlichen Dank für ihre Geburtstagsgrüße und den wunderbaren Foto-Band - eine Kostbarkeit für mich." Günter de Bruyn war zwischen 1949 und 1953 als Bibliothekar und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentralinstituts für Bibliothekswesen in Berlin tätig. 1960 veröffentlichte der seinen ersten Roman.

In "Hochzeit in Weltzow" schrieb de Bruyn über seine eigene Hochzeit und seine Erlebnisse inSeit 1961 ist Günter de Bruyn, der noch heute schriftstellerisch aktiv ist, als freier Schriftsteller tätig und lebt seit 1968 in der ehemaligen Blabberschäferei in Blabber, einem Ortsteil der Gemeinde Tauche im Landkreis Oder-Spree.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG