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Görlsdorfer reißen Dämme ein

Verstopft: Görlsdorfs Fließ ist vom Biber in Beschlag genommen. Ortsvorsteherin Christine Schlicht schaut es sich an.
Verstopft: Görlsdorfs Fließ ist vom Biber in Beschlag genommen. Ortsvorsteherin Christine Schlicht schaut es sich an. © Foto: MOZ/Josephin Hartwig
Josephin Hartwig / 28.11.2016, 19:20 Uhr
Görlsdorf (MOZ) Die vollständige Entnahme der Biberdämme am Inselteich und Fließ in Görlsdorf durch Anwohner ist von der Unteren Naturschutzbehörde genehmigt worden. Das ist nur möglich, wenn eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen und die öffentliche Sicherheit besteht.

"Der ganze Dreck liegt hier überall rum und es ist vergebens, die Äste wegzuräumen", sagt Görlsdorfs Ortsvorsteherin Christine Schlicht. Der Biber hat in dem Dorf in diesem Jahr so viel Schaden angerichtet, wie noch nie.

An einigen Stellen haben die Anbwohner bereits versucht, das Fließ vor einer Überschwemmung zu schützen. "Da ist ein Damm ausgehoben worden", erklärt die Ortsvorsteherin. Am Inselteich ist der Abfluss in Richtung Fließ inzwischen so verstopft, dass dort gar kein Wasser mehr durch kommt. "Dort müsste ein Bagger ran, denn wir kriegen das Laub und die Äste nicht mehr allein raus", sagt Christine Schlicht.

Am 6. September war der Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung vom Amt Seelow-Land an die Untere Naturschutzbehörde gestellt worden, dass die Dorfbewohner selbst Dämme entfernen dürfen. "Es hat viel zu lange gedauert, bis die Bestätigung kam. Der Schaden ist inzwischen katastrophal", sagt Christine Schlicht. Das Fließ ist die einzige Möglichkeit für die Feuerwehr, bei einem Brand schnell an Löschwasser zu kommen. Werden die Dämme nicht beseitigt, kommt es zu einer Austrocknung des Fließes, was zu einem großen Problem für die Feuerwehr werden kann.

Zu einer Beratung über die aktuelle Situation haben sich am Montagvormittag die Verantwortlichen aus dem Amt Seelow-Land und dem Gewässer- und Deichverband Oderbruch (Gedo) getroffen. Den ordnungsgemäßen Abfluss zu sichern, gehört zu den Pflichtaufgaben des Gedo. Seine Biberbeauftragte Antje Reetz sucht nach einer Lösung für das Problem in Görlsdorf. "Es gibt eigentlich täglich den Bedarf, den Durchfluss der Dämme zu kontrollieren. Aber das kann der Gedo nicht leisten. Zwei Mal in der Woche können Kontrollen höchstens stattfinden", erklärt sie. In Görlsdorf gehe es auch um die Gefahrenvermeidung, wie etwa bei starken Niederschlägen. "Auch Rohre sind nicht wartungsfrei, deshalb ist die Anbringung nicht immer die beste Lösung. Auch die müssen bei einer Verstopfung von Ästen, Schlamm und Laub befreit werden", sagt Antje Reetz. Bei einer bestimmten Menge würden Rohre einfach nicht ausreichen. "Die Unterstützung durch das Amt und auch durch die Görlsdorfer ist bei dieser Lage im Dorf sehr wichtig", so die Biberbeauftragte. Doch nicht alle Anwohner dürfen - trotz Ausnahmegenehmigung- jetzt einfach mit anpacken. "Im Amt wird die Einweisung bestimmter Görlsdorfer gemacht", erklärt Andreas Fischer, zuständiger Sachbearbeiter für Arten- und Biotopschutz. Die Schulung sei wichtig, denn mit der Genehmigung seien Auflagen verbunden. Wie die genaue Dokumentation der Arbeiten an den Dämmen. "Oberstes Ziel ist es, die Ortslage vor einer Überschwemmung zu schützen. Aber man braucht einen langen Atem. Manche Biber lassen sich zügiger vergrämen, andere sind hartnäckiger", weiß er. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist eine Ausnahmegenehmigung nur dann zulässig, wenn dadurch erhebliche wirtschaftliche Schäden verhindert werden. "In Görlsdorf ist das der Fall. Es gibt keine baulichen Alternativen. Das Anbringen einer Drainage wäre in diesem Dorf nicht zielführend", erklärt Fischer. Bewohnte Biberröhren dürfen zwar verschlossen werden, allerdings muss vorher sicher gestellt werden, dass sich kein Tier mehr darin befindet.

Das sogenannte "Grämen von Bibern" ist landesrechtlich in der Biberverordnung geregelt. Demnach darf ein Damm nur beseitigt werden, um bewohnte Biberburgen als Fortpflanzungs- oder Ruhestätten unbrauchbar zu machen. Margrit Jacksch, die zuständige Mitarbeiterin des Amtes, ist derzeit noch damit beschäftigt, die Aufgaben zusammen zu fassen und die Erledigung zu organisieren. "Einige Arbeiten sind nur noch bis zum 15. März zulässig, danach stehen die Biberbauten wieder unter Schutz", erklärt sie.

Infos unter: www.bravors.brandenburg.de

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