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Ein Italiener an der Wiege Preußens

Der beste Platz am Tresen: Giuseppe Angelo Nicotra und seine Frau Angelika bringen derzeit das Hakenberger Gasthaus auf Vordermann.Sie werden künftig nicht nur für ihre Gäste da sein, sondern auch selbst in das Dorf ziehen.
Der beste Platz am Tresen: Giuseppe Angelo Nicotra und seine Frau Angelika bringen derzeit das Hakenberger Gasthaus auf Vordermann.Sie werden künftig nicht nur für ihre Gäste da sein, sondern auch selbst in das Dorf ziehen. © Foto: MZV
Markus Kluge / 07.12.2016, 18:40 Uhr
Hakenberg (RA) Bei loderndem Kaminfeuer trocknet im einstigen Hakenberger Gasthaus "Zum Kurfürsteneck" derzeit die Farbe an Türen und Wänden. Seit acht Monaten bringen Giuseppe Angelo Nicotra und seine Frau Angelika das Haus wieder auf Vordermann. Die erste Party im neuen "Café Hakenberg" soll schließlich in der Silvesternacht steigen.

In das Dorf und das markante Eckhaus hat sich das Paar vor mehr als einem Jahr sofort verliebt. Lange Zeit stand das Objekt leer und über ein Inserat war Giuseppe Angelo Nicotra auf die Immobilie aufmerksam geworden. Hakenberg sagte ihm bis dahin wenig. "Bis nach Kremmen ins Scheunenviertel bin ich ein paar Mal mit dem Motorrad gefahren. Aber das wird auch schnell langweilig", so der 57-jährige Gastronom, der schon lange vor den Toren Berlins auf der Suche nach einer neuen Herausforderung war.

Obwohl der Zustand des Hauses bei der ersten Besichtigung nicht der allerbeste war, war für den Berliner klar, dass er es haben will - nicht nur als Gasthaus, sondern auch als neuen Lebensmittelpunkt. "Ich bin Gastronom und habe das Potenzial gesehen: hier ist eine Küche und ein Tresen drin, wir haben hier viel Platz und einen großen Hof", so Giuseppe Angelo Nicotra, der aktuell mit seiner Frau noch in Schildow in Oberhavel gemeldet ist. "Aber wir ziehen schon jeden Tag Stück für Stück um."

Anstelle von Kochschürze oder Tablett trägt der 57-Jährige nun Arbeitskluft und Handschuhe. Anstatt voller Teller und Krüge schleppt er derzeit Laminat und Werkzeug. Seine Arbeit sowie die seiner Helfer trägt bereits Früchte: Die Wände sind frisch gemalert und der wellig alte Boden ist durch einen neuen Belag ersetzt worden. Im Saal, der künftig für Feste und Familienfeiern zur Verfügung stehen wird, knistert das Holz im Kamin und sorgt somit schon heute für Gemütlichkeit und viel Wärme.

In Hakenberg hat das Paar viel vor, will aber auch nichts überstürzen. Die Gastronomie ist für beide nicht neu. Beide betreiben bereits in Berlin an der Wollankstraße mit der "Weinstube" eine Eckkneipe, in der Wein und Bier ausgeschenkt wird. Giuseppe Angelo Nicotra ist an der Wollankstraße quasi in einem Restaurant aufgewachsen. Sein Vater war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft geraten und dann aber in der Stadt hängen geblieben. "Er eröffnete 1945 das erste italienische Restaurant in Berlin", so Nicotra. Pizza habe es seinerzeit schon gegeben, aber eben noch kein richtiges italienisches Lokal, wie es sein Vater damals aufbaute. "Er musste am Anfang viel improvisieren, weil es noch nicht alle Zutaten gab", so der 57-Jährige. Bekannt wurde das Lokal als "Bei Alfio" - dort, wo Kellner elegant im Frack bedienten und eine Kapelle für Stimmung sorgte. 1961 wurde vor der Tür des Restaurants die Berliner Mauer errichtet.

Giuseppe Angelo Nicotra trat aber nicht sofort in die Fußstapfen des Vaters. Er war unter anderem als Handwerker tätig und kam durch Bekannte auch zum Fernsehen - als Honorar-Stuntman für die Berliner Serie "Wolffs Revier". "Auf so etwas bewerben sich vielleicht 1000Leute, aber wenn man die richtigen Leute kennt...", sagt der Berliner und schmunzelt. Anfangs habe er als Blocker auf dem Motorrad nur dafür gesorgt, dass beim Filmdreh auf der Straße kein anderes Auto dem Drehort zu nahe kommt. Später ging es dann auch mal mit ein wenig mehr Action zur Sache. "Aber das waren nur Kleinigkeiten", sagt der Berliner, der in Hakenberg an der Wiege Preußens angekommen ist und dorthin etwas italienisches Flair mitbringen wird.

Obwohl der Name des Gasthauses "Zum Kurfürsteneck" an den Feldherren Friedrich Wilhelm (1620 bis 1688) erinnert, der 1675 in der Schlacht bei Hakenberg mit seinen brandenburgischen Truppen die Schweden in die Flucht schlug, soll diese Bezeichnung nun auch Geschichte sein. "Zum Kurfürsteneck" klingt nach dem Dafürhalten der Gastronomen zu sehr nach Eisbein, Kassler und deutscher Küche, die nicht mehr unbedingt jeden Gast anspricht. Als "Café Hakenberg" soll das Eckhaus künftig vor allem in den Sommermonaten Gäste einladen - zu Pasta, Salaten, Kaffee, Kuchen oder eben auf ein Bierchen - drinnen oder auf dem Hof, der noch gestaltet werden muss. Etwas Arbeit wird Nicotra auch noch in die Kegelbahn stecken müssen. Diese soll in Zukunft wieder jedem zur Verfügung stehen. "Sie funktioniert sogar noch", sagt er stolz. Einziges Problem: Über Jahre war die Heizung in dem Raum ausgefallen, so dass diese noch ersetzt und die Halle ebenfalls erneuert werden muss, bevor die ersten Holz fallen.

Werbung hat der Unternehmer für sein Café schon gemacht - vor allem dort, wo sich die Motorrad-Fahrer treffen. Schließlich weiß er als Harley-Fan selbst am besten, wie wichtig es ist, in den Sommermonaten ein gutes Ziel für einen Ausflug auf der Maschine zu haben. Hakenberg sei für die Berliner und Brandenburger Biker ideal, findet der 57-Jährige.

Bevor es im Frühling richtig los geht, soll schon in diesem Jahr im neuen "Café Hakenberg" gefeiert werden - in der Silvesternacht. Mit Musik, Sekt, Pfannkuchen und allem Drum und Dran.

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