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Schlachttisch am See

Martin Latendorf, seit zwei Jahren der Fischer von Brodowin, setzt für den Fischereibetrieb unter anderem auf den Zander.
Martin Latendorf, seit zwei Jahren der Fischer von Brodowin, setzt für den Fischereibetrieb unter anderem auf den Zander. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Ellen Werner / 16.12.2016, 07:45 Uhr
Brodowin (MOZ) Ein paar Hechte und Zander werden vor Weihnachten wohl noch über den Ladentisch gehen. Zur Zeit macht Fischer Martin Latendorf seinen Betrieb aber winterfest. Vor zwei Jahren übernahm er die Brodowiner Seen. In ein paar Jahren will der Tischler ganz von der Fischerei leben.

Über den See schlagen empfindlich kühle Windstöße. Feuchte Kälte kriecht an dem Dezembertag selbst unter dicke Kleiderschichten. Martin Latendorf macht das wenig aus. Als Fischer ist er Wind und Wetter gewohnt. Fürs Foto holt der 47-Jährige mit geübtem Griff einen Zander aus dem Kescher. Der Fisch zappelt ein paar Sekunden über dem Schlachttisch. Danach darf er zurück in den Behälter im Weißen See - noch ist er ja nicht verkauft.

Auf den Feinfisch setzt Latendorf ganz besonders, wenn er an die Zukunft denkt. "Der Weiße See ist ein Gewässer, das ich auf Zander aufbaue", sagt er. Ein bisschen trübe, ein bisschen kiesig ist der See, ganz wie es dem Fisch behagt. "Dieses Jahr habe ich 20 000 kleine Zander eingesetzt", erklärt der Blumberger, der in Brodowin ein Haus gebaut hat. Im unteren Geschoss in der Dorfstraße 52a hat er seine Verpackungsstrecke und sein Fischgeschäft untergebracht. Im Moment sind die Edelstahltische dort blitzblank. Die Reusen sind eingeholt und hängen unterm Hofdach. Martin Latendorf macht die Fischerei winterfest. "Von Weihnachten bis März ist der Betrieb komplett dicht."

Ohnehin sind die Öffnungszeiten noch nicht allzu umfangreich. 2014 übernahm Latendorf den Betrieb von Hartmut Michel, der ihn seit der Wende innehatte. Ein Jahr lang bewirtschafteten sie die Brodowiner Seen gemeinsam. Seit anderthalb Jahren ist Martin Latendorf der alleinige Fischer von Brodowin, wenn auch in Teilzeit. "Donnerstag, Freitag, Sonnabend bin ich draußen", sagt er. "Freitagabend wird geräuchert - Aal, Schlei, und, wenn ich welchen habe, Barsch." Von 16 bis 18 Uhr sei der Laden freitags geöffnet.

Von Montag bis Mittwoch arbeitet der selbstständige Tischler, der seinen Lebensmittelpunkt erst nach Brodowin verlegen will, wenn der 21-jährige Sohn und die 17-jährige Tochter mal aus dem Haus sind, dagegen für ein Küchenstudio in Berlin. Als Fischer hat der gebürtige Berliner sein Handwerk aber ebenfalls von der Pike auf gelernt. Zur Lehre zog er damals an die Müritz, arbeitete dort noch als Jungfacharbeiter. Nach der Armeezeit, die er freiwillig antrat, wollte er ursprünglich noch ein Fischerei-Studium antreten. Mit der Wende war das jedoch passé. "Außerdem hatte ich dann eine junge Familie", erzählt Latendorf. Er sattelte um und lernte Tischler. "Das lief auch nicht schlecht. Aber die Liebe zur Fischerei ist geblieben." Michels Ruhestand war schließlich die Gelegenheit, in den Beruf zurückzukehren - zumindest nach und nach.

Vorläufig investiert er aus den Küchenerlösen in die Fischerei. Und da ist noch einiges nötig. Das alte Reusenleitnetz beispielsweise, das in der Garage zum Flicken aufgehängt ist, wird er wohl in diesem Winter zum letzten Mal reparieren. "Ich bin dabei, alles zu erneuern", sagt er.

Einen Hänger mit Lebendfischbehältern hat er gebraucht in Bayern gekauft. Ein Boot ließ Latendorf an der Müritz bauen, zwei weitere Boote sollen folgen. Pro See will er ein Boot an Angler vermieten, jeweils in Kombination mit dem Verkauf von Angelkarten. Zur Zeit bringen die Angler dem Fischereibetrieb etwa die Hälfte seiner Erlöse ein. Die andere Hälfte komme aus dem Fischverkauf, so Latendorf.

Beides reicht, wie für die meisten Fischer in Deutschland, mittelfristig erst einmal nur für den Nebenerwerb. "Zander, Aal, Maräne - die Fische, die Geld bringen, fehlen." Um sie heranzuziehen, braucht es einen langen Atem. Kleine Aale etwa hat er vor vier Jahren eingesetzt. Bis sie fangfertig sind, brauchen sie jedoch noch drei bis vier Jahre.

"Im Großen und Ganzen fehlt mir aber die Wasserfläche", sagt er. Nur einen Teil der Pachtverträge habe er übernehmen können. Im Moment bewirtschaftet Latendorf neben dem Weißen See den Brodowinsee, den Wesensee, den Pehlitzsee, die Prottenlanke und demnächst den Plunzsee. Alles zusammen etwa 150 Hektar. "Man sagt, 250 Hektar braucht ein Fischer, um davon leben zu können."

Er hofft, dass der Rosinsee wieder hinzukommt. Während viele Binnenfischer sich mit dem Verkauf von Meeresfisch wie Heilbutt oder Rotbarsch über Wasser halten, hat Martin Latendorf vor, die Fischerei komplett regional aufzubauen. "Deshalb bin ich ganz scharf auf den Rosinsee."

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