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Kampfsport als Perspektive

Erfolgreich: Abdulrahman Sammar kam vor einem Jahr als Flüchtling nach Kienbaum. Jetzt hat der Syrer sein Taekwondo-Training wieder aufgenommen. Michael Schweer de Bailly aus Kagel stellte den Kontakt zu einem Berliner Verein her.
Erfolgreich: Abdulrahman Sammar kam vor einem Jahr als Flüchtling nach Kienbaum. Jetzt hat der Syrer sein Taekwondo-Training wieder aufgenommen. Michael Schweer de Bailly aus Kagel stellte den Kontakt zu einem Berliner Verein her. © Foto: MOZ/Manja Wilde
Manja Wilde / 17.12.2016, 19:01 Uhr
Kienbaum (MOZ) Abduhlrahman Sammar liebt Taekwondo. Seit 14 Jahren übt der 24-Jährige den Kampfsport aus. Erst in seiner Heimat Syrien, dann in Kienbaum. Jetzt trainiert er als Bundesfreiwilliger Kinder und Jugendliche in Berlin, gewann selbst in Deutschland schon mehrere Preise.

Ein Tisch, ein Bett, ein kleiner Schrank - das Zimmer von Abdulrahman Sammar ist einfach eingerichtet. Seit etwa einem Jahr wohnt der 24-Jährige mit zwei jungen Männern in einer Wohnung in den Kienbaumer Blocks. "Was möchtest Du trinken?", fragt er Besucher höflich. Auch sonst kann er sich auf Deutsch verständigen.

Seit einiger Zeit ist sein Tagesablauf ziemlich ausgefüllt. Deutschkurse am Vormittag in Erkner, Taekwondo-Training am Nachmittag in Berlin Marzahn, manchmal Wettkämpfe. Von den Berliner Einzelmeisterschaften brachte er einen goldenen Pokal mit nach Hause, von den Offenen Ostdeutschen Meisterschaften in Schönebeck ebenfalls die Goldmedaille, bei den Internationalen Berlin Open im Mai war es nur ein dritter Platz. Sammar verzieht das Gesicht, seine damalige Leistung stellt ihn nicht zufrieden. Er ist ehrgeizig, trainiert gern - und nimmt dafür einiges in kauf.

Dreimal in der Woche fährt Sammar zum Verein Pyongwon Marzahn. Zwei Stunden dauert die Anreise: Mit dem Fahrrad nach Hangelsberg, von dort mit dem Regionalexpress nach Erkner, weiter mit der S-Bahn nach Köpenick und schließlich noch ein Stück mit dem Bus. In den Räumen des Vereins wird er von Großmeister und Vereinspräsident Fred Gierschner unterrichtet. Zudem trainiert Sammar dort Kinder und Jugendliche. Zunächst im Ehrenamt, jetzt im Bundesfreiwilligendienst. "Die sprechen alle langsam Deutsch, das funktioniert", sagt er. 175 Euro zahlt der Landessportbund ihm im Monat. Sammar strahlt. "Ich kann ein bisschen Geld verdienen", sagt er stolz. Aber das Geld ist nicht die Hauptsache. Die Deutsche Taekwondo Union hat seine Graduierung, den ersten Dan, anerkannt. Jetzt kann der Syrer, der in seiner Heimat Sport studierte, seinen Trainerschein machen. "Damit schafft er sich die Perspektive, bei uns oder woanders als Übungsleiter zu arbeiten", sagt Gierschner, in dessen Verein Sportler aus 16 Nationen trainieren. Am Donnerstag ehrte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller das Engagement. Auch Abdulrahman Sammar durfte mit zum Empfang.

Ein Paar, das dem Syrer den Weg ebnet, Kontakte herstellt und in Behördenfragen hilft, sind Christine und Michael de Bailly vom Grünheider Unterstützerkreis für Flüchtlinge. Auch für Sammars Mitbewohner, Mohammad Fawzi Al Aswad (26) und dessen Bruder Ahmad (18), suchen sie Perspektiven. Während der Ältere bald an der Frankfurter Europa-Universität studieren wird, will das Paar den Jüngeren bei Siemens unterbringen.

Wie die Zukunft der drei Männer aussieht, ist indes völlig offen. Derzeit genießen sie "subsidiären Schutz". Dieser erlaubt ihnen zunächst, bis Mai 2017 in Deutschland zu bleiben. Danach muss er neu beantragt werden, sagt Christine de Bailly.

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