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Dem neuen Jahr den "Jägermarsch" geblasen

Simon Rayß / 03.01.2017, 05:58 Uhr - Aktualisiert 03.01.2017, 16:09
Eichhorst (MOZ) Auch in diesem Jahr haben Freunde der Jagd- und Waldhornmusik das neue Jahr am Askanierturm begrüßt. Das sind eine ganze Menge: Die Veranstalter haben so viele Besucher beim Neujahrsblasen verzeichnet wie noch nie zuvor.

Als die Jäger bereits seit einer halben Stunde in ihre Hörner stoßen, strömen die Besucher immer noch an Norbert Jost vorbei. "Das ist ja sagenhaft", sagt der Eichhorster. In seinen Händen hält er zwei Zählgeräte. Das eine zeigt 1384 an - so viele Besucher sind zu diesem Zeitpunkt an ihm vorübergepilgert. Das andere steht auf 57 - so viele Hunde haben ihre Herrchen und Frauchen zum Neujahrsblasen am Askanierturm begleitet.

Rund 1400 Besucher sind am Sonntag zum 19. Neujahrsblasen nach Eichhorst gekommen - mehr als jemals zuvor.
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Neujahrsblasen am Askanierturm

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Es ist das 19. seiner Art und bei Weitem das am besten besuchte. "Letztes Jahr waren es 1042 Besucher", konstatiert Norbert Jost, der ehrenamtlich bei der Veranstaltung mithilft. "Das ist eine ganz deutliche Steigerung." Noch deutlicher fällt sie aus, wenn man die vergangenen vier Jahre in Betracht zieht, in denen die Organisatoren die Zahl der Gäste erfasst haben. Rund 840 sind es 2013 gewesen. Nun sind es nochmal rund zwei Drittel mehr. "Ich denke, dass es nicht nur in Brandenburg die größte Veranstaltung an Neujahr ist", sagt Jost.

Die Natur, das gemeinsame Erlebnis und natürlich die Liebe zur Jagd- und Waldhornmusik: Für Initiator Lutz Hamann sind es verschiedene Aspekte, die die Menschen an Neujahr hinaus nach Wildau locken, das zum Schorfheider Ortsteil Eichhorst gehört. Wohin sich der Leiter des Forstreviers Hubertusstock und der gleichnamigen Jagdhornbläsergruppe am Sonntagmittag auch wendet: Überall stehen die Besucher, viele im Grün der Waidmänner. Auf und zu Füßen des Askanierturms, rund um den dazugehörigen Hügel, ums Feuer, in Schlangen an den Würstchenbuden und sogar auf der gegenüberliegenden Seite des Werbellinkanals.

Sie alle hören, wie Lutz Hamann und sein Sohn Kai das Programm eröffnen - mit einer sogenannten Echo-Fanfare. Von einem Mikro verstärkt, lässt das Stück immer wieder kurze Pausen, damit die Gäste auch das Echo vernehmen können. Durchaus eine Besonderheit, wie Lutz Hamann erklärt. Im Laufe der 19 Jahre, die es das Neujahrsblasen nun gibt, hat er schon viel erlebt: "Der Klang ist jedes Mal anders, je nach Witterung", erklärt er. "Heute ist sie gut."

Wie viele der Besucher diese Feinheiten heraushören, sei einmal dahingestellt. Doch ihre Wirkung entfaltet die Blasmusik in jedem Fall. "Man hat schon die erste Gänsehaut gehabt beim ersten Titel", sagt Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht in einem Grußwort zur Eröffnung.

Danach übernehmen die mehr als 30 Musiker, die in fünf Gruppen angereist sind. Neben den Ausrichtern vom Hubertusstock sind die Jagdhornbläsergruppen "Liebenwalde" sowie "Federspiel" aus Tuchen-Klobbicke gekommen und die Waldhornbläser "Briesetal" und "Waldhornklang". Doch das ist nicht alles: "Ich freue mich, dass noch mehr Bläser erschienen sind, als ihr Kommen angekündigt haben", sagt Lutz Hamann zwischen den Musikstücken, die klangvolle Namen tragen wie der "Jägermarsch", der "Hubertusstocker Weckruf" und "Auf, auf zum fröhlichen Jagen".

Viele Besucher wippen mit im Takt und applaudieren nach den kurzen Fanfaren. Einige laufen auch schnurstracks auf einen Mann zu, der sich im Schornsteinfeger-Aufzug seinen Weg durch die Menge bahnt. "Stehen Sie heute für Fotos zur Verfügung?", fragt eine Besucherin. "Na klar", antwortet Wulf Gärtner. Der Ortsvorsteher von Eichhorst ist gleichzeitig Bezirksschornsteinfeger und hat am Sonntag einen "original DDR-Fegeanzug" angelegt, wie er erklärt. "Der begleitet mich schon seit 1979", sagt Gärtner. "Erst richtig zur Arbeit, jetzt für Hochzeiten und solche Gelegenheiten wie heute."

Auch er ist von Anfang an beim Neujahrsblasen dabei. "Das ist eine Tradition, die wir angefangen haben zum Bau der Brücke", berichtet Gärtner und meint damit die Brücke am Askanierturm, die in seinem Rücken über den Werbellinkanal führt. Damals auch, um Geld für das Bauvorhaben zu sammeln. Mittlerweile ist die Veranstaltung nur noch hin und wieder an einen konkreten Zweck gebunden - zum Beispiel 2005, als die Organisatoren für die Opfer des Tsunamis in Südost-Asien gespendet haben.

Die diesjährige Auflage jedoch ist voll und ganz als unterhaltsamer Einstieg ins Jahr 2017 gedacht. "Man kommt, sieht alte Gesichter, lernt neue kennen", sagt Wulf Gärtner. Tatsächlich bietet sich reichlich Gelegenheit, neue Bekanntschaften zu schließen: Denn nicht nur aus dem Barnim kommen die Besucher. Auch aus Märkisch-Oderland, Oberhavel, der Uckermark und Berlin. "Wir versuchen, diese Tradition aufrechtzuerhalten", erklärt Gärtner. Eins steht fest: Wegen mangelnden Publikumsinteresses wird das Neujahrsblasen sobald nicht eingestellt.

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