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Der Stallschleicher kommt

Die Jubilare: Die Leißnitzer Männer nach der Fastnacht im letzten Jahr. Am Wochenende feiern sie ihr 30-jähriges Jubiläum.
Die Jubilare: Die Leißnitzer Männer nach der Fastnacht im letzten Jahr. Am Wochenende feiern sie ihr 30-jähriges Jubiläum. © Foto: privat
Cindy Teichert / 05.01.2017, 20:01 Uhr
Leißnitz (MOZ) Gleich im neuen Jahr starten die Zampertouren in der Region. Traditionell machen die Leißnitzer Männer den Anfang. Inzwischen pflegen sie diese Tradition schon seit 30 Jahren und auch am kommenden Sonnabend ziehen sie wieder durch ihren beschaulichen Ort an der Spree.

"Soweit ich mich erinnern kann, gab es in Leißnitz schon immer eine Fastnacht", erzählt Daniel Reinke. Jedoch feierte man nur eine Weiberfastnacht, bei der man als männliches Wesen lediglich als Kind mitzampern durfte. Es war im Winter 1986, als sich also eine Handvoll Leißnitzer Männer den Spaß machte, den Frauen und Kindern hinterher zu zampern.

Schnell war der Beschluss gefasst, 1987 eine eigene Männerfastnacht zu organisieren. Der "Chef" der lustigen Männerrunde war für fast zwei Jahrzehnte Eberhard Sradnick, der in der Region als Tierarzt bekannt ist. Im Jahr 2005 übergab er das Zepter an Daniel Reinke. Mit ihm bereiten derzeit etwa 25 Gleichgesinnte die jährliche "Leißnitzer Männerfastnacht" vor.

Höhepunkt der Feierlichkeiten sind die lustigen Einlagen beim abendlichen Tanz. "Das Showprogramm versucht, mit der Zeit zu gehen. Wir bedienen uns aktueller Musik-Acts, die berühmten "Leißnitz Tigers' studieren Tänze ein und unser Kostümfundus wird von Jahr zu Jahr größer", erzählt Daniel Reinke. Seit ein paar Jahren gehören auch Video-Einspieler und der wiederkehrende "Stallschleicher", der per Video aus Leißnitz und seinen Ortsteilen berichtet, dazu.

Zum abendlichen Tanz sind natürlich auch die Frauen wieder herzlich eingeladen, nur beim Zampern und den Auftritten wird die Geschlechtertrennung sehr ernst genommen - da dürfen keine Frauen im Spiel sein. Diese haben ohnehin weiterhin ihre eigene Fastnacht, die immer Anfang März, etwa zwei Monate nach der Männerfastnacht, gefeiert wird. Und so können Männer und Frauen beim Programm der jeweils anderen Fastnacht zuschauen und sich gegenseitig anspornen, immer noch besser als der andere zu sein. Doch trotz dieser Wettkampfsituation "bleiben wir immer ein gemeinsames Dorf und werten die Geschehnisse beim gemeinsamen Eierkuchenball aus, lachen zusammen und haben viel Spaß", versichert Reinke.

Die Leißnitzer Männerfastnacht ist inzwischen weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt und zieht jährlich zahlreiche Besucher an. Zum einen liegt das sicher an dem sehr professionell dargebotenen Programm und zum anderen ist es auch ein Vorteil, zu den Ersten zu gehören, die Fastnacht feiern. Das zieht sicher viele Neugierige und Feierlustige an. "Damals wurden die Leißnitzer Fastnachten und der Eierkuchenball in den beiden Kneipen des Dorfes, dem "Gasthof Schur' und dem "Saloon' in der Spreestraße abgehalten", erinnert sich Daniel Reinke. Doch aufgrund steigender Besucherzahlen finden inzwischen alle drei Veranstaltungen im Festzelt der Firma Korn statt. Dieses stand anfangs auf dem Sportplatz, wo man wegen des oftmals hohen Wasserstandes der vorbeifließenden Spree immer wieder Probleme mit dem aufgeweichten Boden hatte. Aber es wurde ein neuer Platz für das Festzelt gefunden, welches nun schon seit einigen Jahren auf dem extra dafür neu geschaffenen Dorfplatz Richtung Kuhnshof steht.

Viele Jahre gehörte die Live-Band "Die Lausitzer Spitzbuben" zur Männerfastnacht. Nachdem sich diese aufgelöst hat, sorgt nun schon zwei Jahre der Leißnitzer Christian Haubitz-Reinke alias "DJ Quick Willi" für die musikalische Umrahmung. Mit ein wenig Argwohn befürchteten manche, dass die "Musik aus der Konserve" nicht so gut ankommt wie eine Band, aber zufrieden konnten die Leißnitzer Männer beobachten, dass das weder der Stimmung, noch den Besucherzahlen Abbruch tat.

Am Sonnabend ist es nun wieder soweit. Dann zampern die Leißnitzer Männer ab acht Uhr durch ihr Dorf. Zuerst geht es in die Ortsteile Kuhnshof, Sarkow und Glowe. Es wird extra ein Bus gechartert, um diese anzusteuern. "Wir haben übrigens wieder Überraschungen mit im Gepäck", macht Reinke neugierig. Was es ist, wird nicht verraten, doch die Leißnitzer sind immer sehr einfallsreich. So haben sie schon lustige selbst entworfene Kalender verteilt oder auch schmackhaften Schweizer Käse. Schmackhaft ist sicher auch wieder die Erbsensuppe an Bord der mitfahrenden Gulaschkanone. "Diese begleitet uns seit etwa 15 Jahren bei unserer Männerfastnacht", berichtet der Fastnachtschef.

Ab 19 Uhr geht es im Festzelt mit flotter Diskomusik weiter und wer das Programm nicht verpassen möchte, sollte spätestens ab 20 Uhr vor Ort sein. Am Sonntag findet ab 11 Uhr ein zünftiger Frühschoppen mit Eisbeinessen und Blasmusik statt.

Große Gewinner der Leißnitzer Fastnacht sind übrigens die Kinder des Dorfes. Diese dürfen - egal ob Mädchen oder Junge - bei den Männern und den Weibern mitzampern und haben somit jedes Jahr auf zwei Fastnachten ihren Spaß.

Weitere Fastnachten in der Region: Sonnabend und Sonntag in Brieskow-Finkenheerd: Treff zum Zampern um 9 Uhr in "Seidels Bierstuben"; Sonnabend ab 9 Uhr zampern in Neubrück und ab 19 Uhr Tanz; in Ragow: Treff am "Märkischen Dorfkrug" um 9 Uhr zum Zampern und ab 19 Uhr zum Tanz mit "Swingo".

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