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Auch den Singvögeln war's zu kalt

Da sitzt ein Rotkehlchen: Anke Zwick (vorn) und Schwiegermutter Marianne Zwick bei der Stunde der Wintervögel am Sonnabend in Genschmar.
Da sitzt ein Rotkehlchen: Anke Zwick (vorn) und Schwiegermutter Marianne Zwick bei der Stunde der Wintervögel am Sonnabend in Genschmar. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 08.01.2017, 19:30 Uhr
Genschmar (MOZ) Mit Sorge beobachten Naturfreunde den Rückgang einiger Vögel in der Region. Mit der siebten Auflage der "Stunde der Wintervögel" erhofft sich der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) neue Aufschlüsse über die Entwicklung der Populationen.

Das Wetter könnte ungünstiger kaum sein. Am parkähnlichen Grundstück der Familie Zwick in Genschmar pfeift an diesem Sonnabend eisiger Wind durch die Bäume, Schneegriesel fällt. "Hier tummeln sich sonst den ganzen Tag über die Vögel", versichert Anke Zwick, mit der wir uns verabredet haben, um eine Stunde lang Vögel zu zählen. Schwiegermutter Marianne Zwick bleibt angesichts ihrer Erkältung nur kurz, versorgt uns aber mit heißen Wärmekissen. Wie nötig die sind, wird schon nach zehn Minuten stillstehen und beobachten deutlich. Kein einziger Vogel düst die erste Viertelstunde umher. Dann endlich lässt sich eine Schar Haussperlinge auf einem der hohen Bäume nieder. Sie machen tüchtig Krach.

Kurz danach tauchen zwei Ringeltauben auf, später noch einmal zwei. Sie unterliegen dem Jagdrecht, sind nicht gefährdet, gehören jedoch zu einer vielfältigen Vogellandschaft. So wie auch die Elster, gleich fünf registrieren wir. Zu ihren natürlichen Feinden zählen der Uhu, der Habicht, der Sperber, der Wanderfalke, das Eichhörnchen, der Waschbär, die Krähen und die Kolkraben. Wenig später fliegen vier Eichelhäher in unserem Blickfeld. "Die sehen und hören wir sehr oft", erzählt die Genschmarerin. So wie eigentlich auch Finken und Meisen. Doch die machen sich an diesem Tag rar. Gerade mal zwei Kohlmeisen können wir in die Zählhilfe, die der Nabu auf seiner Internetseite zum Ausdrucken ins Netz gestellt hat, eintragen. Auch der Fink taucht nur einmal auf und ein einsames Rotkelchen sucht auf dem großen Komposthaufen lange nach einem Leckerbissen, lässt sich selbst von unseren Gesprächen nicht stören. Zwischendurch ziehen Wildgänse, Kraniche, Schwäne und auch zwei Bussarde über unseren Köpfen hinweg. Sie gehören nicht zu den Gartenvögeln, sind aber gerade in den weiten Flächen des Oderbruchs überall zu sehen. Dann sichten wir einen bei Zwicks sehr typischen Vogel - den Sperber. "Er weiß, wo er Beute findet", erklärt Silvio Zwick, der uns frierende Zähler einen Besuch abstattet. Der Sperber wurde einst, weil er die "lieben Singvögel" holte, stark bejagt. Selbst große Naturschutzverbände zahlten Prämien für den Abschuss. Der Bestand wurde allerdings erst durch die Vergiftung mit dem PestizidDichlordiphenyltrichlorethan (DDT) stark reduziert. DDT reichert sich in der Nahrungskette stark an. Insekten nehmen es auf. Die wiederum werden von Singvögeln vertilgt und die sind Beute des Sperbers. DDT ist mittlerweile verboten. Nach 2000 haben sich die Bestände erholt. Eigentlich auch bei Goldammern. "Die gab es vor Jahren noch massenhaft hier,", weiß Silvio Zwick. Warum sie rund um Genschmar verschwunden sind, kann er nicht erklären. Dafür sei der Zeisig stark vertreten. Dass sich die klassischen Singvögel bei unserer Zählstunde so rar machen, verwundert Silvio Zwick nicht: "Es ist zu windig. Sie suchen Schutz in Sträuchern und im Schilf. Aber sie sind zum Glück hier alle noch da." Selbst ein Eulenpaar niste seit Jahren auf ihrem Hof. Beobachtungen, die Anke Zwick zusätzlich auf ihren Zählbogen vermerken kann. Bis Dienstag nimmt der Nabu die Zahlen entgegen. Landesweit sollen sie Aussagen über die Bestände liefern. Wir sind nach einer Stunde schön durchgefroren, freuen uns auf die warme Stube.

Infos unter wwwnabu.de

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