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Windparkhöhen sorgen für Gegenwind

Knapp 70 Falkenrehder informierten sich zum geplanten Bau neuer Windenergieanlagen.
Knapp 70 Falkenrehder informierten sich zum geplanten Bau neuer Windenergieanlagen. © Foto: Balzer
Wolfgang Balzer / 20.01.2017, 19:19 Uhr
Falkenrehde (MOZ) Widerstand: Gegen die Pläne in der Nähe der Ketziner Ortsteile Falkenrehde und Etzin in den bereits bestehenden drei Windparks weitere Windenergieanlagen mit Gesamthöhen von 200 und 220 Meter zu bauen, gab es am Donnerstag in Fakenrehde kräftigen Gegenwind. Der Ortsbeirat hatte nach den Veröffentlichungen zur aktuellen Situation in der Presse zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, an der knapp 70 Einwohner teilnahmen.

47 Windenergieanlagen (WEA) drehen sich bereits auf der Ketziner Gemarkung, 17 weitere sollen hinzu kommen, und das auch noch mit Gesamthöhen von 200 und 220 Meter. Das haben die drei in Ketzin/Havel aktiven Vorhabenträger UKA Meißen, mdp und Rübsamen bei der Stadt beantragt, obwohl sich die Stadtverordneten noch im Oktober 2016 für eine Höhenbegrenzung auf 150 Meter ausgesprochen hatten. Nach Meinung der Vorhabenträger kürzlich im Bauausschuss der Stadt seien derartige Anlagen heutzutage "wirtschaftlich nicht mehr darstellbar".

Nachgewiesen wurde das an diesem Abend jedenfalls nicht. Die abstimmungsberechtigten Mitglieder des Bauausschusses empfahlen den Stadtverordneten, den Anträgen der Vorhabenträger auf Zulassung höherer WEA am 6. Februar zuzustimmen. Eine ganz andere Empfehlung gaben am Donnerstag Falkenrehder Einwohner. Spontan unterzeichneten 65 Anwesende eine Petition an die Stadt und die Stadtverordneten, in der unter anderem gefordert wird, keine neuen WEA im äußeren Bereich des Windeignungsgebietes zuzulassen. Infraschall mache krank, wird argumentiert, zumal im Extremfall der Abstand zur Wohnbebauung nur 1000 Meter betrage. "Wir sollten unser Landschaftsbild schützen", heißt es in der Petition. Es könne nicht sein, dass die Anlagen so groß sind und so dicht an den Rad- und Wanderwegen liegen, dass man unter den Rotorblättern durchfahren müsse, heißt es an anderer Stelle.

In der vorausgegangenen teils heftigen Diskussion meinte Klaus Seliger (Falkenrehde) unter anderem, im Hauptausschuss und in der Stadtverordnetenversammlung sollte beschlossen werden, die bisherige Höhenbegrenzung beizubehalten, dann wäre die Errichtung neuer Anlagen für die Vorhabenträger uninteressant. Siegfried Grube betonte, dass er nichts gegen erneuerbare Energien habe. Seiner Meinung nach bezahlten die Bürger die WEA, und zwar mit der Netzumlage, was dazu führte, dass es in Brandenburg die höchsten Stromkosten in ganz Deutschland gäbe.

Sandra Scherfenberg wohnt am Rande eines Windparks. Schon jetzt seien die Geräusche der kleineren WEA deutlich laut zu hören, auch durch geschlossene Jalousien, sagte sie. Jamila Wichniarz (Ketzin/Havel) interessierte, was denn die Stadt und die Einwohner bis heute von den 47 Strom produzierenden WEA hätten. Eine Frage, um die wohl die Vorhabenträger in den nächsten Wochen nicht herum kommen dürften.

Doris Radtke, eine von den vier an diesem Abend anwesenden Stadtverordneten, verwies auf die Aussage der Vorhabenträger, dass mit der Errichtung neuer Anlagen alte abgebaut werden. Allerdings werde das nicht geschehen, solange sie Strom produzieren. Sie wolle in der Stadtverordnetenversammlung beantragen, keine neuen Anlagen zuzulassen, die höher als 150 Meter sind.

Verhindernde Argumente gegen neue WEA-Standorte zu finden, dürfte kaum gelingen, denn der beschlossene Regionalplan des Landes hat Vorrang vor den Entscheidungen der Kommunen und die Vorhabenträger reizen verständlicherweise die möglichen Neubauten in den ausgewiesenen Windeignungsgebieten maximal aus.

Bürgermeister Bernd Lück (FDP) konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen, ließ aber wissen, dass er die Bedenken der Falkenrehder Einwohner nachvollziehen kann und sich rechtzeitig ein entsprechendes Votum des Ortsbeirates für die Argumentation im Bauausschuss gewünscht hätte.

Nicole Fritz, Ortsvorsteherin im ebenfalls stark betroffenen Etzin, informierte, dass der Ortsbeirat am 24. Januar öffentlich das Vorhaben zusätzliche WEA beraten werde.

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Evelyn Hoffmann 25.01.2017 - 04:10:43

Es ist nicht die Aufgabe einer Kommune

für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmen zu sorgen. Die Kommune hat die Entscheidungshoheit über die Höhenbegrenzung. Dies wurde von mehreren Gerichten bestätigt. Gibt die Kommune in einem Fall nach, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass an anderer Stelle auch auf höhere Anlagen bestanden wird. Dies könnte im schlimmsten Fall eingeklagt werden. Die Gemeinde soll sich nicht unter Druck setzen lassen! Es gibt keine Wertschöpfung bei Windrädern! Der Bürger hat die Zeche zu zahlen und die Kommune ist ebenfalls Verlierer. Es ist sowieso sinnlos weitere Windräder zu bauen, da deren Strom entweder nicht ins Netz eingespeist oder an unsere Nachbarstaaten entsorgt wird (da wir bei Wind jetzt schon zuviel Strom haben). Bei Flaute nützen auch keine weitere Windräder. Wer's nicht glaubt, vergleicht einfach mal die letzten Monitoring Berichte des Bundeskartellamtes.

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