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Marienthaler Schiffertradition gefeiert

Zwei Matrosen: 50 Jahre trennen Wolfgang Schulz (links) und Christian Scharf. Doch beide gehören dem Marienthaler Schifferverein und verdienten beziehungsweise verdienen tatsächlich ihr Geld als Binnenschiffer.
Zwei Matrosen: 50 Jahre trennen Wolfgang Schulz (links) und Christian Scharf. Doch beide gehören dem Marienthaler Schifferverein und verdienten beziehungsweise verdienen tatsächlich ihr Geld als Binnenschiffer. © Foto: Volkmar Ernst/GZ
Volkmar Ernst / 23.01.2017, 06:18 Uhr
Marienthal (GZ) Marienthal war früher einmal ein Schifferdorf. Daran erinnert heute noch die "Schiffertradition 1841 Marienthal", der noch immer 21 Mitglieder angehören.

Mit 80 Jahren ist Wolfgang Schulz das älteste Mitglied, das als gebürtiger Marienthaler als Binnenschiffer auf Lastkähnen unterwegs war. Fast sechs Jahre schipperte Schulz über den Rhein und den Mittelrhein, bevor er 1957 dann doch wieder nach Marienthal zurückkehrte. Später heuerte er sozusagen beim Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde an.

Mit 30 Jahren ist Christin Scharf, der ebenfalls in Marienthal zu Hause ist, das jüngste Mitglied im Traditionsverein. Auch er, und das ist das Besondere, verdient seinen Lebensunterhalt als Binnenschiffer. Auf der Havel oder der Oder ist er allerdings nicht unterwegs, sondern ebenfalls auf dem Rhein. Dabei ist Scharf genau den umgekehrten Weg von Schulz gegangen. Er hat zuerst beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Berlin gearbeitet, bevor ihn ein Freund dazu überredete, bei einem niederländischen Binnenschiffer anzuheuern. Das war vor zehn Jahren. Seither schippert Scharf zwischen Rotterdam und Duisburg hin und her. In Rotterdam werden die mit Erz und Kohle beladenen Leichter zu einem Schubverband zusammengestellt und im Duisburger Hafen gegen die leeren getauscht. Ein anstrengender Beruf, aber Scharf kann und will sich inzwischen nichts anderes mehr vorstellen. Vom Matrosen hat er sich zum Steuermann qualifiziert, an der Befähigung zum Schiffsführer arbeitet er gerade.

1841 gegründet, hat der Marienthaler Schifferverein viele Höhen und Tiefen durchlebt und doch überlebt. Im Nationalsozialismus wurde er gleichgeschaltet. Danach fiel der Verein in einen Schlaf, aus dem er erst Mitte der 50er-Jahre geweckt wurde. Da war die Schifferei schon längst nicht mehr der Hauptbroterwerb der Einwohner von Marienthal. Daran hat sich auch heute nichts geändert.

Aber davon lassen sich Vereinmitglieder nicht abschrecken. Sie halten die alten Traditionen wach und die Vereinsfahne hoch - und dass ihre Arbeit wahrgenommen wird, das bestätigt der volle Saal im "Marienthaler", wo der Ball am Sonnabend kräftig gefeiert wurde.

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