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Pfarrer Althausen länger krank

Am Mikrofon: Andreas Althausen kümmert sich nicht nur um Kirchliches, sondern trat im November auch beim Jacobsdorfer Sängerwettstreit auf. Zur Zeit ist er nicht im Dienst.
Am Mikrofon: Andreas Althausen kümmert sich nicht nur um Kirchliches, sondern trat im November auch beim Jacobsdorfer Sängerwettstreit auf. Zur Zeit ist er nicht im Dienst. © Foto: Cornelia Link-Adam
Cornelia Link-Adam / 26.01.2017, 06:30 Uhr
Jacobsdorf (MOZ) Die evangelische Kirchengemeinde Biegen-Jacobsdorf hat derzeit keinen aktiven Pfarrer mehr. Andreas Althausen ist überarbeitet und hat sich krankschreiben lassen. Der Jacobsdorfer hatte jüngst sogar Ärger mit der Polizei.

Andreas Althausen kennt man in Jacobsdorf und den umliegenden Dörfern als geselligen Zeitgenossen. Oft mischt er sich bei Festen - nicht nur kirchlichen - unter das Volk, trinkt hin und wieder gern einen mit. So trat er auch wieder beim Sängerwettstreit im November in Jacobsdorf auf. Doch jetzt gab es einen ernsthaften Vorfall: Er soll jüngst betrunken eine Beerdigung in Arensdorf durchgeführt haben, wurde von der Polizei abgeholt. Nun sei er suspendiert, erzählt man sich in Jacobsdorf.

Ganz so sei die Geschichte nicht, betont der 62-jährige Jacobsdorfer auf Nachfrage. "Ich bin nicht suspendiert, sondern krankgeschrieben", sagt er. Die Geschichte mit der Beerdigung bestätigt er. "Ich habe mich noch vor Ort mit dem Bestatter gestritten, da ich erst auf den letzten Drücker erschienen bin." Der Fürstenwalder roch Alkohol bei Althausen und rief daraufhin die Polizei, um eine weitere Fahrt des Betrunkenen zu verhindern. "Die hat mich pusten, die Beerdigung noch machen lassen und dann mitgenommen", so Althausen. Seinen Führerschein bekomme er erst im September wieder, fügt er an. Nun sei er durch den Vorfall, der ihm im Nachhinein sehr leid tue, doppelt gehandicapt. "Meine Frau hat ja keinen Führerschein. Wir haben zum Glück einen lieben Bekannten in Biegen, der uns nun zu Ärzten und zum Einkaufen fährt."

Andreas Althausen sieht sein Vergehen in Arensdorf als Tropfen an, der das Fass zum Überlaufen brachte. "Vielleicht war das gut so, dass es passiert ist." Althausen fühlt sich überarbeitet, vom Evangelischen Kirchenkreis Oderland-Spree wenig wertgeschätzt. Schließlich sei er seit langem zuständig für elf Dörfer auf dem Lande - von Arensdorf bis Pohlitz, kurz vor Eisenhüttenstadt. Er moniert, dass er seit Jahren keinen vernünftigen Jahresurlaub mehr machen konnte, auch weil die Vertretung nicht immer funktioniere.

Althausen berichtet weiter, er habe sich über den Zustand mehrfach bei der Kirchenführung beschwert. "Geändert wurde nichts. Ich hatte zuletzt mal 14 Tage am Stück Urlaub, doch der wurde auch von Gottesdiensten und Beerdigungen unterbrochen."

Sein Körper komme nicht mehr zur Ruhe, auch eine Kur sei ihm verwehrt worden. Nun habe er die Reißleine gezogen und sich aufgrund von Überarbeitung und leichter Depression krankschreiben lassen. Aktuell überlege er, ob er gänzlich aufhört und in den Vorruhestand geht. "Das machen in dem Alter ja viele Pfarrer der Region." Voll weitermachen würde er nur, wenn die Vertretung geklärt ist. "Alternativ würde ich den Dienst auch beschränken, mich nur noch um die vier Dörfer Briesen, Pillgram, Biegen und Jacobsdorf kümmern wollen", so Althausen. Er fällt jetzt auf unbestimmte Zeit aus. "Ich gehe viel spazieren, esse gut und kümmere mich mehr um die Familie. Mir geht es gerade sehr gut", sagt er.

Wie es weitergeht, das wird die Kirchenführung mit Althausen direkt klären. "Er ist jetzt bis zum 28. Februar krankgeschrieben", sagt Superintendent Frank Schürer-Behrmann vom Evangelischen Kirchenkreis Oderland-Spree. "Die Vertretung bei Gottesdiensten, Beerdigungen und Konfirmanden-Unterricht übernimmt Pfarrer Matthias Hirsch aus Müllrose." Dazu bleibe das Jacobsdorfer Gemeindebüro weiter besetzt und seien Volker Haby und Gudrun Fessel vom Gemeindekirchenrat verstärkt Ansprechpartner für die rund 1000 Mitglieder der Kirchengemeinde. Für die Kritik an zu viel Arbeit hat der Superintendent aber Verständnis: "Die Pfarrbereiche sind bei uns in den letzten Jahren überall größer geworden. Das ist für alle Pfarrerinnen und Pfarrer eine große Herausforderung."

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