Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jungschwan vor Kältetod gerettet

Hans Still / 27.01.2017, 20:20 Uhr - Aktualisiert 27.01.2017, 20:22
Krummensee (MOZ) Erst rettete Mandy Gille einem schwachen Schwan das Leben, nun bringt sie das Jungtier durch die kalte Jahreszeit. Seit knapp drei Wochen lebt der Schwan, abgeschottet von der Vogelgrippe und sicher vor Füchsen, in Krummensee unter einem Carport, der flugs zum Stall umgebaut wurde.

"Es war einmal ein kleiner Jungschwan, dessen Familie mit Einzug des Winters gen Süden zog und den Winzling zurückließ. Kälte und Hunger setzten ihm arg zu. Dann aber kamen zwei Frauen des Wegs, retteten das schwache Tier und päppeln es fortan auf."

Was wie ein Märchen klingt, trug sich in Krummensee tatsächlich so zu. In Zeiten von Facebook und Internet gewinnt die lokale Begebenheit freilich eine andere Tragweite, wenngleich der Geschichte Kern unverändert bleibt. "Der Jungschwan saß tatsächlich allein auf dem Haussee, sodass meine Mutter und ich dachten, er wäre bereits eingefroren und tot", erinnert sich Mandy Gille an den 8. Januar. Immerhin ließ sich das Tier nach einer Weile mit Brotkrumen anlocken. Es torkelte wohl mehr in Richtung Ufer - die beiden Frauen trauten sich ihrerseits nicht auf das brüchige Eis.

Doch wie fängt man einen Schwan ein, ohne ihn dabei zu verletzten? Mandy Gille, sie ist beruflich als Gebietsdirektorin beim Mittelstands-Netzwerk BNI tätig, hatte per Handy längst das Internet bemüht und war beim Googeln nach Informationen auf die Rufnummer des Verein Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere in Oranienburg aufmerksam geworden. "Am Telefon war eine Bettina, die mir sehr wertvolle Tipps gab. Also lockten wir den Schwan an und warfen ihm eine Decke über. So konnte ich ihn mit einer Hand festhalten, mit der anderen Hand fixierte ich den Schnabel", beschreibt die Tierfreundin ihre Vorgehensweise.

Den heimischen Doppel-Carport hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon vorsorglich zu einem Stall umgebaut. Ein alter Teppich schützt gegen Kälte von unten, von ihrem Opa Richard Kusitzky bekam sie frisches Stroh zum Einstreuen. Innerhalb von fünf Tagen entpuppte sich das schwache Tier zu einem erstarkten und agilen Jungschwan, den Mandy Gille ganz bewusst nicht mit Streicheleinheiten oder anderen gut gemeinten Gesten verwöhnt. Davor hatte Bettina Weber vom Oranienburger Verein ausdrücklich abgeraten. "Wegen der Vogelgrippe können wir derzeit nicht selbst rausfahren und kranke Vögel einsammeln. Wir dürfen unseren eigenen Tierbestand natürlich nicht gefährden", erklärt sie. Nach den Gründen dieser Situation am Haussee befragt, kann auch sie nur Mutmaßungen äußern: "Möglicherweise war er krank oder zu schwach, um die Reise anzutreten. "Manchmal neigen auch die Männchen dazu, ihre Kinder aggressiv zu verstoßen."

Natürlich heißt der Schwan nicht einfach Leda oder Federtier. Es hört auf den Namen Nino Paperina Grey, was Mandy Gille so erklärt. "Der Name steht für kleines Entlein und das graue Federkleid. Über meinen Facebook-Account habe ich unter meinen Freunden den Namen sogar abstimmen lassen."

Morgens und mittags bekommt Nino nun jeweils eine Büchse Mais und Haferflocken als Futter. Außerdem findet er auf dem Boden seinen Wassertrogs frische Salatblätter, die er, wie in der freien Natur, ertauchen muss. "Wir wollen ihn nach der kalten Jahreszeit auswildern und hoffen dann wieder auf Unterstützung", blickt Mandy Gille voraus. Jungschwäne haben nur auf Gewässern eine Chance, auf denen noch kein Pärchen lebt, weiß sie.

Wer helfen will: 01726090599

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG