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Der Hammer fliegt und fliegt

Fürs Protokoll: Karsten Bechly hatte als Obmann den Rekordwurf von Kirsten Hilbig in der AK 40 verkündet, Tochter Clara (rechts) war beim Hammerwerfen der Frauen Chefin des Kampfgerichts.
Fürs Protokoll: Karsten Bechly hatte als Obmann den Rekordwurf von Kirsten Hilbig in der AK 40 verkündet, Tochter Clara (rechts) war beim Hammerwerfen der Frauen Chefin des Kampfgerichts. © Foto: Kai Beißer
Kai Beißer / 30.01.2017, 06:06 Uhr
Kienbaum (MOZ) Sonne und Temperaturen um die null Grad - die Bedingungen bei den norddeutschen Winterwurf-Meisterschaften der Leichtathleten am Wochenende im Bundesleistungszentrum Kienbaum hätten besser kaum sein können. Sportler wie Kampfrichter waren vor allem froh, dass es trocken blieb.

"Gutes Wetter, gute Laune - schlechtes Wetter, schlechte Laune." Auf diese einfache Formel brachte es Volker Pietsch, Vizepräsident Wettkampforganisation beim Leichtathletikverband Brandenburg. Der 46-Jährige Lübbener fungierte an beiden Tagen als Hauptwettkampfleiter, war sich dabei aber nicht zu schade, auch mal als Geräteholer mit anzufassen, zum Beispiel die Speere nach den mehr oder weniger weiten Versuchen der Männer ins Wurfhaus zurückzubringen.

Drinnen ging derweil KarlHeinz Dühring seiner ehrenamtlichen Arbeit nach. "Bei mir müssen alle vorbei", sagte der 69-Jährige von der WSG Königs Wusterhausen, legte den Hammer von Nils Stahr von der LG Nord Berlin auf eine handelsübliche Küchenwaage und versah das Wurfgerät anschließend mit einem kleinen blauen Aufkleber: lvb 17. "Alles in Ordnung", sagte der Gerätekontrolleur und erläuterte: "Es gibt für alles genaue Vorgaben, zum Beispiel bei einem Vier-Kilo-Hammer einen Mindest- und einen Höchstumfang von 9,5 bis 11 Zentimetern. Das wird mit einer metallenen Schablone überprüft.Die Gewichts-Toleranz beträgt 15 Gramm - natürlich nach oben, nicht nach unten. Und der Draht darf nur drei Millimeter dick und zwischen 1,16 und 1,19 Meter lang sein." Beim Speer wird derweil neben der Länge vor allem der vorgegebene Schwerpunkt kontrolliert, "beim Diskus kann es schon mal vorkommen, dass der eine Delle hat oder ich den Athleten auffordern muss, mit Sandpapier außen den Grat abzuschleifen".

Dühring war 30 Jahre Handballer und Trainer beim Oranienburger HC, später ambitionierter Langstreckenläufer bis hin zum Marathon, ehe er wegen einer Krebserkrankung quasi die Seiten wechseln musste. Seit zehn Jahren ist er nun schon Landeskampfrichter für Gerätekontrolle, 2018, nach der LeichtathletikEM in Berlin soll aber Schluss sein. "Kontrolliert wird ab Landesmeisterschaften aufwärts. Ich bin bis zu 30-mal pro Jahr im Einsatz. In Kienbaum habe ich 2013 - die Norddeutschen werden im Wechsel hier und im Sportzentrum Berlin-Hohenschönhausen ausgetragen - bei minus 20 Grad gestanden. Das war wirklich kalt", erinnerte sich der Brandenburger, in eine dicke Winterjacke gehüllt.

"Solche Wettkämpfe sind wie ein großes Familientreffen. Und natürlich macht das bei dem schönem Winterwetter allen mehr Spaß", sagte Pietsch, der ohne Mütze und Handschuhe unterwegs war. Auf die Frage, wie er eigentlich Kampfrichter geworden ist, erzählte er lachend: "Als Schüler hatte ich eine Sportbefreiung. Mein Lehrer hat gesagt: Stoppen und messen kannste, machste also das."

Den sportlichen Höhepunkt der zweitägigen Titelkämpfe gab es am Sonnabendnachmittag: Die 40-jährige Kirsten Hilbig vom VfR Evesen schleuderte den vier Kilogramm schweren Hammer im zweiten Versuch auf 51,28m, im fünften sogar auf 52,52 und verbesserte damit den deutschen Rekord in ihrer Altersklasse um rund drei Meter. Eine Weite, die nicht von ungefähr kam: Unter ihrem Mädchennamen Münchow hatte die damals 23 Jahre alte Werferin aus Niedersachsen bei der olympischen Premiere mit 69,28 Bronze hinter der Polin Kamila Skolimowska (71,16) und Olga Kusenkowa aus Russland (69,77) gewonnen.

"Ich trainiere derzeit fast gar nicht, das letzte Mal hatte ich im Oktober einen Hammer in der Hand", erzählte die frischgebackene Norddeutsche Meisterin, die Glückwünsche nicht nur vom Frankfurter Kampfrichter-Duo Clara und Karsten Bechly entgegennahm. "Aber ich arbeite Vollzeit als Physiotherapeutin, da bin ich also ohnehin im Dauer-Training. Und im Ring zehre ich von der einst erlernten Technik." Sportliche Ziele hat Kirsten Hilbig, die 2015 in Lyon Senioren-Weltmeisterin der W35 geworden war, aber durchaus noch. "Ende Juli findet die EM in Aarhus statt, und da will ich gewinnen."

Sprach's - und brachte ihren Hammer zu Karl-Heinz Dühring. Denn bei einem Rekordwurf, offiziell Deutsche Altersklassen-Bestleistung, wird das Sportgerät noch einmal kontrolliert. Schließlich muss alles seine Ordnung haben.

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