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Wilde Strohbären und tanzende Stehlampen

Sangesfreudig: In Pohlitz kamen am Sonnabend etwa 70 bis 80 Zamperer zusammen. Gemeinsam mit der Kapelle "Jochens Jungs" (links) zogen sie von Haus zu Haus und baten um Gaben für die Kreschke.
Sangesfreudig: In Pohlitz kamen am Sonnabend etwa 70 bis 80 Zamperer zusammen. Gemeinsam mit der Kapelle "Jochens Jungs" (links) zogen sie von Haus zu Haus und baten um Gaben für die Kreschke. © Foto: MOZ/Hubertus Rößler
Hubertus Rößler / 30.01.2017, 06:41 Uhr
Fünfeichen/Pohlitz/Schönfließ (MOZ) Am Wochenende wurde in der Region wieder in mehreren Orten gezampert. Bei der alten sorbischen Tradition tanzen die Teilnehmer bunt verkleidet durch das Dorf und vertreiben so die bösen Geister. Gleichzeitig wird um Gaben für die Kreschke gebeten.

Trinkende Schneemänner, hüpfende Minions, tanzende Stehlampen - zahlreiche sonderbare Gestalten sind am Sonnabend in mehreren Gemeinden der Region unterwegs. Vor allem jüngere Dorfbewohner sind bei schönstem Sonnenschein zusammengekommen, um in Faschingskostümen gemeinsam durch den Ort zu ziehen. Das Zampern soll böse Geister vertreiben hat in der Region eine lange Tradition. Der Wortursprung "Camprowanje" stammt aus dem Sorbischen und bedeutet "Heischen, Einfordern".

Auch in Fünfeichen wird schon seit vielen Jahrzehnten kurz vor der Fastnacht gezampert. "Wir haben 2006 die Organisation von unseren Eltern übernommen und wollen diesen Brauch weiter fortführen. Daher sind auch immer viele Kinder mit dabei", erklärt Rico Rockstädt vom Fünfeichner Fastnachtsclub, dem etwa 30 junge Mitglieder angehören. Bereits am Freitag war die Gruppe ab dem Nachmittag bis in den späten Abend im Dorf unterwegs, am Sonnabend ging es bereits um 9 Uhr morgens weiter. "Fünfeichen bekommt immer mehr Einwohner, daher schaffen wir die Tour nicht mehr an einem Tag", sagt Rockstädt.

In den verschiedenen Dörfern ist der Ablauf beim Zampern immer ähnlich: Vorneweg gehen meist die Kassierer und die Schnapsträger und klingeln an jeder Haustür. Dann wird um Gaben wie Eier, Speck und Zwiebeln gebeten - für die Kreschke, sozusagen der Festschmaus, der in der Regel am darauffolgenden Tag oder Wochenende stattfindet. Auch Spenden in anderer Form wie Alkohol oder Bargeld sind willkommen. Es folgt ein Ständchen der Kapelle, die mit Gassenhauern lautstark zum Tanz mit den Hausherren animiert. Für sie gibt es zum Dank außerdem noch den einen oder anderen Schnaps.

In Fünfeichen wird zudem eine andere seltene Tradition gepflegt: Mitten im Zamperzug laufen zwei Strohbären mit, die von ihren Leitern an Ketten geführt werden. Sie stecken in Kostümen, die in aufwendiger Handarbeit aus geflochtenem Stroh hergestellt und dann um die Träger gewickelt wurden. "Es ist wirklich anstrengend, den ganzen Tag in diesem engen Korsett rumzulaufen. Und auf Klo kann man auch nur mit fremder Hilfe gehen", berichten sie. Ihre Gesichter sind mit schwarzen Tüchern verhüllt, so dass man erst am Abend nach ihrem Kampf gegeneinander sieht, wer sich darunter verbirgt. "Das Ziel der Strohbären ist es, jeden mit schwarzen Ruß aus einem alten Ofen im Gesicht zu markieren, damit die Geister Angst bekommen und fliehen", erklärt Steffi Wiernowolski vom Fastnachtsclub. Für sie ist vor allem der Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl beim Zampern wichtig. "Der Spaß steht im Vordergund. Und schön finde ich, dass die Gesellschaft auch bei den neu Zugezogenen im Dorf willkommen ist."

Gute Laune herrscht am Sonnabend auch in Pohlitz. Hier sind etwa 75 Zamperer zusammengekommen. Zu den Klängen von "Jochens Jungs" tanzen sie durch die Straßen und sammeln Eier und Speck. "Die Kapelle macht wirklich super Stimmung. Da muss einfach jeder das Tanzbein schwingen. Das Tolle ist, dass viele Weggezogene für dieses Ereignis zurück in die Heimat kommen und man so auf viele alte Bekannte trifft", sagt Sven Bahro, der den Umzug mit Steffen Bahro organisiert. "Es freuen sich alle Pohlitzer, wenn wir vorbeikommen. Und wenn jemand im Urlaub ist, hängt oftmals eine Tüte mit einigen Gaben am Gartentor."

Ähnlich verhält es sich in Schönfließ. Auch hier wird den ganzen Sonnabend über gezampert. "Wir machen zwei Touren, vormittags sind auch immer viele Kinder mit dabei. Insgesamt haben wir bestimmt rund 80 Teilnehmer", berichtet Volker Budach. Er organisierte hier mehr als 15 Jahre das Zampern, mittlerweile hat Frank Wiedemann das Kommando übernommen. Gemeinsam mit den jeweils zwei Kassierern und Schnapsträgern führt er als Zampergeneral den Zug an und klingelt an den Haustüren.

Gezampert wurde an diesem Wochenende noch in weiteren Orten der Region. So zogen unter anderem auch durch Göhlen, Steinsdorf, Briescht, Jamlitz und Klein Schauen viele bunte und gut gelaunte Gestalten.

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