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Naturschützer sind in den Winterquartieren unterwegs, um Daten zu sammeln

Inventur bei den Fledermäusen

Mit Vorsicht: Behutsam holt Lutz Ittermann eine Mopsfledermaus aus ihrem Quartier. Beringte Tiere werden kontrolliert und die Daten aufgeschrieben.
Mit Vorsicht: Behutsam holt Lutz Ittermann eine Mopsfledermaus aus ihrem Quartier. Beringte Tiere werden kontrolliert und die Daten aufgeschrieben. © Foto: MOZ/Gerd Markert
Irina Voigt / 31.01.2017, 06:51 Uhr
Lichtenow/Hennickendorf (MOZ) Inventur bei den Fledermäusen, so hieß es vergangene Woche an mehreren Orten. Fledermauskenner und sachverständige Naturschützer waren unterwegs, um die Winterschläfer zu zählen.

In unterirdischen Gewölben, Ruinen und Tunneln - davon gibt es zwischen Lichtenow und Rüdersdorf so einige - wurde in der vergangenen Woche gezählt: Fledermäuse. Die Störungen in den Winterquartieren für die nachtaktiven Hautflügler wurden dabei so gering wie möglich gehalten.

Um vergleichbare Daten zu erhalten, ist es wichtig, dass die Randbedingungen möglichst konstant gehalten werden. So finden die Zählungen möglichst im gleichen Zeitraum und mit den gleichen Zählern statt, wobei ein Objektleiter - wie hier Lutz Ittermann - die Zählungen mit seinen Stammzählern meist über viele Jahre hinweg begleitet. Seit 1975 ist der Hennickendorfer Rudolf Herter an den Fledermäusen interessiert. Im Januar gibt es alljährlich auch im Hennickendorfer Hafentunnel diese Bestandsaufnahme für ein langfristiges Monitoring von Fledermäusen. Herter führt selbst Buch über die Ergebnisse und freut sich über jedes Tier mehr, das hier den Winter verbringt. "Die Fledermäuse reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen", sagt Herter.

Als vor dem Zugang zum Hafentunnel, der einst für die Belieferung des Betonwerkes vom Stienitzsee aus gebaut worden war, eine Bude aufgestellt, als der Tunnel beheizt, als Müll abgeladen oder sogar Reifen verbrannt wurden, gab es hier gar keine Fledermäuse. Nun aber, seitdem die Tür verschlossen ist gegen Eindringlinge - tierische wie menschliche - und am Ende des Tunnels, der unter der Berliner Straße verläuft, ein Luftschacht angelegt wurde, mögen die Fledermäuse dieses Überwinterungsgelegenheit. Zudem haben die Fledermausfreunde den Tieren zusätzlich zu den Ritzen und Spalten im Tunnel Schlafquartiere angeboten. Das sind aus Mörtel angeklebte Höhlen oder zusätzliche Steine mit entsprechenden kleinen Spalten. Dass hier das Klima stimmt, belegen auch die aktuellen Zahlen:

Insgesamt wurden 72 Tiere in fünf Arten registriert. Am häufigsten war die Zwergfledermaus, aber auch 13 Mopsfledermäuse und vier braune Langohren wurden gezählt. Die versierten Fledermauskenner vom Verein Mausohr, der seinen Sitz in der Zitadelle Spandau hat, freuten sich aber auch über eine Fransen- und eine Wasserfledermaus im Hafentunnel. Überhaupt fiel die Zählbilanz an diesem Tag recht zufrieden stellend aus. Denn nicht nur im Hafentunnel, sondern auch im Ringofen, in Lichtenow, im Aschetunnel und der Turbinenhalle war Fledermaus-Inventur angesagt.

Die meisten der geschützten Säuger - insgesamt kommen in der Region 23 Fledermausarten vor - verschlafen die Zählprozedur einfach. Nur beringte Fledermäuse werden vorsichtig von der Wand gepflückt, manche wachen dabei auf. Dann lesen freiwillige Helfer die Ringdaten ab, die später an die zentrale Erfassungsstelle in Dresden weitergeleitet werden.

Die einmalige Störung durch die jährliche Inventur halten die Naturschützer für verkraftbar. "Die wachen auch von Natur aus ab und zu auf und schlafen wieder ein", erzählt Lutz Ittermann vom Nabu. Die Fledermaus fahre ihren Stoffwechsel im Winter radikal herunter - im Schlaf schlage ihr Herz nur wenige Male in der Stunde und sie atme kaum noch.

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