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Feiern wie anno dazumal

Alte Schätze: Gundula Lange und Johanna Grohme (v.l.) heben die Warpröcke ihrer Vorfahren auf - wie viele Frauen im Dorf auch. Neben den schweren Röcken haben sie weitere Erinnerungsstücke: eine alte Schürze, einen alten Schlüpfer  und ein Polka-Jäckchen.
Alte Schätze: Gundula Lange und Johanna Grohme (v.l.) heben die Warpröcke ihrer Vorfahren auf - wie viele Frauen im Dorf auch. Neben den schweren Röcken haben sie weitere Erinnerungsstücke: eine alte Schürze, einen alten Schlüpfer und ein Polka-Jäckchen. © Foto: MOZ/Tatjana Littig
Tatjana Littig / 03.02.2017, 06:13 Uhr
Buckow (MOZ) Die Fastnachtssaison in der Region ist in vollem Gange. Heute Abend starten auch die Buckower in das närrische Vergnügen. Bei der Gelegenheit tragen die Dorfbewohner traditionell Tracht. Für die Frauen im Ort heißt das: die alten schweren Warpröcke der Vorfahren.

Die Fastnacht kostümiert feiern? Das kommt den Buckowern gar nicht in die Tüte. Sie feiern ihre Fastnacht seit Jahrzehnten schon in Tracht. "Ganz traditionell", sagt Gundula Lange. Ganz traditionell heißt für die Frauen im Dorf in den alten Warpröcken ihrer Vorfahren. Dazu tragen sie eine einfache Schürze, eine weiße Bluse, eine schwarzes Weste oder ein schwarzes Mieder und ein buntes Baumwolltuch um die Schultern.

"Das Tuch wird in einer ganz bestimmten Weise gebunden", klärt Johanna Grohme auf. Es wird zu einem Dreieck gefaltet, über die Schultern gelegt und vorne gekreuzt. Sind die Enden lang genug, dann werden sie hinter dem Rücken verknotet und in den Rocksaum gesteckt, bei kürzeren Exemplaren verschwinden die Enden vorne im Saum.

Doch nicht nur die Frauen im Dorf schmeißen sich in Schale, auch die Männer machen sich fein. Sie tragen eine weiße Hose, ein weißes Hemd, eine schwarze Weste, eine Krawatte, zudem einen schwarzen Gehrock oder ein Jacket, schwarze Stiefel und einen schwarzen Hut mit bunten Bändern dran.

Wer im Dorf aufgewachsen ist, der weiß das alles natürlich. Auch Laura Hampe wurde mit der Tradition groß. Die 17-Jährige ist in diesem Jahr "offiziell" zum dritten Mal bei der Fastnacht dabei. Inoffiziell habe sie ihre Mutter schon viele Jahre zuvor begleitet, erzählt sie und lacht. "Ich freue mich schon das ganze Jahr drauf", sagt sie dann. Zum Zampern durchs Dorf am Sonnabend trägt sie den dunkelgrünen Rock der Urgroßmutter einer Freundin, die gebürtig aus Buckow stammt. Für die Veranstaltungen abends im Zelt trägt sie einen lilafarbenen gestreiften Rock, so wie ihre Schwester. Die Röcke habe schon die Mutter und die Oma getragen. Vom wem sie ursprünglich sind, der Uroma, der Ururoma? Laura Hampe zuckt mit den Schultern.

Das wissen auch die anderen beiden Frauen am Tisch nicht. Nur so viel: "Die haben unsere Vorfahren schon im 19. Jahrhundert getragen", erklärt Johanna Grohme. Was früher Alltagskleidung gewesen ist, wird heute nur noch zur Fastnacht getragen. Die Exemplare von früher, die noch erhalten sind, werden im Dorf gut gehütet. "Wir sind ganz stolz drauf", sagt Gundula Lange.

Die 47-Jährige hebt ihre Röcke in einer Truhe auf. Auch bei Johanna Grohme werden sie so gelagert. Um die guten Stücke vor Motten zu schützen seien früher Mottenkugeln und Pfeffer zum Einsatz gekommen, erzählt die 65-Jährige. Heute schwören die beiden auf Lavendel, der im Garten geschnitten, dann getrocknet und in ein Taschentuch geknotet zu den gewebten Warpröcken gelegt wird.

Gewaschen werden dürfen die Röcke aus Wolle nämlich nicht. "Feucht abbürsten muss reichen", so Gundula Lange. Sorgen darüber, dass ihr Rock mal beim Feiern dreckig wird, macht sich Laura Hampe nicht. Die Schürze oben drüber werde ja gewaschen, erzählt sie, und wenn ein Rock kaputt geht, würde er sofort wieder genäht.

Zwei, drei Wochen vor der Fastnacht geht in Buckow das große Organisieren los. Nicht auf jedem Gehöft sind die alten Warpröcke erhalten, dafür haben wiederum andere Frauen wie Gundula Lange und Johanna Grohme einige Exemplare in petto, die sie verleihen - vorausgesetzt, dass die Erinnerungsstücke auch den Weg zu ihnen zurückfinden. Was Zugezogene nicht wissen können: Statt in Tracht im Dirndl zu erscheinen, geht einfach gar nicht.

Fastnacht in Buckow am Puhl: Heute Abend mit den "Buckower Spitzbuben", am Sonnabend mit "Sound Up", Einlass ab 19 Uhr; Zampern am Sonnabend, 8 Uhr, Treffpunkt: "Goldener Hirsch"

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