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Waldspaziergang am Lichtmesstag

Kurze Pause: Alfred Effert verschnauft an der Napoleoneiche, die ihren Namen französischen Truppen verdankt.
Kurze Pause: Alfred Effert verschnauft an der Napoleoneiche, die ihren Namen französischen Truppen verdankt. © Foto: MOZ/Josefine Jahn
Josefine Jahn / 03.02.2017, 07:22 Uhr - Aktualisiert 03.02.2017, 10:12
Altfriedland (MOZ) Das Gute an Bauernregeln ist, dass man sie sich nach Belieben ein wenig zurecht biegen kann. Zum Lichtmesstag, der nach katholischem Brauch 40 Tage nach Weihnachten - also am 2. Februar - begangen wird, soll sich herausstellen, wie lange der Frühling noch auf sich warten lässt. So heißt es etwa "Wenn's zur Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit." oder "Scheint zur Lichtmess die Sonne heiß, gibt es noch viel Schnee und Eis".

Am 2. Februar eines jeden Jahres ist Lichtmess. Jahrhundertelang vor allem ein kirchlicher Festtag, wird er auch heute noch unbewusst wahrgenommen. In vielen Bauernregeln stoßen wir auf den Begriff, wie etwa in "Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee."  An diesem Tag soll sich demnach entscheiden, wie lange der Winter noch andauern wird. In einigen Teilen der USA ist eineähnliche Tradition als "Murmeltiertag" bekannt.
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Lichtmess-Wanderung mit Alfred Effert

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Gestürmt hat es am Donnerstag zwar nicht, außerdem schien die Sonne trotz Minusgraden sehr freundlich. Allerdings lag immerhin noch reichlich Schnee. Beherzt sagte Alfred Effert, der im Namen des Vereins Langes Haus nach Altfriedland zum Wandern eingeladen hatte, seinen selbst kreierten Spruch: "Wenn's zur Lichtmess bitterkalt, kommt bestimmt der Frühling bald." Alljährlich wandert Alfred Effert am Lichtmesstag, der übrigens auch sein Namenstag ist.

Nicht nur reimen kann der ehemalige Lehrer gut. Er kann den 40 Gästen, die ihn auf seiner Wanderung begleiten, vor allem viel über Flora und Fauna berichten. "Das war ein Hase", identifiziert er Spuren im Schnee. "Das andere sind alles Hundepfoten."

Ein paar Schritte weiter fragt Effert: "Hören Sie den Ruf? Das ist der Schwarzspecht. Der kann so groß werden wie ein Raabe." Vorbei an der alten Klosterruine in Altfriedland geht es weiter in Richtung Siebgraben, wo sich manchmal Eisvögel aufhalten, wie Effert weiß. "Aber denen sind wir heute zu viele Menschen."

Links vorbei an Gartenlauben biegt die Wandergruppe ab zum Schinderluch, wo einst tote Tiere hineingeworfen und dadurch entsorgt wurden. Hinter dem Luch liegt der Schinderberg und wiederum dahinter der Lettinsee. Zwischendurch hält Effert immer wieder an, wendet sich den Wanderern zu. Neben dem Efeu sei auch die Mahonie eine immergrüne Pflanze, erklärt er. "Früher wurde sie auch als Färberpflanze für Textilien verwendet", sagt der 81-jährige Effert, der Biologie und Chemie unterrichtete. In Teilen US-Amerikas ist der Lichtmesstag als "Murmeltiertag" bekannt. Am 2. Februar werden dort Murmeltiere aus ihrem Bau gelockt. Wenn das Tier "seinen Schatten sieht", also die Sonne an diesem Tag scheint, soll der Winter noch weitere sechs Wochen andauern. "Es wird vermutet, dass europäische Auswanderer die Traditionen der Lichtmess mit nach Amerika genommen haben", sagt Effert. Nur wurde die Geschichte eben dem Murmeltier angepasst.

Zwei Stunden und fünf Kilometer später endet die Wanderung - wo sie begann - am Langen Haus, mit heißem Tee zum Aufwärmen.

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