Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Akute Einsturzgefahr

Architektonischer Stolz eines früheren Rittergutes: Der große Speicher in Crussow zieht sich über 100 Meter hin. Er besteht im Erdgeschoss aus behauenen Feldsteinen und im Obergeschoss aus Backstein. Nach langem Leerstand sollte das Denkmal eigentlich län
Architektonischer Stolz eines früheren Rittergutes: Der große Speicher in Crussow zieht sich über 100 Meter hin. Er besteht im Erdgeschoss aus behauenen Feldsteinen und im Obergeschoss aus Backstein. Nach langem Leerstand sollte das Denkmal eigentlich län © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 08.02.2017, 06:09 Uhr
Crussow (MOZ) Der alte Speicher des Ritterguts Crussow fällt zusammen, obwohl alle Beteiligten das Denkmal retten wollen. Seit Jahren streitet sich der Eigentümer mit der Kreisverwaltung über eine Sicherung. Der Zustand des Hauses verschlechtert sich dramatisch. Gibt es noch Hoffnung?

Eigentümer Enzo Lung sagt "ja". Er wolle endlich loslegen, wenn die Kreisverwaltung ihm die Baugenehmigung erteilt. Doch die Bauaufsicht kontert: Der Eigentümer habe längst eine Genehmigung, müsse dafür bloß noch ein geprüftes Statikgutachten vorlegen. Weil er das nicht tat, hatte die Behörde erste Sicherungsarbeiten an tragenden Bauteilen im Herbst 2014 per Baustopp untersagt.

Seitdem passiert nichts. Nur der Zahn der Zeit macht das Gebäude langsam platt. Nach Einschätzung mehrerer Fachleute besteht inzwischen akute Einsturzgefahr an dem rund 100 Meter langen Speicher. Holzkonstruktionen sind verfault, Balken abgestürzt. Die Trümmer belasten die ohnehin geschädigten Decken zusätzlich. Ein Teil des Dachstuhls muss daher abgetragen werden, so das Urteil von Enzo Lung. "Ich könnte sofort beginnen, wenn man mich ließe."

Auf dem Papier hat der Architekt ein Projekt entworfen, in dem der alte und immer noch sehenswerte Speicher zu neuem Leben kommt. Die Nutzfläche, rund 2500 Quadratmeter, bieten Platz für ein Strohhotel, für Kunst und Ateliers, für die Rettung bedrohter Pflanzen. Ein Verein, dem Enzo Lung vorsteht, soll das Ganze betreiben. Es gab bereits öffentliche Präsentationen.

Doch außer einem verrosteten Schild und der Denkmalplakette über der Eingangstür ist daraus bisher nichts geworden. Das brachte die Häuserretter aus Gellmersdorf auf den Plan. Die befestigten in einer spontanen Aktion ein aufsehenerregendes Bürgerschild am Bauzaun und nahmen Eigentümer wie auch Behörde auf die Schippe.

Die Aufregung verursachte Unruhe im Tiefschlaf des Gebäudes. Eigentümer, Kreisverwaltung, obere und untere Denkmalbehörde stehen wieder in Kontakt. Nach Angaben der Behörde sei die Baugenehmigung auf die Sanierung des Bestandes reduziert worden. Damit würde Enzo Lung Zeit gewinnen. Er könnte tragende Teile sichern, Dächer schließen und ein Holzschutzgutachten vorlegen. Doch bei jedem Eingriff ins Tragwerk verlangt die Bauaufsicht ein geprüftes Statikgutachten. Und das liege nicht vor.

Dem widerspricht Enzo Lung. "Ein Sicherungskonzept liegt seit Jahren vor, ist aber nie berücksichtigt worden. Damit hätte man noch so manches Teil retten können." Es geht ihm auch um die Öffnung von vermauerten Toren, um eine Treppe und um sogenannte Brandabschnitte. Das beauftragte Statikbüro bestätigt die von ihm vorgenommenen Berechnungen.

Woran also hakt es im Falle Crussow? Vermutlich an der Größe des Objekts. Der langgestreckte Speicher, der teils aus behauenem Feldstein und ansonsten aus Backstein besteht, kann nur stückweise gesichert und entwickelt werden. Das kostet Geld und Aufwand. Doch allen Beteiligten läuft die Zeit davon. Wenn weitere Teile einstürzen, wird der Sicherungsaufwand immer größer.

Enzo Lung schwebt nun eine Vermittlung durch einen unabhängigen Mediator vor. Er habe dazu beim Angermünder Bürgermeister nachgefragt. Auch der dritte Beigeordnete der Kreisverwaltung Karsten Stornowski erklärte sich bereit, für weitere Gespräche zur Rettung des Denkmals zur Verfügung zu stehen.

Das Schild der Häuserretter ist mittlerweile wieder demontiert worden. "Wir haben unser Ziel erreicht", so Kiri Westphal. Sie wird das Objekt im Auge behalten.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Hasso Isenhagen 09.02.2017 - 08:29:29

von dieser Art Speicher

und Brennereien gibt es viele in der Uckermark. Wirtschaftlich will und braucht sie niemand mehr. Sie stehen rum und verfallen nach und nach. Im Grunde sind es nicht mehr als Bauwerke langer feudalwirtschaftlicher Landwirtschaftsstruktur die ihre Zeit gehabt haben. Wer so etwas mag soll es sich kaufen und kann damit spielen. Den Erhalt dieser Wirtschaftsgebäude in Massen unter Denkmalschutz zu stellen und so die Kosten der Allgemeinheit aufzuladen ist weder notwendig noch vorteilhaft.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG